Kampf gegen Kurden Türkischer Armeechef fordert Einmarsch in den Irak

Die Krise zwischen Ankara und Bagdad wegen der kurdischen Rebellen spitzt sich zu. Der türkische Armeechef forderte einen Einmarsch in den Norden des Irak.


Ankara - "Eine Operation in den Irak ist notwendig", sagte Generalstabschef Yasar Büyükanit. Er erwarte für den Kampf gegen Lager der Kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak dafür die politische Unterstützung der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara.

Aus Sicht des Militärs werde eine grenzüberschreitende Aktion "von Nutzen sein". Die Stärke der türkischen Streitkräfte sei "im Übermaß" vorhanden. Der Armeechef bezichtigt seit längerem kurdische Parteien im Nordirak, die PKK zu unterstützen.

Die PKK habe große Bewegungsfreiheit im Irak, sagte Büyükanit. Sie habe ihre Stellungen dort ausgebaut. Das türkische Militär erwartet offenbar eine Frühjahrsoffensive der kurdischen Rebellen, wenn mit der Schneeschmelze zahlreiche Gebirgspässe wieder passierbar werden. Laut Büyükanit wurden bei jüngsten Gefechten zehn Soldaten und 29 kurdische Guerillakämpfer getötet.

Die von der Türkei als Terrororganisation eingestufte PKK hatte sich nach der Ergreifung ihres zu lebenslanger Haft verurteilten Führers Abdullah Öcalan 1999 in den Nordirak zurückgezogen. Von dort organisieren kurdische Rebellen Angriffe und Anschläge in der Türkei. Die PKK kämpft seit 1984 für eine Autonomie. Dabei kamen mehr als 37.000 Menschen ums Leben.

Bei den ersten größeren Kämpfen in diesem Jahr waren in der ersten Aprilwoche zehn türkische Soldaten getötet worden. Verschärft wurde die Krise durch Äußerungen des nordirakischen Kurdenführers Massud Barsani, der damit gedroht hatte, die kurdische Bevölkerung in der Türkei aufzuwiegeln, wenn sich Ankara in den Streit um die nordirakische Ölstadt Kirkuk einmischen sollte.

Die Türkei forderte die irakische Regierung in einer Protestnote auf, die Aktivitäten der PKK im Nordirak zu stoppen. Ansonsten könne die Türkei ihr international verbürgtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen und in den Nordirak einmarschieren. Der Nationale Sicherheitsrat, in dem sich die politische und die militärische Führung der Türkei abstimmen, drohte dem Irak mit wirtschaftlichen und "anderen" Strafmaßnahmen, wenn Bagdad nicht gegen die Rebellen vorgehe und deren Führer an die Türkei ausliefere.

als/dpa/AP

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