Kampf gegen Gaddafi CIA-Agenten sollen Rebellen ausspionieren

Der US-Geheimdienst CIA operiert schon seit Wochen heimlich in Libyen. Laut US-Medien sollen die Agenten Ziele für Luftangriffe suchen, Informationen über Gaddafis Truppen und Munitionslager herausfinden - und die Aufständischen auskundschaften.

REUTERS

Washington - Die USA unterstützen die Aufständischen in Libyen nicht nur durch Luftangriffe auf die Einheiten von Machthaber Muammar al-Gaddafi, sondern auch durch den Einsatz von Agenten. Dazu wurden Mitarbeiter des US-Auslandsgeheimdienstes CIA nach Libyen geschickt, berichten mehrere US-Medien und Nachrichtenagenturen mit Berufung auf Regierungsbeamte.

Nachdem die CIA-Vertretung in der Hauptstadt Tripolis nach Beginn der Unruhen schließen musste, habe der Geheimdienst in diesem Monat wieder Mitarbeiter in das nordafrikanische Land entsandt, sagte ein ehemaliger US-Geheimdienstmitarbeiter.

Die Agenten hätten beispielsweise bei der Rettung des Piloten des über libyschen Rebellengebiet zerschellten US-Kampfjets geholfen. Außerdem suchten die Geheimdienstmitarbeiter Kontakt zu den Aufständischen, sagte der Gewährsmann.

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Krieg in Libyen: Rebellen-Vorstoß scheitert
Die exakten Aufgaben der Spione sind allerdings unklar. Den zitierten Insidern zufolge soll der Agententrupp mögliche Ziele für Luftschläge auskundschaften und versuchen, Kontakte zu den Rebellen zu knüpfen. Konkret könnten sie Informationen über Standorte von Gaddafis Munitionslagern und Truppenstellungen herausfinden.

Bislang äußerten sich weder CIA noch Verteidigungsministerium zu dem Sondereinsatz der Agenten in Nordafrika. "Es ist gängige Praxis für diese und alle anderen US-Regierungen, sich zu Geheimdienstangelegenheiten nicht zu äußern", sagte Präsidentensprecher Jay Carney.

Manpower am Boden "hilfreich"

Der Einsatz der Agenten kann auch als Verstoß gegen Obamas Aussage betrachtet werden, es werde keine US-Bodentruppen in Libyen geben. Die Agenten seien Teil einer "Schattenmacht" westlicher Akteure, von der die Obama-Regierung hoffe, dass sie Gaddafis Militär schaden könne, schreibt die "New York Times." Ein Militärvertreter betonte am Donnerstag, die USA hegten keinerlei Pläne, Bodentruppen in Libyen einzusetzen.

Einige Militärvertreter halten den Einsatz von Soldaten oder Agenten am Boden allerdings für notwendig. US-General David A. Deptula gab zu Bedenken, in Wüstengebieten seien die Bewegungen der Gaddafi-Truppen verhältnismäßig einfach mit Aufklärungsflugzeugen nachzuvollziehen - im urbanen Raum gelte dies nicht. Verstärkung am Boden sei hilfreich, wenn es darum ginge, Stellungen der Gaddafi-Truppen aufzuspüren, um unnötige zivile Opfer zu vermeiden.

Der Rebellenverbund - die große Unbekannte

Ein intensiver Austausch mit den Rebellen ist für die Regierung Obama von immenser Wichtigkeit. Von den Aufständischen, die gegen Gaddafis Truppen kämpfen, ist bislang kaum mehr bekannt, als dass sie den Diktator zu Fall bringen wollen. Nato-Oberkommandeur Admiral James Stavridis hatte Anzeichen dafür gesehen, dass sich unter den Rebellen vereinzelt auch Qaida-Kämpfer befinden könnten. Die Agenten könnten also vor allem dafür eingesetzt werden, Details über Führungsstrukturen und Zuverlässigkeit der Rebellen herauszufinden.

Doch sind die Rebellen zuverlässige Partner für eine mögliche neue Regierung nach Gaddafi? "Diese Jungs haben kaum Ahnung davon, wie man einen Krieg führt", zitierte die "Washington Post" einen US-Regierungsinsider. Die Aufständischen operierten zum Teil unorganisiert und stürzten sich bar jeglicher Taktik in die Schlacht. Nach wie vor diskutiert die US-Regierung, Gaddafis Gegner mit Waffen und Geld zu versorgen - bevor dieses Vorhaben durchgesetzt wird, muss Obama aber wissen, mit wem er es zu tun hat.

General Carter Ham, der über das in Stuttgart ansässige Afrika-Kommando Africom den Libyen-Einsatz der USA leitet, hatte seiner Besorgnis Ausdruck verliehen, wie wenig man eigentlich über das Land im Bürgerkrieg wisse. "Wir haben kein sonderlich gutes Datenmaterial", teilte Ham in einer E-Mail an die US-Regierung mit. "Libyen gehört nicht zu den Ländern, die in den vergangenen Jahren im Fokus unserer Aufmerksamkeit standen."

