Karadzic vor Uno-Tribunal "Alles zur Vermeidung von Krieg getan"

Er ist angeklagt für den Völkermord von Srebrenica und die Belagerung von Sarajevo. Doch Radovan Karadzic streitet alles ab. Er präsentiert sich vor dem Uno-Tribunal gar als Friedensstifter.

Serbenführer Karadzic: Rund eineinhalbstündige Erklärung
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Serbenführer Karadzic: Rund eineinhalbstündige Erklärung


Den Haag - Wie schon zu Kriegszeiten sieht er die Schuld bei den Gegnern. Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic bezeichnete sich vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien als "milder und toleranter Mensch". Er habe in den neunziger Jahren "alles Menschenmögliche zur Vermeidung eines Krieges" getan. Er wies am Dienstag erneut auch alle Vorwürfe zum Völkermord in Srebrenica 1995 zurück. "Ich hatte befohlen, diese Bürger zu schützen."

In einer rund eineinhalbstündigen Erklärung präsentierte sich Karadzic vor dem Uno-Tribunal als Friedensstifter. Er habe auch die Zahl der Opfer verringert. "Statt hier als Angeklagter zu erscheinen, sollte ich ausgezeichnet werden." Mehrfach betonte er, dass er Psychiater und Dichter sei.

Der 67-Jährige verteidigt sich vor Gericht selbst. Er forderte einen Freispruch in allen Anklagepunkten. Karadzic will nach eigenen Angaben 300 Entlastungszeugen aufrufen.

Er muss sich seit Oktober 2009 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs vor dem Haager Tribunal verantworten. Er war im Juli 2008 in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden, nachdem er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten hatte.

Karadzic beteuert Unschuld

Bei dem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg waren nach der Eroberung der damaligen Uno-Schutzzone im Osten Bosniens durch serbische Truppen bis zu 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet worden. Er habe das nicht gewusst und nur einen militärischen Einsatz gegen muslimische Kämpfer befohlen, behauptete Karadzic.

Er beteuerte auch seine Unschuld an der jahrelangen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, der 10.000 Menschen zum Opfer fielen. Muslime hätten vielmehr Angriffe "schamlos" inszeniert, um ein internationales Eingreifen zu erzwingen.

Insgesamt starben im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 etwa 100.000 Menschen. Rund 2,2 Millionen weitere Menschen wurden vertrieben. Allein bei dem als Völkermord eingestuften Massaker von Srebrenica vom Juli 1995 wurden etwa 8000 muslimische Jungen und Männer verschleppt und getötet.

Letztes Verfahren in Den Haag begonnen

Am Dienstag begann auch der letzte Prozess des Uno-Tribunals. Der Angeklagte Goran Hadzic, der ehemalige Präsident der mit militärischer Unterstützung aus Belgrad geschaffenen "Republik Serbische Krajina" in Kroatien, muss sich für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit von 1991 bis 1993 verantworten.

Der einstige kroatische Serbenführer erklärte sich ebenfalls für unschuldig. Hadzic war 2011 als letzter Gesuchter des Tribunals in Serbien festgenommen worden. Seit seiner Gründung vor fast 20 Jahren hat das Uno-Gericht 161 Mal Anklage erhoben.

heb/AFP/dpa



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mr_supersonic 16.10.2012
1. Logik
Zitat von sysopAFPEr ist angeklagt für den Völkermord von Srebrenica und die Belagerung von Sarajevo. Doch Radovan Karadzic streitet alles ab. Er präsentiert sich vor dem Uno-Tribunal gar als Friedensstifter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karadzic-vor-uno-tribunal-alles-zur-vermeidung-von-krieg-getan-a-861606.html
Irgendwoher kenne ich die Logik, mit der Karadzic sich verteidigt. Ist er gar Forist hier im Forum? Ansonsten kann man vor so viel Weltfremdheit nur stumm mit dem Kopf schütteln, ich hoffe dass es genug Beweise gibt die seine Schuld untermauern. Bin mal gespannt ob Assad irgendwann die selbe Strategie fahren wird, sollte er tatsächlich mal in Den Haag landen.
byzopsycho 16.10.2012
2. Wer ist der Kläger? CIA? R.Scharping? Berlin? Washington? Ankara? G. Schröder? wer?
Wie lange soll die Welt belogen werden? NDR Schleswig Holstein Magazin 16.01.2012 http://www.youtube.com/watch?v=Pp0lL5ravJ8
hubertrudnick1 16.10.2012
3. Verantwortung
Zitat von sysopAFPEr ist angeklagt für den Völkermord von Srebrenica und die Belagerung von Sarajevo. Doch Radovan Karadzic streitet alles ab. Er präsentiert sich vor dem Uno-Tribunal gar als Friedensstifter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/karadzic-vor-uno-tribunal-alles-zur-vermeidung-von-krieg-getan-a-861606.html
Hat schon jemals ein Beschuldigter für Kriegsverbrechen und gleicher Art einmal die persönliche Verantwortung dafür übernommen? Sind wir Menschen denn dazu überhaupt in der Lage Verantwortung für unser Handeln zuübernehmen. Gewalttaten und Kriege können wir immer schnell vom Zaum brechen und die eigenen und fremden Menschen dazu benutzen und sie opfern, aber moralisch und gesetzlich wollen wir damit nichts zu tun haben. Auch unsere deutschen Täter haben nicht die Verantwortung für ihr Handeln übernommen, ich glaube so etwas kommt in unserem Mensch sein nicht vor.
biobanane 16.10.2012
4.
Zitat von byzopsychoWie lange soll die Welt belogen werden? NDR Schleswig Holstein Magazin 16.01.2012 http://www.youtube.com/watch?v=Pp0lL5ravJ8
Die Frage lässt sich ganz leicht beantworten. Es ist ein UN-Tribunal, also ist die UN der Ankläger. Das verlinkte Video macht hier nicht wirklich Sinn, da es darin um den Kosovo-Konflikt geht und nicht um Bosnien. Wobei ganz trennen lässt sich das natürlich nicht, ohne Bosnien und die serbischen Verbrechen dort, hätte die Nato niemals so massiv im Kosovo-Konflikt eingegriffen. Ganz interessant sich das nochmal in Erinnerung zu rufen, die Nato greift ohne UN-Beschluss ein souverändes Land an, das zu den besten Freuden Russlands gehört. Die dortige Reaktion war kein dritter Weltkrig sondern scharfe Proteste. Wer meint heute käme von Putin in Beziehung auf Syrien etwas anderes, der täuscht sich da wohl ziemlich.
Patrick_T.aus_G. 16.10.2012
5. andererseits...
...darf man auch nich vergessen, dass Russland jedoch keine Probleme hatte in der Resolution 827 (1993) dem International Criminal Tribunal of the former Yugoslavia zuzustimmen. An sich war der Krieg im Kosovo natürlich illegal. Andererseits war er wiederum "nötig" um die Schuldigen endlich vor Gericht bringen zu können und dem Treiben Milosevics ein Ende zu setzen. Und wieder andererseits war es absolut unnötig einen derartigen Propaganda Krieg voll von Lügen gegen eine schwache Nation in der Art und Weise zu führen wie es die NATO tat....
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