Kanada Liberale verlieren absolute Mehrheit

Kanadas regierende Liberale Partei hat sich bei den Parlamentswahlen nur knapp behaupten können. Sie verlor ihre absolute Mehrheit und dürfte damit die erste Minderheitsregierung in Kanada seit einem Vierteljahrhundert bilden.


Ottawa - Wie der Fernsehsender CBC heute berichtete, können die Liberalen von Ministerpräsident Paul Martin mit 137 Sitzen im 308 Abgeordnete umfassenden Parlament rechnen. Im alten Parlament verfügten sie über 168 Abgeordnete. Die oppositionellen Konservativen legen um 23 Sitze zu und kommen auf 96 Sitze. Die linksgerichteten Neuen Demokraten könnten 21 Abgeordnete ins neue Parlament entsenden, der Bloc Quebecois des französischsprachigen Landesteils 53. Die Liberalen könnten nun mit Unterstützung der Neuen Demokraten eine Koalition eingehen.

Meinungsforscher hatten vor der gestrigen Wahl damit gerechnet, dass die Liberalen und die vor sechs Monaten aus zwei rechtsgerichteten Parteien gebildeten Konservativen in etwa gleich stark werden würden. Das besser als erwartet ausgefallene Abschneiden der Liberalen bedeutet, dass die Neuen Demokraten und nicht der separatistische Bloc Quebecois die Rolle des Züngleins an der Waage spielen können.

Die Liberalen regieren Kanada seit mehr als zehn Jahren. Sie stehen derzeit in der Kritik, Regierungsaufträge bevorzugt an Firmen mit engen Verbindungen zur Partei vergeben zu haben. Im Wahlkampf sicherten sie zu, für einen ausgeglichenen Haushalt zu sorgen und die Zuwendungen für die Gesundheitsversorgung zu steigern.

Der konservative Spitzenkandidat Stephen Harper hatte die Wähler aufgefordert, die korrupte und unehrliche Regierung aus dem Amt zu treiben. Die Neuen Demokraten treten für höhere Sozialausgaben ein und wollen die Unternehmen stärker besteuern.



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