Kanzler-Reise Engere Zusammenarbeit mit Indien vereinbart


Gerhard Schröder und Atal Behari Vajpayee wollen sich künftig einmal pro Jahr treffen
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Gerhard Schröder und Atal Behari Vajpayee wollen sich künftig einmal pro Jahr treffen

Neu Delhi - Deutschland und Indien wollen ihre Zusammenarbeit massiv ausbauen. Beide Regierungschefs wollen sich künftig einmal im Jahr treffen. Dies haben Bundeskanzler Gerhard Schröder und der indische Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee am Montag bei einem Gespräch in Neu Delhi vereinbart. Die nächste Zusammenkunft werde in Berlin stattfinden, teilte Schröder mit. Neben dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen soll es auch engere Kultur- und Wissenschaftskontakte geben.

Unterschiedlich bewerteten die beiden Regierungschefs, wie der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan entschärft werden kann. Wie schon am Sonntag bei dem Treffen mit Pakistans Staatschef Pervez Musharraf bekräftige Schröder auch gegenüber dem indischen Premier seine Forderung, den Dialog zwischen beiden Staaten auf Spitzenebene wieder aufzunehmen. Dies lehnt die indische Führung aber bislang strikt ab. Begründung: Vorher müsse Islamabad alle Verbindungen zu den bewaffneten islamischen Separatisten in der geteilten Provinz Kaschmir einstellen.

Vajpayee forderte in dem Gespräch mit Schröder erneut, es müsse gegen alle Staaten vorgegangen werden, die Terroristen finanzierten, bewaffneten oder ausbildeten. Dies habe Schröder in seinen Reden auch immer gefordert, sagte Vajpayee. Er lehnte ein Treffen mit Musharraf am Rande der Uno-Vollversammlung in New York ab. Solche Begegnungen könnten auch in Neu Delhi oder Islamabad stattfinden, sagte er.

Mit Blick auf wachsende Kritik an der US-Operation in Afghanistan sagte Schröder, es gebe keinen Anlass, an der bisherigen Strategie etwas zu ändern. Deutschland könne in dieser Frage nicht neutral sein und werde weiter fest an der Seite der USA stehen.

Bei der Eröffnung des deutsch-indischen Wirtschaftsforums kündigte Schröder an, dass sich die Bundesregierung bei der Welthandelskonferenz im November in Doha (Katar) für massive Erleichterungen zu Gunsten aller Entwicklungsländer einsetzen will. Er wies Befürchtungen zurück, die Industrieländer wollten Staaten wie Indien wegen ihrer mangelnden Umweltschutzpolitik einen freien Marktzugang versperren.

Vajpayee hatte den Bundeskanzler am Morgen mit militärischen Ehren begrüßt. Anschließend legte Schröder am Grabmal von Mahatma Gandhi einen Kranz nieder. In das Gedenkbuch für den Freiheitskämpfer schrieb er: "Ein Leben für Freiheit und Unabhängigkeit. Eine Verpflichtung, die Menschenwürde zu verteidigen. Zu jeder Zeit und an jedem Ort." Der Kanzler traf auch Staatspräsident Kocheril Raman Narayanan. Es ist der erste Besuch eines Bundeskanzlers auf dem indischen Subkontinent seit 1993.

Am Dienstag besucht die deutsche Delegation das südindische Bangalore, das Zentrum der aufstrebenden indischen Software-Industrie.



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