Kampf gegen Islamisten Kosten für Militärmission in Mali verdoppeln sich

Die Militäraktion in Mali ist kaum angelaufen, da schießen die Kosten in die Höhe. Die Staatengemeinschaft Ecowas rechnet mit einem Finanzbedarf von 375 Millionen Euro. Der britische Premier Cameron warnt vor einem "jahrzehntelangen Kampf" in Nordafrika.
Französische Soldaten in Mali: Hohe Kosten für Kampf gegen Aufständische

Französische Soldaten in Mali: Hohe Kosten für Kampf gegen Aufständische

Foto: ISSOUF SANOGO/ AFP

Bamako - Der Einsatz gegen die islamistischen Rebellen in Mali wird offenbar deutlich teurer als bisher veranschlagt. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas geht inzwischen von Kosten in Höhe von 500 Millionen Dollar (etwa 375 Millionen Euro) aus. Dabei handele es sich aber nur um eine "erste Schätzung", sagte Ecowas-Kommissionspräsident Kadré Désiré Ouédraogo am Sonntag dem ivorischen Fernsehsender RTI. Dies könne sich je nach den "Gegebenheiten vor Ort" noch ändern.

Die Eingreiftruppe der Ecowas soll Frankreich langfristig ablösen, das am 11. Januar militärisch in Mali eingegriffen hatte. Bislang waren die Kosten für die internationale Unterstützungsmission für Mali (Misma) auf 150 bis 200 Millionen Euro geschätzt worden. Die Europäische Union will sich mit 50 Millionen Euro daran beteiligen.

Ouédraogo forderte die internationale Gemeinschaft zu weiterer Unterstützung auf. Am 29. Januar findet eine Geberkonferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba statt, dann soll über einen möglichen neuen Finanzrahmen entschieden werden. Am Wochenende hatte bereits der deutsche Außenminister Guido Westerwelle weitere Finanzhilfen zugesagt.

Paris will mit dem Einsatz verhindern, dass islamistische Milizen aus dem von ihnen kontrollierten Norden des Landes weiter nach Süden vordringen. Bis zum Wochenende wurden 2000 französische Soldaten in das westafrikanische Land gebracht, ihre Zahl soll rasch weiter auf 2500 steigen.

Die Misma-Mission läuft jedoch nur schleppend an. Eigentlich sollte sie bis zum 26. Januar schon 2000 Soldaten vor Ort haben. Bis Sonntag waren es aber erst 150. Langfristig soll die Eingreiftruppe 5800 Mann stark sein.

Eindringliche Warnung von Cameron

Die Sorge vor einem wachsenden Einfluss der Extremisten in der Region ist groß. Großbritanniens Premier David Cameron warnte am Sonntag vor einem "jahrzehntelangen Kampf" gegen den Terrorismus in Nordafrika. Nach der blutigen Geiselnahme in einer Gasanlage des BP-Konzerns in Algerien forderte er eine "internationale Reaktion, die auf Jahre, vielleicht Jahrzehnte, ausgelegt ist". Man sehe sich einer ähnlichen Gefahr durch Extremisten gegenüber wie in Pakistan und Afghanistan.

Islamisten hatten die Anlage in der Wüste am Mittwochmorgen gestürmt und ein Ende der französischen Militärintervention im benachbarten Mali gefordert. Zahlreiche Tote gab es offenbar auch, als das algerische Militär versuchte, die Geiselnahme gewaltsam zu beenden.

Cameron bestätigte außerdem, dass bei der Aktion nahe der Wüstenstadt Ain Amenas mindestens sechs seiner Landsleute gestorben sind. Unter den Toten befände sich außerdem eine Person mit britischem Wohnsitz.

Die Gesamtzahl der Todesopfer hat sich damit auf mindestens 80 erhöht, darunter 48 Geiseln. Der private algerische Fernsehsender Ennahar hatte am Sonntag gemeldet, in der Anlage seien 25 weitere tote Geiseln gefunden worden. Ob es sich dabei um unbekannte Opfer handelte, war zunächst unklar. Die Zeitung "al Watan" schrieb unter Berufung auf Sicherheitskreise von "etwa 30 Leichen ausländischer und algerischer Geiseln sowie von Soldaten der algerischen Armee".

Erste Bilanz der algerischen Regierung

Nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung konnten 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter während des mehrtägigen Geiseldramas befreit werden oder sich selbst retten. 32 Terroristen wurden demnach getötet.

jok/AFP/dpa
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