Flughafen Toronto Premier empfängt erste syrische Flüchtlinge in Kanada

Die ersten 163 von 25.000 syrischen Flüchtlingen sind in Kanada gelandet. Regierungschef Trudeau begrüßte sie persönlich am Flughafen von Toronto. Die größte Zeitung des Landes erklärte den Neuankömmlingen gleich mal, welches Eishockeyteam sie künftig anfeuern sollen.
Premier Trudeau (l.), syrische Flüchtlinge: "Willkommen in Kanada"

Premier Trudeau (l.), syrische Flüchtlinge: "Willkommen in Kanada"

Foto: MARK BLINCH/ REUTERS

"Wir werden die syrischen Flüchtlinge mit einem Lächeln begrüßen", hatte Kanadas Einwanderungsminister John McCallum versprochen. Und sein Regierungschef Justin Trudeau hat nun Wort gehalten: Mit strahlender Miene begrüßte der neugewählte Premierminister die ersten Syrer am Flughafen von Toronto.

"Das ist ein wunderbarer Abend", sagte Trudeau. "Wir zeigen nicht nur einem Flugzeug voller neuer Kanadier, was Kanada ausmacht. Wir zeigen auch der ganzen Welt, wie wir unsere Herzen öffnen und Menschen begrüßen, die einer unglaublich schwierigen Lage entkommen."

163 syrische Flüchtlinge landeten kurz vor Mitternacht mit einer Militärmaschine aus Beirut in der kanadischen Metropole. Bis Jahresende sollen insgesamt 10.000 Syrer nach Kanada kommen, weitere 15.000 folgen bis Ende Februar 2016. Jeden Tag werden dafür 800 Flüchtlinge im Libanon und in Jordanien ausgewählt und untersucht.

"Sie verlassen das Flugzeug als Flüchtlinge", sagte Trudeau bei der Ankunft der Syrer. "Aber wenn sie aus dem Terminal hinausgehen, sind sie dauerhafte Einwohner Kanadas mit einer Sozialversicherungsnummer, mit Gesundheitskarten und der Chance, kanadische Staatsbürger zu werden."

Die Hilfsbereitschaft im Land ist groß - so groß, dass die Flughafenbehörde darum gebeten hatte, dem Airport fernzubleiben und die Flüchtlinge nicht zu begrüßen. "Wir sind so stolz darauf, dass unsere Gesellschaft helfen will, aber so eine Resonanz würde die Ankommenden überfordern", teilten die Behörden mit.

Trotzdem kamen einige Kanadier, um die Syrer zu empfangen. "Willkommen in Kanada", hatte etwa der 20-jährige Shai Reef auf Arabisch auf ein Plakat geschrieben. "Uns Juden wollte auch niemand haben. Ich weiß, wie sich das anfühlt", sagte Reef.

Auch Kanadas größte Tageszeitung, "Toronto Star", erschien zur Begrüßung der Flüchtlinge mit einer zweisprachigen Titelseite. Auf Englisch und Arabisch hieß es dort: "Willkommen in Kanada". In einem arabischen Artikel erfuhren die Flüchtlinge zudem das Wichtigste über das kanadische Wetter, den Dialekt und natürlich Eishockey.

"Es ist alles ein bisschen größer hier als in Damaskus und Aleppo und sehr viel kälter. Aber wir sind freundlich", hieß es in dem Artikel. "Wir sind eine Stadt, die Vielfalt wertschätzt, darin liegt unsere Stärke."

Im Umgang mit den Flüchtlingen setzt sich Kanada deutlich von den USA ab. Dort haben zahlreiche Gouverneure beschlossen, keine Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Donald Trump, Spitzenreiter im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, forderte gar ein generelles Einreiseverbot für alle Muslime.

syd/AP/Reuters