"Weltfrieden bedroht" Kanada bricht diplomatische Beziehungen zu Iran ab

Das Signal ist deutlich: Kanada verweist alle iranischen Diplomaten des Landes und schließt die eigene Botschaft in Teheran. Irans internationales Verhalten stelle eine "Bedrohung des Weltfriedens" dar, begründete die Regierung in Ottawa den radikalen Schritt.


Ottawa/New York - Iranische Diplomaten in Kanada haben fünf Tage Zeit, das Land zu verlassen, die kanadische Botschaft in Teheran wird mit sofortiger Wirkung geschlossen, kündigte der kanadische Außenminister John Baird den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Iran an.

Grund sei die "Bedrohung des Friedens" durch Iran, sagte Baird in Ottawa und nannte mehrere Beispiele: "Iran versorgt das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad immer mehr mit Waffen; es befolgt nicht die Uno-Resolutionen im Zusammenhang mit seinem Atomprogramm; es bedroht ständig die Existenz Israels und übt sich in rassistischer Rhetorik und ruft zum Völkermord auf; es ist unter den schlimmsten Verbrechern gegen die Menschenrechte und es gewährt Terroristen Zuflucht."

Gleichzeitig äußerte sich Baird mit Blick auf die jüngsten Attacken auf die britische Botschaft in Teheran besorgt über die Sicherheit von Diplomaten. Kanadischen Staatsbürgern riet Baird von Reisen in das Land ab. Die einst sehr moderate Außenpolitik Kanadas ist in den vergangenen Jahren schärfer geworden. So zählte Ottawa auch zu den wichtigsten Befürwortern der Luftschläge gegen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi im vergangenen Jahr.

Der Westen, vor allem Israel und die USA, fürchten seit langem, dass Iran die Kernenergie auch für militärische Zwecke nutzen könnte. Teheran bestreitet dies vehement.

lgr/dpa/dapd

insgesamt 24 Beiträge
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Wasserfloh 07.09.2012
1. na endlich!
Wenn das alle Staaten machen würden (klar Russland und Syrien werden wohl nicht) - wäre das vielleicht ein hilfreiches Signal. Aber ich bin kein Diplomat ...
nickleby 07.09.2012
2. Iran adé
Kanada zeigt uns, wie man Politik auch betreiben kann : Konsequenz, Klarheit , Prinzipientreue und Unerschrockenheit. Bei uns gibt es die vielen Bedenkenträger, die dem Iran immer noch eine Chance einräumen, nur um nicht als "Falke " dazustehe, was man ja nicht ist, da man nur die allgemein anerkannten Prinzipien des internationalen Zusammenlebens aufrechthält. Es ist notwendig, 1.den Iran zu isolieren, alle iranischen Diplomaten - zumindesten im Bereich der Nato und der EU - des Landes zu verweisen. 2.Humanitäre Hilfe, wenn notwendig, unter Aufsicht der UNO in den Iran zu schicken. 3.alle Handelsverbindungen mit dem Iran abzubrechen.
auweia 07.09.2012
3. Westerwelle hebt den Drohfinger
Zitat von sysopREUTERSDas Signal ist deutlich: Kanada verweist alle iranischen Diplomaten des Landes und schließt die eigene Botschaft in Teheran. Irans internationales Verhalten stelle eine "Bedrohung des Weltfriedens" dar, begründete die Regierung in Ottawa den radikalen Schritt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854611,00.html
und sagt "Du, Du...!"... Ich würde mir wünschen, das AA mit Rückendeckung von Fr. Merkel könnte sich auch dazu durchringen, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Das wäre nicht kriegslüstern und agressiv sondern nur konsequent - die Konsequenz einer jahrelangen agressiven Hinhalte- und Vernebelungspolitik der Iraner.
ziggystardust73 07.09.2012
4. Stephen Harper
Stephen Harper (der rechte kanadische Premier) zeigt wieder einmal, dass er Kanada nur fuer einen Wurmfortsatz der USA haelt. Und so werden natuerlich die diplomatischen Beziehungen zu Iran abgebrochen. Das ist kein Signal an Teheran sondern an Washington: seht wir sind wieder verlaesslich an Eurer Seite. Der Hintergrund ist, dass die letzte liberale kanadische Regierung demonstrativ nicht beim Irakkrieg mitgemacht hat. Bis vor kurzem war Kanada ein Musterland des Pazifismus. Das stinkt dem Neocon Harper, der jetzt fuer die USA und das eigene konservative Wahlvolk den Falken gibt. Denn selbst Harper weiss, dass Kanada's Aussenpolitik niemand interessiert.
schillerfocke 07.09.2012
5. Bravo
endlich eine konsequente und klare Haltung! Zudem: Diplomatische Vertretungen im Iran sind sowieso gefährliches Plaster; es ist bis heute unverständlich, dass seinerzeit bei der Botschaftsbesetzung keine geschlossene Haltung der Völkergemeinschaft erfolgt ist. Das war damals ein Angriff auf die gesamte Welt. Zu hoffen ist, dass nunmehr 200 Staaten dem Beispiel Kanadas folgen, das wäre ein unüberhörbares Signal, das zum Frieden in der Welt beitragen würde.
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