Kanada Vorwurf der Spionage - Polizei nimmt eigenen Mitarbeiter fest

Ein ranghoher Geheimdienstvertreter der kanadischen Polizei steht unter Spionageverdacht: Er soll Dokumente gestohlen haben, deren Weitergabe für die Sicherheit des Landes "verheerende" Folgen haben könnte.

Gerichtszeichnung von Cameron Ortis: Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft
Lauren Foster-MacLeod/ REUTERS

Gerichtszeichnung von Cameron Ortis: Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft


In Kanada ist ein ranghoher Geheimdienstvertreter der Polizei unter dem Verdacht festgenommen worden, hochgeheime Dokumente gestohlen zu haben, deren Weitergabe für die Sicherheit des Landes und seine Verbündeten "verheerende" Folgen haben könnte. Wie die Zeitung "Globe and Mail" berichtete, wurde der Generaldirektor der Geheimdienst-Koordinierungsstelle der kanadischen Bundespolizei, Cameron Ortis, als mutmaßlicher Spion entlarvt, als er sensible Informationen an das organisierte Verbrechen verkaufen wollte.

Der 47-jährige Ortis arbeitete seit 2007 für die Bundespolizei, die Royal Canadian Mounted Police (RCMP), wie es in einer aktuellen Mitteilung der Behörde zu dem Fall heißt. Er hatte demnach Zugang zu Geheimdienstinformationen aus dem In- und Ausland.

Auf die Spur kam ihm die US-Bundespolizei FBI, nachdem sie auf dem Laptop eines inhaftierten kanadischen Geschäftsmannes mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen eines der internen Polizeidokumente entdeckte.

Die RCMP unterstützte eigenen Angaben zufolge die FBI-Ermittlungen im Jahr 2018 - und im Zuge dieser Arbeit sei der Verdacht aufgekommen, es gebe eine undichte Stelle in den eigenen Reihen. Entsprechende Ermittlungen hätten dann zu der Festnahme von Ortis am vergangenen Donnerstag geführt. "Die Nachricht von seiner Festnahme hat viele Menschen in der RCMP erschüttert", heißt es in der Mitteilung.

Die Weitergabe der Geheimdienstinformationen könnte Kanada und seinen Verbündeten schweren Schaden zufügen, meldete der Sender CBC und berief sich dabei auf einen Bericht des kanadischen Geheimdienstes. "Diese Art von Information trifft das Herz von Kanadas Souveränität und Sicherheit", zitierte der Sender aus dem Bericht. Sie könnte demnach fremden Diensten Aufschluss über Ziele, Techniken, Methoden und Fähigkeiten der kanadischen Geheimdienste und ihrer Verbündeten geben.

Nach Informationen von CBC war Ortis hochverschuldet. Er steht demnach im Verdacht, den Verkauf sensibler Informationen an andere Staaten, kriminelle Banden oder Terrororganisationen geplant - oder bereits getätigt - zu haben.

Trudeau: "Wir nehmen die Informationen sehr ernst"

Laut Polizeichefin Brenda Lucki soll Ortis die Dokumente zwischen 2016 und 2019 gestohlen haben. Welche ausländischen Organisationen betroffen sind, ließ sie offen. Sie sagte nur, die Ermittlungen dauerten an. Kanada ist Mitglied der sogenannten Five Eyes, einer Allianz von Geheimdiensten, der auch Australien, Neuseeland, Großbritannien und die USA angehören.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte am Dienstag, sein Land nehme die Informationen sehr ernst. Kanada stehe im Kontakt mit allen seinen Verbündeten über die möglichen Sicherheitsrisiken. Sollte Ortis wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz vor ausländischer Spionage und der nationalen Sicherheit verurteilt werden, drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft.

aar/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
lepuslateiner 18.09.2019
1. Wirklich
-- aber wie kann ein solcher Bericht glaubhaft sein : (a) klaut offenkundig systematisch und seit 2016, (b) ist hoch verschuldet - was ja wohl bedeutet : er braucht Geld, (c) dann versteckt er die Geheim-Infos zu Hause und (d) hat sie (vielleicht) noch nicht verkauft ?? Also scheinbar doch kein Geldbedarf in den letzten 3 Jahren !? Exakt eine solche unzulängliche und verblödende Informationspolitik der staatlichen kanadischen Stellen ist weltweite Informationspolitik der jeweiligen staatlichen Stellen ! Schon der "alte" Boethius wußte es : Si tacuisses !
jujo 18.09.2019
2. ....
Wenn er dreissig Jahre in den Knast geht, dann muß er sich um seine Schulden keine Gedanken mehr machen. So kann man Probleme auch lösen. :-)
Nur kurz hier 18.09.2019
3. Ich weiss nicht ...
... ob Sie schon mal etwas verkauft, ober zumindest eine Vorstellung von einem Verkauf haben. Also man braucht eine Ware. Die hatte der Mann wohl. Dann braucht man einen Käufer für diese doch sehr spezielle Ware. In diesem Fall muss der Käufer bereit sein die Ware zu kaufen. Er sollte sich auch klar sein das der Verräter der ihm da was anbietet auch wirklich ein Verräter ist. Denn auch er geht mit dem Kauf ein hohes Risiko ein. Dann sollte er auch in der Lage sein die Ware zu kaufen. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Paket geheime Papiere nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Der Verkäufer muss ich auch sicher sein das der Käufer nicht ein getarnter Kollege ist. Bei so speziellen Anforderungen ist eBay Kleinanzeigen oder "Bares für Rares" sicher nicht die erste Wahl Da kann es schon mal ei wenig dauern , bis da Bewegung in die Sache kommt. Und dann kommt da vielleicht auch noch eines hinzu. Der Diebstahl der Papiere ist das eine. Dann lagen die bei ihm zu Hause. Er war sich klar, welches Risiko er mit dem Verkauf eingeht. Noch kann er den ganzen Kram einfach in den Ofen stecken und alles ist gut. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Zeit braucht sich zu so einem gewagten Schritt zu entschließen. Da muss der finanzielle Druck wohl erst eine gewisse Höhe erreichen. Kurz und gut. Sie sehen, es ist durchaus möglich, dass sich das so zugetragen hat. Die deutsche Sprache kennt einen Unterschied zwischen "übersteigt mein Vorstellungsvermögen" und "falsch". Wie ist das in Latein? Das scheinen Sie ja zu können.
Anandamid 18.09.2019
4. Das hat noch eine ganz andere Dimension als bei Snowden
Ed Snowden hat die Öffentlichkeit informiert über Vorgehensweisen der eigenen staatlichen Behörden, aber niemanden verraten und nichts verkauft. afaik
jetrabbit 18.09.2019
5.
Weder Snowden, Assange oder Manning haben etwas veröffentlicht was wir nicht vorher schon wussten, ahnten oder von vielen anderen so ähnlich gehört hatten. Ich habe den Hype nie verstanden.
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