Kampf in Libyen Britische Elitesoldaten helfen bei Gaddafi-Jagd

Sie tragen arabische Kleidung und die gleichen Waffen wie die Rebellen: Rund 30 Elitesoldaten der britischen SAS beteiligen sich laut Londoner Zeitungen an der Jagd auf Gaddafi. Einige seiner Gegner vermuten den flüchtigen Despoten in seiner Heimatstadt - dort verstärken sie ihre Truppenpräsenz.

REUTERS

London - Elitesoldaten der britischen Armee helfen den Rebellen in Libyen bei der Jagd auf Machthaber Muammar al-Gaddafi. Das berichteten der "Daily Telegraph" und die "Times" unter Berufung auf Quellen im Londoner Verteidigungsministerium.

Soldaten des "22 Special Air Service Regiment" (SAS) sind demnach seit Wochen in Libyen. Sie trügen zivile arabische Kleidung und die gleichen Waffen wie die libyschen Rebellen, berichtet die Zeitung. Nun da die Aufständischen große Teile der Hauptstadt kontrollieren, seien die Spezialkräfte beauftragt, sich auf die Suche nach Gaddafi zu konzentrieren.

Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox bestätigte am Donnerstag, dass die Nato den Rebellen bei der Jagd nach Gaddafi hilft. Das Militärbündnis "stellt dem Nationalen Übergangsrat Geheimdienstinformation und Aufklärungserkenntnisse zur Verfügung, damit Gaddafi und andere Überbleibsel seines Regimes aufgespürt werden", sagte Fox dem Fernsehsender Sky News.

Den Bericht über die aktive Rolle der britischen Spezialeinheit wollte Fox jedoch nicht kommentieren. Dem Rundfunksender BBC sagte er, es gebe "keineswegs einen Plan, dass britische Soldaten ihren Fuß auf den Boden" Libyens setzen.

Der "Daily Telegraph" berichtet jedoch, dass seine Quellen im Verteidigungsministerium erstmals bestätigt hätten, dass die SAS-Einheit seit mehreren Wochen auf libyschem Boden operiere und eine Schlüsselrolle in der Koordination des Sturms auf Tripolis gespielt habe.

Das SAS ist die Elitetruppe der britischen Streitkräfte und ein Prototyp für moderne Spezialeinheiten auf der ganzen Welt. Unter anderem wurde die Delta Force der US-Armee nach dem Vorbild des SAS gegründet. Gleichzeitig werden die Einheiten des SAS nahezu komplett von der Öffentlichkeit abgeschottet. Jede SAS-Gruppe soll Spezialisten für den Einsatz aus der Luft, auf dem Wasser, mit Landfahrzeugen und im Gebirge besitzen.

"Das Ende kommt erst, wenn er gefangen ist, tot oder lebendig"

Die Nato hat laut dem "Daily Telegraph"-Bericht alle Überwachungsflüge der Allianz sowie der britischen Spionageflieger darauf konzentriert, Gaddafi aufzuspüren.

Die Suche nach dem verhassten Despoten ist auch für die Rebellen nach dem Sturm von großen Teilen der Hauptstadt wohl die wichtigste Mission der kommenden Tage. So lange Gaddafi, der 42 Jahre lang mit eiserner Hand das Land lenkte, nicht gefangen oder getötet worden ist, das ist sowohl den Rebellen aber auch der internationalen Staatengemeinschaft klar, ist der Kampf um Libyen keineswegs beendet. Wohl auch deswegen unterstützt Großbritannien die Rebellen bei der Suche nach dem "Bruder Führer" Gaddafi.

Auf den Despoten haben die Rebellen ein Kopfgeld von mehr als einer Million Euro ausgesetzt. Zwei Geschäftsmänner aus der Rebellenhochburg Bengasi haben die Summe ausgelobt.

Die von den Aufständischen gebildete Übergangsregierung versprach außerdem jedem aus dem näheren Umfeld des Diktators, der ihn tötet oder ausliefert, Straffreiheit. Der Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abd al-Dschalil, sagte: "Wir wissen, dass Gaddafis Regime noch nicht am Ende ist. Das Ende kommt erst, wenn er gefangen ist, tot oder lebendig."

Gaddafi zu finden wird nicht einfach. In der Hauptstadt hat der Diktator ein riesiges Netz von Bunkern, die mit Tunneln verbunden sind, angelegt. Gaddafi war schon während seiner Amtszeit so paranoid wie exzentrisch und bereitete sich deswegen über Jahrzehnte auf mögliche Revolten oder Putschversuche vor. Fragt man die Führer der Rebellen dieser Tage, wo sie den Oberst vermuten, bekommt man verschiedenste Antworten. Einige vermuten ihn bereits im Ausland, andere verorten Gaddafi in seiner Heimatstadt Sirte an der Mittelmeerküste östlich von Tripolis - die Rebellen verstärken im Umland ihre Präsenz.

fab/mgb/Reuters/AFP

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