Kaschmir Killerkommando in der Kantine

Das Morden in Kaschmir geht weiter. Zwei muslimische Extremisten stürmten im indischen Teil der Krisenregion eine Kaserne und töteten drei Polizisten. Die Schützen halten sich zurzeit in der Kantine der Kaserne verschanzt.


Jammu - Die indische Polizei bereitet sich darauf vor, die Kasernenkantine 170 Kilometer östlich von Jammu zu stürmen. In der Kaserne sind Hunderte Polizisten untergebracht. Die beiden Fanatiker haben nach Angaben anderer Quellen auch vier Zivilisten getötet und mehrere verletzt.

Experten hatten die vergangenen Tage davor gewarnt, dass ein weiterer Extremisten-Anschlag zu einer Eskalation der angespannten Lage an der indisch-pakistanischen Grenze führen könnte. Pakistans Botschafter bei den Vereinten Nationen, Munir Akram, schloss am Mittwoch den pakistanischen Einsatz von Atomwaffen im Falle eines indischen Angriffs nicht aus.

Nach einem Rebellen-Anschlag auf ein indisches Militärlager in Kaschmir Mitte Mai hatten sich die Spannungen zwischen Indien und seinem Nachbarland Pakistan erhöht. Bei dem Anschlag waren 31 Menschen getötet worden. Indien wirft Pakistan vor, muslimische Extremisten in Kaschmir aktiv zu unterstützen - was Pakistan bestreitet. Pakistan und Indien haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 bereits zweimal Krieg um Kaschmir geführt. Beide Staaten verfügen mittlerweile über Atomwaffen.

Die Tageszeitung "USA Today" berichtet, die USA planten, die drei US-Militärbasen in Pakistan zu räumen und insgesamt bis zu 64.000 US-Bürger aus Pakistan und Indien auszufliegen. Von offizieller Seite wurde der Bericht zunächst nicht bestätigt.

Der britische Außenminister Jack Straw hatte in den vergangenen Tagen in Pakistan und Indien zu vermitteln versucht. Straw sagte am Mittwoch nach Gesprächen mit der indischen Regierung, die Lage zwischen den beiden Staaten sei gefährlich, ein Krieg jedoch nicht unabwendbar. Obwohl beide Seiten auf einen militärischen Konflikt vorbereitet seien, wollten weder Indien noch Pakistan Krieg. Es sei Raum für diplomatische Bemühungen zur Lösung der Krise gegeben.

In der kommenden Woche wird US-Vizeaußenminister Richard Armitage in der Region erwartet. Die USA sehen in dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf einen wichtigen Verbündeten in dem von ihnen erklärten Kampf gegen den internationalen Terrorismus, nachdem sich Musharraf nach den Anschlägen vom 11. September eindeutig auf die Seite der USA gestellt hatte.

Pakistan und Indien hatten bereits nach dem Anschlag auf das indische Parlament im Dezember rund eine Million Soldaten an der Waffenstillstandslinie in Kaschmir stationiert. Bei Gefechten an der Grenze wurden allein am Mittwoch mindestens 17 Menschen getötet.



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