Frau des US-Vizepräsidenten Karen Pence unterrichtet an Schule, die Homosexuelle ablehnt

Homo- oder bisexuelle Schüler werden nicht aufgenommen, Lehrer dürfen keinen vorehelichen Sex haben: Die Immanuel-Christian-Schule ist erzkonservativ. Dort unterrichtet nun wieder die Second Lady der USA - und wehrt sich gegen Kritik.

Karen Pence
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Karen Pence


Der neue Job von Karen Pence sorgt in den USA für Aufregung. Pence ist die Ehefrau des amerikanischen Vizepräsidenten, und sie hat am Dienstag ihre Lehrtätigkeit an der Immanuel-Christian-Schule in der Stadt Springfield (Virginia) wiederaufgenommen. Bis Mai will sie zweimal pro Woche an der Grundschule Kunst unterrichten - an einer Einrichtung, die für ihre erzkonservativen Ansichten bekannt ist.

Eltern von Schülern müssen beispielsweise eine Einverständniserklärung unterschreiben, in der es unter anderem heißt: Die Schule habe das Recht, Schüler abzulehnen oder von der Schule zu verweisen, die "sexuelle Immoralität, homosexuelle Aktivitäten oder bisexuelle Aktivitäten betreiben, unterstützen oder befürworten".

Wer an der Schule unterrichten möchte, muss unter anderem angeben, keinen vorehelichen, außerehelichen oder homosexuellen Sex zu haben. Polygamie und Transgender werden an der Schule nicht geduldet. Bewerber müssen auch zustimmen, dass "eine Ehefrau dazu befohlen ist, sich ihrem Ehemann zu unterwerfen". Außerdem muss ein Haken gesetzt werden bei dem Punkt: "Der Begriff 'Ehe' hat nur eine Bedeutung: die Vereinigung von einem Mann und einer Frau."

Dementsprechend groß ist nun die Aufregung darüber, dass die Second Lady der USA an dieser Einrichtung arbeitet. "Die Pences scheinen nie eine Gelegenheit auszulassen, um zu zeigen, dass sie nur einem Teil des Landes dienen", schrieb beispielsweise die Organisation Human Rights Campaign. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU sprach von einer "schrecklichen Botschaft an Schüler" und fragte: "Wollen wir in einem Land leben, in dem die Führer bereit sind, die LGBTQ-Jugend zu verleugnen?" Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer.

Die "Huffington Post" hatte zuerst über den neuen Job von Karen Pence berichtet. Demnach hat sie bereits zwölf Jahre lang dort unterrichtet, als ihr Ehemann noch Kongressmitglied war. Zudem besuche die Tochter des Paares die Schule. Mike Pence selbst stand in der Vergangenheit immer wieder für seine erzkonservativen Ansichten in der Kritik.

Karen Pence hatte nun zunächst gesagt, sie freue sich darauf, wieder in den Klassenraum zurückzukehren und zu tun, was sie liebe. Sie habe es vermisst, Kunst zu unterrichten, hieß es in einer Erklärung. Nach der anhaltenden Kritik erklärte ihre Sprecherin Kara Brooks dann, es sei absurd, dass die Entscheidung Karen Pences für den Kunstunterricht "und die religiösen Ansichten der Schule" attackiert werden.

aar/Reuters



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sven2016 17.01.2019
1. Zustimmung zur Diskriminierung
durch Ankreuzen auf dem Vertrag. Bürgerrechte oder nicht als Option? In diesem Land ist Vieles möglich, dass man bisher nicht wahrgenommen hatte. Die wirren Suprematists an der Spitze führen es deutlich vor. Abgesehen von den Leistungen in Wirtschaft und Technologie ist Amerika noch dem Wilden Westen verhaftet.
faz-leser 17.01.2019
2. Toleranz ist keine Einbahnstraße
Die LGBTQ-Gemeinschaft erwartet zu Recht, dass man ihr gegenüber tolerant ist. Aber darf der Rest der Menschen nicht auch Toleranz für sich beanspruchen? Wenn es Menschen gibt, die mit LGBTQ nichts anfangen können, was spricht dann dagegen, das diese für sich eine LGBTQ-freie Schule gründen? Wer sich selbst zur LGBTQ-Gemeinschaft zählt, muss ja nicht ausgerechnet diese Schule für sich oder seine Kinder aussuchen.
gm-nk 17.01.2019
3. In was für einer Welt leben wir heute?
Unsere ach so toleranten Medien tolerieren nicht, dass die Frau des US-Vizepräsidenten an einer Schule unterrichtet, die die christlichen Werte von Ehe und geschlechtlicher Ausrichtung hochhält und nicht verleugnet. Die Kritiker fordern Toleranz gegenüber allen möglichen Religionen und Minderheiten, sind aber nicht bereit diejenigen zu tolerieren, für die christliche Werte noch eine Bedeutung haben. Keiner dieser Kritiker hat wahrscheinlich je versucht, eines seiner Kinder dort anzumelden oder selbst dort zu unterrichten. Muss er ja auch nicht, da freie Schul- und Arbeitswahl besteht. Es ist eben immer einfach Toleranz einzufordern ...
Harald Schmitt 17.01.2019
4. Menschen von Vorgestern
Gerade die LGBT bringt viele kreative Köpfe hervor, viele sind Designer und bringen neue Ansichten und Ideen ein. Warum muss man die ausschliessen. Aus Stumpfsinn und Ablehnung gegen alles was man nicht versteht sind ja gerade einige Landesteile von Amerika so wie sie sind. An den küsten wo die Menschen aufgeschlossener sind, gibt es die Erfolgsgeschichten. Wie kann man denn Menschen vom Leben ausschliessen wollen, die anders sind! Wenn sie schon glauben Gott hat den Menschen nach seinem Vorbild geschaffen, wieso massen sie sich dann an selbst zu entscheiden wer das sein soll!!!
dasfred 17.01.2019
5. Schule schützt Homosexuelle vor Klerikalen
Wäre vielleicht auch eine Überschrift gewesen. Mit dieser überzogenen Sexualmoral ist auch für den Hetero das Leben an der Schule nicht gerade einfach. Bei uns wäre es vielleicht gar nicht möglich, ausreichend Lehrer zu finden, die diese Kriterien erfüllen. Bestenfalls noch in einer Klosterschule. Und selbst dort ist nicht alles Gold was glänzt. Natürlich kann man Schüler völlig Lebensfern unterrichten, die Frage ist nur, was dann später draus wird.
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