"Combat 18" und "Blood & Honour" Kanada setzt rechtsextreme Gruppen auf Terrorliste

Die Neonazigruppe "Blood & Honour" ist in Deutschland verboten. Laut Innenminister Seehofer soll auch "Combat 18" folgen. In Kanada stehen beide nun auf der Terrorliste - als erste rechtsextreme Gruppen.


Kanada hat erstmals zwei rechtsextreme Organisationen auf seine Terrorliste gesetzt. Die kanadischen Sicherheitsbehörden veröffentlichten am Mittwoch eine aktualisierte Version der Liste, in der nun auch die Neonazigruppe "Blood & Honour" ("Blut und Ehre") und ihr bewaffneter Arm "Combat 18" ("Kampf 18") aufgeführt werden. Die Behörden verwiesen unter anderem auf von Mitgliedern von "Blood & Honour" verübte Angriffe in Nordamerika und Europa.

In Deutschland ist "Blood & Honour" bereits seit dem Jahr 2000 verboten. Es ist das Netzwerk, das auch dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) half. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Mittwoch angekündigt, auch "Combat 18" in Deutschland verbieten zu wollen.

Auf der kanadischen Liste von Terrororganisationen werden rund 60 Gruppen aus aller Welt aufgeführt. Bei den meisten handelt es sich um dschihadistische Gruppen.

Mordverdächtiger im Fall Lübcke pflegte einst Kontakt zu "Combat 18"-Mitgliedern

Im vergangene Woche veröffentlichten Jahresbericht des kanadischen Geheimdienstes CSIS wird auf die Gefährlichkeit der rechtsextremen Szene hingewiesen. Seit 2014 seien mehrere gewalttätige Angriffe durch Täter verübt worden, die vom Rechtsextremismus beeinflusst seien, heißt es in dem Bericht.

In Deutschland wird derzeit stark über rechtsextreme Gewalt debattiert. Die Diskussion geht zurück auf den Mord am Kasseler Regierungschef Walter Lübcke (CDU). Hauptverdächtiger ist der Rechtsextremist Stephan Ernst. Er sitzt in Untersuchungshaft und hat die Tat mittlerweile gestanden. Auch zu Neonazis aus der Gruppe "Combat 18" pflegte Ernst in der Vergangenheit Kontakt.

Rechtsextreme Gruppen in Hessen
"Blood & Honour" (B&H)
Zu deutsch "Blut und Ehre" nach dem Motto der Hitlerjugend. 1987 in Großbritannien gegründet und in den Neunzigerjahren eine wichtige Organisation in der rechtsextremen Skinheadszene in vielen Staaten. 1994 bildete sich ein deutscher Ableger, großspurig-militaristisch "Division" genannt, der bis 2000 auf 15 regionale Gruppen mit etwa 200 Mitgliedern anwuchs. Der Innenminister verbot sie damals aufgrund von Verfassungsfeindlichkeit. Ende 2018 durchsuchte die Polizei Wohnungen in fünf Bundesländern von zwölf Personen, die sie verdächtigte, "Blood & Honour" fortgeführt zu haben.
"Combat 18" (C18)
Wird übersetzt als "Kampfgruppe Adolf Hitler". Gegründet 1992 von Rechtsextremisten in England. Ihnen werden rassistische Gewalttaten zur Last gelegt. Als 1999 in London drei Nagelbomben explodierten, bekannte sich ein Anrufer von "Combat 18" dazu. Die Bomben enthielten Tausende Nägel von zehn Zentimeter Länge. Drei Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt. Fünf Jahre später verübte der "NSU" in Köln einen ähnlichen Anschlag. In den USA, Australien und Europa bildeten sich Gruppen, die ebenfalls den Namen "Combat 18" tragen. Der Verfassungsschutz sieht in den deutschen "Combat 18"-Anhängern bislang vor allem Maulhelden. Die hätten zwar eine "feste Struktur" aus einigen regionalen Gruppen aufgebaut, bildeten aber noch keinen "bewaffneten Arm" von "Blood & Honour", wie oft behauptet werde. Gewalttaten einzelner bewaffneter Mitglieder seien dennoch denkbar. 2018 gingen die Behörden von etwa einem Dutzend "Combat 18 Deutschland"-Mitgliedern aus.
"Sturm 18"
Oder "Sturm 18 Cassel", 2013 gegründet und nach zahllosen Straftaten 2015 vom hessischen Innenminister verboten. Der eingetragene Verein hatte damals knapp 40 Mitglieder.
Oidoxie
Eine rechtsextreme Band aus Dortmund, gegründet 1995, die sich mit dem C18-Logo schmückt. "Oi!" ist ursprünglich ein Punk-Musikstil, kommt also aus dem linken bis anarchistischen Milieu, wurde aber von rechten Skinheads adaptiert.
"Oidoxie Streetfighting Crew"
Unterstützer der Band Oidoxie mit Verbindungen nach Kassel. Zahlreiche Mitglieder wurden wegen Gewaltdelikten verurteilt.

Die Untersuchungen sollen allerdings noch weitergehen. Das sagten sowohl Generalbundesanwalt Peter Frank als auch Innenminister Seehofer. Ernst habe zwar angegeben, die Tat allein geplant und durchgeführt zu haben. Trotzdem gehe es laut den Behörden nun darum, herauszufinden, ob es nicht doch Mitwisser oder Mittäter gegeben habe. Außerdem soll geklärt werden, ob Ernst Mitglied einer rechtsterroristischen Vereinigung ist.

aev/AFP



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