Kanada Grünenchefin muss sich nach Photoshop-Panne erklären

Ein Foto zeigt die Chefin der kanadischen Grünen im Gespräch mit Bürgern, dabei hält sie einen Becher in der Hand - einen wiederverwertbaren samt Metallstrohhalm. Nun stellt sich heraus: Das Bild wurde bearbeitet.

Grünenchefin Elizabeth May auf dem Originalfoto samt Pappbecher
Green Party of Canada

Grünenchefin Elizabeth May auf dem Originalfoto samt Pappbecher


Die Grünen-Partei in Kanada hat eingestanden, ein Foto ihrer Chefin Elizabeth May nachträglich manipuliert zu haben. Auf der Internetseite der Partei tauchte ein Foto von May auf, das sie im vergangenen Jahr auf einem Markt zeigt: Sie spricht mit Bürgern, trägt ein fröhliches Lächeln im Gesicht und in der Hand einen wiederverwertbaren Becher aus Plastik samt Grünen-Logo und Metallstrohhalm. So weit, so normal.

Das Foto war allerdings bereits zuvor online veröffentlicht worden - und da sah der Trinkbehälter noch anders aus: kein Partei-Logo, kein Strohhalm, sondern ein simpler Pappbecher.

Nun veröffentlichte May eine Erklärung zu dem Fall. Sie sei "komplett schockiert", dass Mitarbeiter das Foto bearbeitet hätten. Es handle sich um einen "Fehltritt" von "wohlmeinenden Parteimitarbeitern", heißt es in der Mitteilung. Ihnen sei es darum gegangen, das Logo im Bild unterzubringen. "Auf dem Originalfoto gibt es nichts, was ich verbergen würde." Dazu veröffentlichte sie das entsprechende Bild.

Vor Reportern erklärte May laut "Guardian": "Es tut mir leid für den Mitarbeiter, der das getan hat. Ich will ihn nicht im Fernsehen als dumm bezeichnen, aber es gab ja nichts zu verbergen. Warum also Photoshop benutzen? Ich habe keine Ahnung."

Sie bestritt demnach, dass es darum gegangen sei, mit dem manipulierten Foto ihre Glaubwürdigkeit in Sachen Umweltschutz zu erhöhen. Schließlich seien die Pappbecher kompostierbar. Für ihre Mitarbeiter hatte sie dann noch einen Tipp parat, sollten sie künftig noch einmal auf die Idee kommen, ein Foto zu bearbeiten: "Wenn sie Photoshop benutzen, können sie dann nicht etwas mit meinem Gesicht machen und es ein bisschen jünger aussehen lassen?"

aar

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insgesamt 12 Beiträge
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sven2016 26.09.2019
1. Nee, der Becher ging einfacher ...
Als Reaktion der Dane nicht schlecht, aber an der Sache vorbei. Das liegt wohl daran, dass auch manche Grünen nicht erkennen, dass kein Mensch sich 100% umweltverträglich verhalten kann. Einmal McDonalds oder Getränk aus dem Papp- oder Styroporbecher reicht schon aus, um sich moralisch zu disqualifizieren. Werdet real, Leute.
spon-facebook-10000403839 26.09.2019
2. Verrückt!
Diese Sache in zweierlei Maßen verrückt. Zum Einen ist es verrückt, dass man dieses Bild als Werbung für Partei und Umweltschutz machen möchte, indem man einen PAPPBECHER photoshopt. Der Trinkbecher als Sinnbild des Umweltschutzes. Hätte man ihr das Logo nicht auf die Stirn tätowieren können? Ob die Dame nun ein Glas, Pappbecher oder Plastikbecher verwendet - das wäre alles nicht weiterhin tragisch, jeder ist fehlbar denn: Zum Anderen ist es verrückt, dass man sich für die Verwendung eines Pappbechers rechtfertigen muss und ggf. sogar um den eigenen Job und das eigene Ansehen fürrchten muss. Selbst wenn die Dame einen bösen Plastikbecher in der Hand halten würde - Entschuldigung sagen und fertig. Beim nächsten mal etwas ökologisches. Komische Zeiten.
netterscheff 26.09.2019
3. Ein Pappbecher ...
... in Kanada macht so einen Wirbel. Toll, Pappbecher - viel grüner geht es doch in ganz Nordamerika fast nicht. Zumeist sind es doch noch immer Styroporbecher und andere doppelt und dreifach Plastikverpackungen vom Tresen bis zum Tisch im Schnellrestaurant. Teller und Besteck zum essen und wiederverwenden nach Abwasch - soweit sind die da drüben noch nicht. Denn Natur gibt es dort im Supermarkt. Wenn alle oder aufgebraucht, wird neu gekauft. Wie inzwischen auch bei uns - mit CO2-Steuer anstelle wirklicher Taten freigekauft - CO2 - zack weg.
Little_Nemo 26.09.2019
4. Grund zum Aufregen
Ein Skandal, dass dafür Photoshop verwendet wurde und nicht GIMP oder eine andere Opensource-Software. Kleiner Scherz.
karoline-wirth 26.09.2019
5. Becher
Lieber SPON, ich musste den Artikel mehrfach lesen, weil der Inhalt keinen Sinn ergab. Dann las ich den englischen Text im Bild: "…hide her disposable single-use plastic cup". Demnach hatte Sie, wenn ich das jetzt richtig verstanden, ursprünglich einen NICHT wiederverwertbaren Plastikbecher in der Hand, welcher durch einen kompostierbaren Pappbecher ersetzt wurde.
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