Kanzler-Reise Schröder als Anwalt der Entwicklungshilfeländer

Gerhard Schröder will den Entwicklungsländern beim Welthandel helfen. Indien ist nach Pakistan die zweite Station der Asien-Reise des Kanzlers.


Indien: Schröder nahm die Parade in Neu Delhi alleine ab
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Indien: Schröder nahm die Parade in Neu Delhi alleine ab

Neu-Delhi - Schröder kündigte an, sich bei den Industrienationen für "substanzielle Zugeständnisse" im Welthandel an die Entwicklungsländer einsetzen zu wollen. In Neu-Delhi sagte er vor deutschen und indischen Wirtschaftsführern, Deutschland werde sich künftig zum Anwalt dieser Länder machen, wenn es darum gehe, Schutzwälle abzubauen, die Importe aus den Entwicklungsländern erschweren. Das bilaterale Verhältnis will er mit jährlichen Konsultationen vertiefen.

Eine der Lehren aus den Terroranschlägen vom 11. September müsse sein, "die internationale Zusammenarbeit nicht zurückzunehmen, sondern zu fördern und zu vertiefen", sagte der Kanzler. Freier Handel sei eine wertvolle Kulturtechnik. Die Politik habe darauf zu achten, dass dabei die Menschenrechte und der Schutz der Natur gewahrt würden. Er werde sich dafür einsetzen, die Welthandelsrunden um diese Themen zu erweitern. Zugleich versprach Schröder, den Sorgen Indiens und anderer Länder entgegen zu wirken, dass diese Ergänzungen als Schutzwälle gegen Importe genutzt werden.

Schröder würdigte vor Journalisten die Rolle Indiens in der Anti-Terror-Koalition: "Indien hat sich dazu bekannt. Es spielt eine starke Rolle, und das wird auch international wahrgenommen", sagte er. Der Kanzler betonte aber auch, dass sein lange vor dem 11. September geplanter Besuch wie vorgesehen der Verstärkung des Austauschs im Bereich von Wirtschaft und Wissenschaft diene.

Auf die zwischen Indien und Pakistan strittige Kaschmir-Frage angesprochen, wiederholte Schröder die Auffassung, dass beide Parteien an den Verhandlungstisch zurückkehren sollten. Das hatte er schon am Sonntag beim Besuch des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf gesagt.

In der indischen Presse stieß das am Montag teilweise auf Befremden, da in Neu-Delhi etwa nach einem Bericht der "Hindustan Times" der Standpunkt vertreten wird, dass ein Dialog mit Pakistan so lange ausgesetzt bleiben müsse, bis das Nachbarland mit Feindseligkeiten an der Grenze aufhört.

Schröder nahm Parade alleine ab

Schröder schlug jährliche Konsultationen zwischen Deutschland und Indien vor. Er wolle versuchen zu erreichen, "dass es nicht immer fünf bis sieben Jahre dauert, dass sich ein indischer Ministerpräsident und ein Bundeskanzler treffen". Der letzte Besuch eines Bundeskanzlers, damals von Helmut Kohl, liegt bereits acht Jahre zurück.

Schröder war am Montag vor dem indischen Präsidentenpalast in Neu-Delhi mit militärischen Ehren begrüßt worden. Gemäß den Regeln des indischen Protokolls schritt Schröder die Formationen aus den drei Waffengattungen allein ab. In den meisten anderen Ländern nehmen beide Regierungschefs die Parade gemeinsam ab.

Anschließend nahm ihn Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee in Empfang. Der Zeremonie folgte eine Kranzniederlegung am Grab Mahatma Gandhis, des Vorkämpfers für Gewaltfreiheit und die Unabhängigkeit Indiens.

Der Kanzler wird bei seiner Asien-Reise von 47 Managern begleitet. Am Dienstag will er ins indische Hightech-Zentrum Bangalore fliegen. Indien ist nach Pakistan die zweite Station auf Schröders sechstägiger Asienreise. Von Bangalore fliegt er weiter nach China. Auf dem Rückflug von dort nach Deutschland, der für Freitag vorgesehen ist, macht er Zwischenstation in Moskau.



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