Agenten per Schnelldekret entsandt

Obama weitete die Rolle des amerikanischen Geheimdienstes der "New York Times" zufolge bereits vor einigen Wochen per Direktverfügung aus. Die Agenten seien mittels Anordnung des Präsidenten entsandt worden, die den gesetzlichen Rahmen für verdeckte Ermittlungen im Ausland liefert.

Die sogenannte paramilitärische Spezialeinheit der CIA wird aktuell hauptsächlich in Afghanistan und im Irak eingesetzt, ihre Personstärke wird auf einige hundert geschätzt. Je nach Auftrag werden sogenannte "Special Operations Groups" zusammengestellt. Die Teamgröße reicht normalerweise von vier bis zwölf Mitgliedern, kann aber manchmal auch nur aus einem Agenten bestehen ( siehe Wikipedia).

Nach Angaben von Regierungsbeamten in London arbeiteten außerdem Dutzende Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 und Mitglieder von Spezialkommandos in Libyen. Diese versorgten demnach die britischen Streitkräfte mit Informationen über Ziele für Luftschläge, Stellungen und Bewegungen von Gaddafis Militär.

China fordert Waffenstillstand

Die internationalen Luftangriffe auf Ziele in Libyen stehen seit Donnerstagmorgen vollständig unter dem Kommando der Nato. Um 8 Uhr MEZ habe die Militärallianz den alleinigen Befehl über die Lufteinsätze übernommen, teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel mit.

Der chinesische Präsident Hu Jintao verurteilte die Luftangriffe auf Libyen. Bei einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Peking erklärte er, "wenn die Militäroperation Unglück über unschuldige Menschen bringt und eine noch größere humanitäre Krise auslöst, steht das im Gegensatz zum ursprünglichen Ziel der Uno-Resolution".

Der chinesische Präsident forderte einen sofortigen Waffenstillstand und zeigte sich besorgt über eine mögliche Teilung Libyens. Die Anwendung von Gewalt könnte eine mögliche Verhandlungslösung erschweren, sagte Hu.

amz/AP/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
uboot84 31.03.2011
1. ....
Zitat von sysopDer US-Geheimdienst CIA**operiert schon seit Wochen heimlich in Libyen. Laut US-Medien sollen die Agenten Ziele für*Luftangriffe suchen, Informationen über Gaddafis Truppen und Munitionslager herausfinden - und die Aufständischen auskundschaften. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754198,00.html
ist doch wohl klar, dass die amis bevor sie steuerzahler milliarden in den einsatz pumpen mal nachschauen wollen, wen sie da überhaupt unterstützen. nachdem sie erkannt haben, wer da "aufsteht" haben sie vermutlich jüngstens auch etwas mehr zurückhaltung geübt...
flower power 31.03.2011
2. Das
kann gewaltig daneben gehen. Wenn die Reb ellen mitbekommen, dass ihre Ehre so in Frage gestellt wurde, dann .....
mel80 31.03.2011
3. Scon wieder ein Forumsthema zum fast gleichen Artikel???
Sie haben doch erst vor wenigen Stunden dieses Forum zum CIA Bericht eröffnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754172,00.html Wieso gibt es schon wieder ein eigenes Forumsthema zum fast gleichen Artikel? Sollen dadurch die Meinungen im anderen Forum untergraben werden, oder hat Ihr Admin zu wenig zu tun?
Gani, 31.03.2011
4. Bei SPON sind CIA Agenten also Bodentruppen...
SPON scheint ja nichts reisserisch genug zu sein. Die Agenten waren vorher dort, sie sind jetzt dort und sie werden auch "nachher" dort sein. Und weil es sich nicht um militärische Bodentruppen mit eindeutigem Kampfauftrag handelt, hat Obama auch gegen nichts verstossen. Was soll der Blödsinn eigentlich? Die machen Lageaufklärung. Man hätte auch Recon Marines zur Ermittlung von Zielen schicken können, das wären dann Bodentruppen gewesen. Nur hätten die bestimmt nicht den zweiten Teil des Auftrags, nämlich die Beurteilung der chaotischen Lage bei den Rebellen, erfüllen können.
christoph. 31.03.2011
5. Es wird immer deutlicher, ...
... dass die tatsächlichen Interessen und Zielsetzungen der westlichen Allianz für Libyen hinter einem Vorwand versteckt wurden. Unabhängig von dem, was in China zu kritisieren wäre, hat Hu Jintao mit seiner Äußerung natürlich völlig recht: ".. wenn die Militäroperation Unglück über unschuldige Menschen bringt und eine noch größere humanitäre Krise auslöst, steht das im Gegensatz zum ursprünglichen Ziel der Uno-Resolution".
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