Drohungen gegen Kanadas Premier Justin Trudeau macht Wahlkampf in kugelsicherer Weste

Einen Auftritt absolvierte er umringt von Polizisten und mit Schutzweste unter dem Hemd: Gegen den kanadischen Premier hat es offenbar ernst zu nehmende Drohungen gegeben. Justin Trudeau gab sich jedoch trotzig.

Justin Trudeau mit Sicherheitspersonal in Toronto: "Das wird nichts ändern"
Frank Gunn/ AP

Justin Trudeau mit Sicherheitspersonal in Toronto: "Das wird nichts ändern"


Der kanadische Premierminister Justin Trudeau will auch nach Drohungen gegen seine Person an seinem Wahlkampf festhalten. "Das wird nichts daran ändern, wie ich Wahlkampf mache", sagte Trudeau am Sonntag am Rande eines Auftritts in York.

Trudeau hatte am Samstag bei einem Wahlkampfauftritt in einem Vorort von Toronto eine Schutzweste unter seinem Hemd getragen und war von zahlreichen Polizisten begleitet worden. Der Sender CBC News berichtete, der Regierungschef habe zuvor Drohungen erhalten. Bei dem Termin in York hatte er auf die Schutzweste verzichtet. Zu Art und Inhalt der mutmaßlichen Drohungen liegen keine Angaben vor.

In Kanada wird am 21. Oktober gewählt. Trudeau und sein konservativer Herausforderer Andrew Scheer liegen in den Umfragen derzeit gleichauf. Scheer verurteilte die Drohungen gegen Trudeau scharf: "Es ist egal, was man glaubt oder wen man wählt. Niemand sollte einer solchen Bedrohung ausgesetzt werden."

Heikle Fotos setzten den Amtsinhaber unter Druck

Im September hatte die Wiederwahl-Kampagne von Trudeau einen erheblichen Rückschlag erlitten, als Fotos auftauchten, die ihn mit dunkler Gesichtsbemalung zeigten.

Das "Time"-Magazin hatte eines der Bilder veröffentlicht. Es stammt aus dem Jahr 2001 und zeigt ihn offenbar auf einem Kostümball. Auf der Aufnahme trägt Trudeau einen Turban und dunkle Gesichtsbemalung.

Der Politiker äußerte sich in deutlichen Worten zu der Aufnahme. "Es tut mir zutiefst leid", sagte er. "Das hätte ich nicht tun dürfen. Ich habe das damals nicht für rassistisch gehalten. Aber jetzt sehe ich, dass das rassistisch war." Die Aussage an Bord seines Wahlkampf-Flugzeugs wurde live im Fernsehen übertragen.

Wenig später tauchte dann noch ein von "Global News" verbreitetes Video auf. Darin ist Trudeau ebenfalls mit braunem Make-up zu sehen. Seine Partei bestätigte die Echtheit des Videos und erklärte, es zeige den Premierminister "Anfang der Neunzigerjahre".

jok/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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berry_1 14.10.2019
1.
Für mich als Afrikaner ist die Hysterie unverständlich was das Schwarzschminken des Gesichts für ein Masken- oder Faschingsball angeht. Ich empfinde es weder rassistisch noch unangebracht. Auch im Bezug auf sich verändernde Werte kann aus meiner Sicht nicht der heutige Maßstab zu Kritik auf "Taten" von Vor 10 oder 15 Jahren (was damals normal war) herangezogen werden. Welche Sau wird alsNächstes durchs Dorf getrieben? Ein Politiker der vor 20 Jahren einen Negerkusskarton in der Hand hält und er sich deshalb nicht politisch Korrekt verhalten hat ... er hätte ja auch "Schaumküsse" kaufen können ... ach die gabs ja damals noch nicht...! Oder Selbige Person beim Heilige 3 Könige Umzug wobei er den Schwarzen miemt?? Die Denkweise ist wirklich eine rein "WEISSE" Denkweise. Es gibt auf dem Feld des Rassismus andere Felder (reale / wichtige Bereiche) zu beackern. Und nicht solche die von den eigentlichen Themen ablenken.
Marin Wood 14.10.2019
2. Kinder, Trudeau und AfD-Fanatiker
Als 8jähriger ging ich dunkelbraun geschminkt im Indianerkostüm und mit "Flitzebogen" zum Schulfest. Meine eigentlich dunkelhäutige Schulfreundin verwandelte sich - heller geschminkt - in eine märchenhafte Elfe. Es ging um Anderssein, Empathie und Spaß. Wir Kinder hatten jedenfalls viel Freude. Wäre dieses spielerische Auftreten heute rassistisch? Ist Trudeau's Partyverkleidung so viel anders zu werten? Jedenfalls haben das kindliche Rollenspiel und Trudeau's Verhalten nichts mit den Überlegenheitsfantasien und dem realen Rassismus der AfD-Fanatiker zu tun.
peter-11 14.10.2019
3. Zustimmung
Vielen Dank für die Beiträge Nr. 1 u. 2. Dem kann man nur zustimmen. Dieses permanente Suchen nach irgendwelchen sogenannten rassistischen Gegebenheiten von vor zig Jahren nervt langsam. Es ist unglaublich welche Dinge der Solo Korrekten an den Haaren herbeigezogen werden. Sieht jemand das differenzierter, wird er einfach mit der "AFD-Keule" erschlagen. Die ganz große Mehrheit der Bevölkerung hat nichts mit den Braunen am Hut. Sie lassen sich aber auch nicht gerne von ein paar Idiologen am Nasenring vorführen.
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