Kaschmir Das letzte Aufbäumen der Kontrahenten

Nach den Entspannungssignalen vom Wochenende bleiben die Fronten zwischen Indien und Pakistan doch weiter hart. Beide Länder wollen ihre Truppen zunächst nicht aus der Grenzregion Kaschmir abziehen.


Neu-Delhi - Indien schloss am Montag einen Rückzug seiner an der Grenze zu Pakistan zusammengezogenen Soldaten aus, solange die Regierung in Islamabad ihre angekündigten Maßnahmen gegen muslimische Extremisten nicht umsetze. Verteidigungsminister George Fernandes sagte, Indien werde zunächst versuchen, mit diplomatischen Mitteln die Kaschmir-Krise zu lösen.

Pakistans Außenministerium erklärte, auch die pakistanischen Truppen würden aus Gründen der Selbstverteidigung in Warteposition bleiben, bis Indien seine Soldaten auf Friedensposition zurückhole. Pakistan nahm nach eigener Darstellung am Wochenende rund 1100 Mitglieder verbotener Organisationen fest. Pakistans Präsident Pervez Musharraf hatte den muslimischen Extremisten im Land den Kampf angesagt und auch Gruppen verboten, die Indien für Anschläge verantwortlich macht.

Indien warte zunächst ab, ob Musharraf seine Zusage einhalten könne, dass Pakistan nicht mehr Ausgangspunkt von Terroraktionen gegen Indien sein werde, sagte Fernandes. "Indien kann derartige Terrorakte nicht länger hinnehmen", sagte der Minister mit Blick auf den Anschlag mutmaßlicher Separatisten aus dem pakistanischen Teil Kaschmirs auf das indische Bundesparlament im Dezember. Das pakistanische Innenministerium teilte mit, neben den Festnahmen muslimischer Extremisten seien auch 390 Büros von fünf Moslem-Organisationen geschlossen worden, deren Verbot Präsident Musharraf angekündigt hatte. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, Pakistan sei an einer Wiederbelebung der Friedensgespräche interessiert.

An der gemeinsamen Grenze haben die Konfliktparteien fast eine Million Soldaten zusammengezogen. An der Demarkationslinie in Kaschmir kam es nach Angaben beider Seiten auch am Montag wieder zu Schusswechseln zwischen Soldaten beider Länder. Aus indischen Polizeikreisen verlautete, durch pakistanisches Artillerie-Feuer sei ein indischer Soldat getötet und ein anderer verletzt worden. Indien habe den Beschuss erwidert. Pakistan beschuldigte Indien, mehrere Dörfer auf pakistanischer Seite beschossen zu haben.

Die internationalen Bemühungen um ein friedliches Ende der Krise gingen am Montag weiter. Der chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji setzte sich bei einem Besuch in Neu-Delhi für eine Deeskalation ein. Im Laufe der Woche wird US-Außenminister Colin Powell Indien und Pakistan besuchen.

Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Indien wirft Pakistan vor, Separatisten zu unterstützen, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpfen.



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