Kampf mit Polizei Flüchtlinge rebellieren auf Lampedusa

Revolte auf Lampedusa: Rund hundert tunesische Flüchtlinge haben versucht, die Tore des Auffanglagers auf der italienischen Insel aufzubrechen. Es kam zu Kämpfen mit der Polizei, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Hälfte des Lagers wurde zudem von Flammen verwüstet.

Rom - Das Lager war völlig überfüllt, die Insassen wollten raus: Rund hundert tunesische Flüchtlinge haben nach Angaben italienischer Medien am Mittwoch versucht, die Tore des Auffanglagers der Insel Lampedusa aufzubrechen. Die Polizei reagierte sofort, es kam zu blutigen Zusammenstößen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Brand auf Lampedusa: Flüchtlinge wollten Tore aufbrechen

Brand auf Lampedusa: Flüchtlinge wollten Tore aufbrechen

Foto: AP

Nach Angaben der örtlichen Polizei setzten die Immigranten anschließend Müll und andere Materialien in Brand. Ein Gebäude des Lagers sei dabei komplett zerstört worden. Medienberichten zufolge wurde das Lager mehr als zur Hälfte von den Flammen verwüstet. Am Nachmittag schien die Situation wieder unter Kontrolle. Regierungsmitglieder plädierten nach den Protesten für eine sofortige Abschiebung der Brandstifter.

"Die Immigranten haben sich beruhigt, auch wenn Spezialtruppen der Polizei weiterhin die Lage vor Ort beobachten", gab Cono Galipò, Leiter des Auffanglagers, bekannt. Der Brand sei von den 50 Feuerwehrmännern der Insel vollständig eingedämmt worden, hieß es. Bei dem Versuch der Einsatzkräfte, die Lage unter Kontrolle zu bringen, seien mehrere Menschen auf beiden Seiten verletzt worden, hieß es. Außerdem mussten 14 Menschen wegen Rauchvergiftung ambulant behandelt werden.

Die Flüchtlingsproteste hatten schon am Vortag begonnen. 300 Tunesier waren in den Hungerstreik getreten, um gegen die geplante Abschiebung von 107 Lagerinsassen ebenfalls tunesischer Nationalität zu protestieren. Bereits am 24. Januar waren rund 700 Flüchtlinge aus Protest gegen neue Regelungen aus dem Auffanglager ausgebrochen.

Die italienische Regierung hatte im Januar zusätzlich zu dem Auffanglager eine Identifikations- und Abschiebestelle auf Lampedusa eingerichtet. Angesichts der massiven Flüchtlingsströme will Italien die Abschiebung illegaler Einwanderer beschleunigen. Das Lager ist seitdem stark überfüllt. In dem für rund 800 Insassen konzipierten Auffangzentrum befanden sich am Mittwoch nach Angaben der Lagerleitung rund 890 Menschen - zum größten Teil aus Tunesien.

Die kleine Insel rund 200 Kilometer südlich von Sizilien ist ein Hauptanlaufpunkt für Bootsflüchtlinge aus Afrika. Im vergangenen Jahr trafen dort nach Angaben des italienischen Innenministeriums knapp 31.700 Flüchtlinge ein und damit 75 Prozent mehr als im Vorjahr.

vme/dpa/afp

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