US-Truppen gegen IS US-Generalstabschef sondiert die Lage im Irak

US-Generalstabschef Dempsey ist in den Irak geflogen - um über die nächste Phase im Kampf gegen den IS zu beraten. Zuvor hatte der Oberbefehlshaber erstmals angedeutet, dass auch der Einsatz von US-Bodentruppen ernsthaft erwogen wird.

US-General Dempsey bei seinen Soldaten in Bagdad
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US-General Dempsey bei seinen Soldaten in Bagdad


Bagdad - Der Besuch war nicht angekündigt, zufällig ist er aber auch nicht: US-Generalstabschef Martin Dempsey ist am Samstag im Irak gelandet. Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte will mit Regierungsverantwortlichen in Bagdad über das weitere Vorgehen gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) beraten.

Dempsey wolle Vertreter der Regierung und der irakischen Streitkräfte treffen, um über die "nächste Phase" im Kampf gegen den IS zu sprechen, teilte der US-Diplomat Brett McGurk via Twitter mit. McGurk ist Stellvertreter des US-Koordinators für die Koalition gegen den IS, Ex-General John Allen.

Es ist Dempseys erster Irak-Besuch seit dem Beginn der US-Luftangriffe auf die IS-Miliz im August. Dass der oberste US-Generals in diesen Tagen in den Irak reist, deutet darauf hin, dass die USA ernsthaft über die Möglichkeit von US-Bodentruppen im Irak nachdenken.

Erst am Donnerstag hatte Dempsey in Washington gesagt: "Zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht prognostizieren, dass ich es empfehlen würde, wenn (irakische - Anm. d. Red.) Streitkräfte in Mosul und an der Grenze (zu Syrien - Anm. d. Red.) von US-Truppen begleitet werden würden, aber wir ziehen es definitiv in Betracht."

Das irakische Militär würde zwar besser vorankommen, sagte Dempsey weiter, aber ein Einsatz in Mosul oder die Wiederherstellung der Grenze zu Syrien würden komplexere Einsätze verlangen. IS-Terroristen hatten Mosul, die zweitgrößte Stadt im Irak, im Sommer eingenommen.

USA beschließen Details zur Ausbildung von syrischen Rebellen

Dempsey sprach von einer "bescheidenen" Anzahl an Streitkräften. Er könne sich kein Szenario vorstellen, in dem die Amerikaner ein Interesse entwickeln, den Kampf gegen den IS allein und mit einem großen militärischen Aufgebot zu führen.

US-Präsident Barack Obama hatte kürzlich bereits angekündigt, die Zahl der US-Militärangehörigen im Irak von 1600 auf 3100 zu erhöhen. Diese sollen die irakischen Bodenstreitkräfte ausbilden und beraten sowie das US-Personal im Land schützen, teilte Obama mit. Über einen Einsatz mit Bodentruppen sagte er bisher nichts.

Die USA sollen sich außerdem mit der Türkei darauf geeinigt haben, moderate syrische Rebellen auf türkischem Boden auszubilden. Das berichtete die Zeitung "Hürriyet" am Samstag. Die Details stünden nun fest, hieß es. Das Training der rund 2000 Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) werde Ende Dezember in einem Ausbildungszentrum im zentraltürkischen Kirsehir beginnen, berichtete die Zeitung. Das Training erfolge durch die türkische und die US-Armee, die Kosten für Ausrüstung und Ausbildung würden jedoch ausschließlich von den USA getragen.

Strategischer Erfolg gegen den IS

Eine von den USA angeführte internationale Allianz fliegt seit Anfang August im Irak und seit Ende September auch in Syrien Luftangriffe gegen die Extremisten. Indem sie immer wieder Stellungen der Dschihadisten bombardieren, unterstützen sie den Kampf gegen den IS.

Irakische und kurdische Truppen meldeten zuletzt Fortschritte und konnten nach eigenen Angaben einige Gebiete im Norden des Landes zurückerobern. Am Freitag hatte die irakische Armee die IS-Miliz aus der strategisch wichtigen Stadt Baidschi vertrieben - ein nach Einschätzung von Beobachtern wichtiger Erfolg für die Armee, die im vergangenen Sommer von den IS-Milizionären in großen Landesteilen überrannt worden war.

Am Samstag haben die irakischen Streitkräfte zudem die Belagerung der größten Ölraffinerie des Landes durch IS-Milizionäre durchbrochen. Sicherheitskräfte hätten das Haupttor der Raffinerie erreicht, sagte der Gouverneur der Provinz Salaheddin, Raad al-Dschuburi. Drei Armeeoffiziere bestätigten die Angaben. Seit Monaten hatten irakische Sicherheitskräfte in der Anlage ausgeharrt und sich mehrfach den Angriffen von IS-Kämpfern erwehren müssen.

Die Islamisten gehen derweil verstärkt mit Attentaten gegen die Armee vor. Bei einem Bombenanschlag an einer Straße nördlich von Bagdad wurden der Polizei zufolge am Samstag fünf irakische Soldaten getötet.

lgr/Reuters/dpa/AFP

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