Kampf gegen Gaddafi Nato will Libyen-Einsatz zügig beenden

Wie lange dauert der Krieg in Libyen noch? Die Nato jedenfalls will ihren Einsatz laut Generalsekretär Rasmussen möglichst schnell beenden. Doch zuerst müssen sich die letzten Gaddafi-Kämpfer ergeben, der Übergangsrat hat ihnen nun ein Ultimatum gestellt.

Rebellen auf einem von der Nato zerstörten Flugzeug nahe Bani Walid: Krieg bald vorbei?
REUTERS

Rebellen auf einem von der Nato zerstörten Flugzeug nahe Bani Walid: Krieg bald vorbei?


Brüssel/Bani Walid - Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erwartet das Ende des Militäreinsatzes der Allianz in Libyen "bald". "Wir bleiben dort, so lange wie notwendig und keine Minute länger", sagte er. Der Einsatz Nato werde dann beendet, wenn die neue Führung in Libyen einen "wirksamen Schutz" der Zivilbevölkerung gewährleisten könne. "Ich kann kein präzises Datum nennen, aber ich glaube, es ist bald", ergänzte er.

Die Nato ist seit Ende März in Libyen im Uno-Einsatz. Seitdem ist die Militärallianz auf Grundlage eines UN-Mandats zum Schutz der Zivilbevölkerung Tausende Lufteinsätze geflogen - und unterstützte damit die Rebellen im Kampf gegen den ehemaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Keinesfalls gehe es der Nato darum, nun Gaddafi oder andere Personen zum Ziel des Einsatzes zu machen, betonte Rasmussen. "Ein mögliches Ergreifen Gaddafis ist nicht der entscheidende Punkt." Von ihm fehlt weiter jede Spur.

Erneut verteidigte der Nato-Generalsekretär die Fortsetzung des Einsatzes auch nach dem Sturz des Diktators. "Unglücklicherweise haben wir beobachtet, dass die Gaddafi-Kräfte immer noch eine Bedrohung für die Bevölkerung in Libyen darstellen", sagte Rasmussen. "Und deswegen müssen wir unseren Einsatz fortsetzen, bis diese Bedrohungen nicht mehr bestehen."

Derzeit belagern Gaddafi-Anhänger unter anderem noch die Stadt Bani Walid. Sie liegt rund 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis. Offizielle Verhandlungen zwischen den Rebellen, Stammesältesten und Anhängern Gaddafis scheiterten. Vor dem Wochenende soll die 80.000-Einwohner-Stadt aber nicht gestürmt werden, sagte der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, dem britischen Sender BBC. Er widersprach damit Kommandeuren der Rebellen. Sie hatten zuvor dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira gesagt, dass der Countdown für die Erstürmung der Stadt begonnen habe.

Es gelte das vom Übergangsrat gesetzte Ultimatum, betonte dagegen Dschalil. Danach haben die Gaddafi-Hochburgen bis Samstag Zeit, sich zu ergeben. Sowohl Gaddafis Getreue als auch die Kämpfer auf Seite der Aufständischen gehören zu dem größten libyschen Stamm, den Warfalla. Neben Bani Walid betrifft die gesetzte Frist die Küstenstadt Sirt, den Geburtsort Gaddafis, die südliche Wüstenstadt Sebha sowie mehrere Städte zwischen Sirt und Sebha.

heb/dpa/AFP/Reuters

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