Krise zwischen Indien und Pakistan Ausgangsperren in Kaschmir verhängt, Internet blockiert

Die Anspannung in der Region Kaschmir wächst: Laut Anwohnern sind in der Regionalhauptstadt Srinagar Schüsse zu hören gewesen, Telefon und Internet funktionieren nicht mehr.

Soldaten in Srinagar: Was passiert derzeit in der Unruheregion?
FAROOQ KHAN/EPA-EFE/REX

Soldaten in Srinagar: Was passiert derzeit in der Unruheregion?


Im indischen Teil der Unruheregion Kaschmir spitzt sich die Lage immer weiter zu. Die Behörden verhängten am Montag Ausgangssperren in der regionalen Hauptstadt Srinagar und in umliegenden Gebieten. Internetdienste wurden blockiert, das Handynetz und das Festnetz abgeschaltet, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mehrere Regionalpolitiker erklärten, sie seien unter Hausarrest gestellt worden.

Bewohner von Srinagar sagten zu AFP, in Teilen der Regionalhauptstadt seien zahlreiche Soldaten unterwegs. Auch seien Schüsse zu hören.

Die genauen Gründe für die Ausgangssperren waren zunächst unklar. Indien hat in den vergangenen Tagen nach Angaben eines Sicherheitsvertreters Zehntausende zusätzliche Soldaten in die Region geschickt, die sowohl von Indien als auch von Pakistan beansprucht wird.

Die Regierung des Bundesstaates Jammu und Kaschmir hatte am Freitagabend Urlauber und Pilger aufgerufen, Kaschmir umgehend zu verlassen. Es gebe neue Geheimdiensthinweise auf Terrorgefahren für eine größere hinduistische Pilgerversammlung in der Region, hieß es zur Begründung.

Schlangen am Flughafen und vor den Tankstellen

Auf den Flughafen von Srinagar strömten daraufhin scharenweise Besucher, darunter viele Ausländer, die auf einen Flug hofften. Viele von ihnen konnten allerdings kein gültiges Flugticket vorweisen. Auch vor Tankstellen, Supermärkten und Geldautomaten in Kaschmir bildeten sich lange Schlangen.

Am Sonntag erklärte die indische Armee dann, pakistanische Soldaten und Milizionäre hätten versucht, die Demarkationslinie in Kaschmir zu überqueren. Der Versuch sei abgewehrt, fünf bis sieben Angreifer seien getötet worden. Pakistan wies die Angaben zurück.

Die Region Kaschmir ist seit einem Krieg 1947 zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten zur Gänze beansprucht. In der Region kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Indien wirft Pakistan vor, islamistische Kämpfer im indischen Teil zu unterstützen. Islamabad bestreitet dies. Die indische Regierung teilte vergangene Woche mit, dass sie 10.000 zusätzliche Soldaten in die Region entsendet. Am Sonntag wandte sich der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan mit der Bitte um Vermittlung an die USA. In einem Tweet schrieb er: "Präsident Trump bot an, in Kaschmir zu vermitteln. Dies ist der Zeitpunkt, dies zu tun."

jok/AFP



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