Mossul-Offensive Flucht von mehr als einer Million Menschen befürchtet

Nachdem die irakische Militäroffensive gegen die IS-Hochburg Mossul angelaufen ist, warnen Hilfsorganisationen vor drastischen Folgen: 1,2 Millionen Menschen seien in Gefahr.
Pschmerga-Konvoi

Pschmerga-Konvoi

Foto: Bram Janssen/ AP

Der Angriff der irakischen Armee und ihrer Verbündeten auf die nordirakische Großstadt Mossul hat begonnen: Im Staatsfernsehen hatte Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht zu Montag die Operation zur Befreiung der Stadt angekündigt. Die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) befürchtet nun die Konsequenzen für die Zivilisten in der Region. Es müssten Fluchtrouten eingerichtet werden, lautet eine der Forderungen.

Ansonsten hätte die Menschen nur die düstere Wahl, ob sie zurückbleiben und durch Angriffe bedroht werden oder ob sie ihr Leben auf der Flucht riskieren, sagte NRC-Direktor im Irak, Wolfgang Gressmann. Nach Einschätzung des NRC könnten allein in den ersten Tagen bis zu 200.000 Menschen fliehen.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Insgesamt sieht die Organisation rund 1,2 Millionen Menschen als gefährdet an.

Die Hilfsorganisation UNHCR rechnet mit bis zu einer Million Flüchtlingen aus Mossul, von denen bis zu 700.000 humanitäre Hilfe benötigen könnten. In der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Stadt sollen noch 1,5 Millionen Menschen leben. Hilfsorganisationen hatten vor Beginn der Offensive geklagt, es seien nicht genug Lager errichtet worden, um die Vertriebenen versorgen zu können.

Iraks Ministerpräsident al-Abadi rief die Einwohner in Mossul auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren. "Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um euch von der Gewalt und dem Terror zu befreien." Der Terrorismus und der IS würden noch in diesem Jahr besiegt.

An der Offensive sollen laut al-Abadi 25.000 Soldaten beteiligt sein, darunter auch paramilitärische Kräfte, die sich aus sunnitischen und schiitischen Kämpfern zusammensetzen. Die Rolle der schiitischen Kämpfer ist dabei nicht unumstritten: Sie wurden in der Vergangenheit häufiger beschuldigt, in den eher sunnitischen geprägten Gebieten Menschen misshandelt zu haben.

mho/dpa
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