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04. Februar 2006, 16:06 Uhr

Karikaturenstreit

Skandinavische Botschaften in Brand gesetzt

Der Konflikt um die Veröffentlichung der umstrittenen Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed hat sich weiter verschärft: In Damaskus stürmten syrische Demonstranten die Botschaften von Dänemark und Norwegen und setzten die Gebäude in Brand.

Ziel der Attacken in Damaskus war zunächst die dänische Botschaft. Die Demonstranten durchbrachen die Polizeiabsperrungen und stiegen in das Gebäude ein, wie Augenzeugen sagten. Die Feuerwehr löschte den Brand nach einer Stunde. Einige Demonstranten rissen die dänische Flagge herunter und ersetzten sie durch eine grüne mit der Aufschrift: "Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet."

Die Proteste richteten sich gegen die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed durch die dänische Zeitung "Jyllands-Posten". Die Zeichnungen waren in den vergangenen Tagen von mehreren deutschen und europäischen Zeitungen nachgedruckt worden.

Nach der dänischen Botschaft wurde auch die nahe gelegene norwegische Vertretung in Damaskus von Demonstranten angegriffen. Die Kundgebungsteilnehmer drangen in das Gebäude ein und legten Feuer. Sie schleuderten Möbel aus dem Fenster des vierstöckigen Gebäudes. Die syrische Sicherheitskräfte hatten zuvor versucht, die Demonstranten mit Tränengas zurückzudrängen.

In Gaza griffen Palästinenser die Außenstelle des deutschen Verbindungsbüros an, schlugen Türen und Fenster ein und verbrannten die deutsche Flagge. 400 Demonstranten zogen vor ein Gebäude der Europäischen Union. Die EU-Kommission forderte die Autonomiebehörde auf, die Einrichtungen der Union vor Übergriffen zu schützen.

Auch in Europa kam es zu Demonstrationen. In London versammelten sich vor der dänischen Botschaft mehrere hundert Menschen. Ein Sprecher forderte die islamischen Länder auf, alle Beziehungen zu den europäischen Ländern abzubrechen, in denen die Karikaturen erschienen waren.

In Kopenhagen kam es zu kleineren Zusammenstößen junger Muslime mit der Polizei. Im nahe gelegenen Hilleröd demonstrierten etwa 50 Rechtsextremisten gegen die islamischen Proteste und riefen "Dänemark den Dänen". Später kam es zu Zusammenstößen mit Muslimen und linksgerichteten Aktivisten. Die Polizei erklärte, im Zusammenhang mit den Demonstrationen seien 140 Menschen in Gewahrsam genommen worden.

Die dänische Regierung hat nach Angriffen auf ihre Botschaft in Damaskus alle Dänen aufgefordert, Syrien umgehend zu verlassen. Die Sicherheitslage für dänische Staatbürger habe sich verschlechtert, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Kopenhagen. Auch die Norweger beorderten ihre Staatsbürger nach Hause.

Der dänische Außenminister Per Stig Möller beschwerte sich in einem Telefongespräch bei seinem syrischen Kollegen Faruk al Scharaa und sagte, dass der mangelnde Schutz der Botschaft inakzeptabel sei. Scharaa habe sein Bedauern ausgedrückt. Die schwedische Außenministerin Laila Freivalds sagte der Nachrichtenagentur TT, sie habe den syrischen Botschafter in Stockholm für Samstagabend einbestellt, um offiziell Protest einzulegen. Die schwedische Botschaft in Damaskus liegt in demselben Gebäude wie die dänische und wurde daher ebenfalls gestürmt. "Ich werde sagen, dass die Eskalation zu weit gegangen ist. Wir erwarten den Schutz, auf den wir ein Anrecht haben", betonte Freivalds.

jaf/AP/rtr/AFP

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