Karikaturen-Streit Libyen warnt vor Berufung Calderolis zum Minister

Vor zwei Jahren trug er im Fernsehen ein T-Shirt mit Mohammed-Karikaturen: Jetzt führt die mögliche Berufung des rechtsgerichteten Politikers Roberto Calderoli in das neue italienische Kabinett zu einem Streit zwischen Italien und Libyen.


Rom - Eine Ernennung Calderolis zum Minister hätte "katastrophale Folgen" für das Verhältnis zwischen beiden Ländern, warnte der älteste Sohn des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi. Italien wies die Äußerungen am Samstag als fremde Einmischung zurück.

Der Politiker von der Liga Nord hatte vor gut zwei Jahren den Zorn von Muslimen hervorgerufen, als er im Fernsehsender RAI mit einem T-Shirt auftrat, auf dem die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aufgedruckt waren. Vor dem italienischen Konsulat in der libyschen Küstenstadt Bengasi kam es damals zu gewaltsamen Protesten mit mindestens elf Toten.

Calderoli war seinerzeit Reformminister im Kabinett von Silvio Berlusconi, musste aber wegen seines umstrittenen Fernsehauftritts zurücktreten. Es wird spekuliert, dass Calderoli dem neuen Kabinett Berlusconis nach dessen Wahlsieg im April wieder angehören wird. Die Vorstellung des neuen Kabinetts wird in den nächsten Tagen erwartet.

Die Bildung und Zusammenstellung der neuen Regierung sei eine innere Angelegenheit, erklärte der scheidende Außenminister Massimo D'Alema am Samstag. Der Europaabgeordnete der Liga Nord Mario Borghezio wies die Äußerungen des Gaddafi-Sohns Seif al Islam laut der Zeitung "La Repubblica" als Provokation zurück. Seif al Islam Gaddafi hatte Calderoli in seiner am Freitag veröffentlichten Erklärung vorgeworfen, er sei der "wirkliche Mörder" der damals in Bengasi getöteten Libyer.

cjp/AP



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