Kaschmir-Konflikt Pakistan weist Indiens Botschafter aus

Die Spannungen im Kaschmir-Konflikt nehmen zu: Pakistan hat angekündigt, den indischen Botschafter auszuweisen. Außerdem soll der Handel mit dem Nachbarland gestoppt werden.

Indische Soldaten in der zu Kaschmir gehörenden Region Jammu
Channi Anand/AP/ DPA

Indische Soldaten in der zu Kaschmir gehörenden Region Jammu


Pakistan reagiert auf Indiens Anordnung, den Sonderstatus von Teilen Kaschmirs aufzuheben: Die Regierung in Islamabad kündigte an, den indischen Botschafter des Landes zu verwiesen, die diplomatischen Beziehungen zu Neu-Delhi einzuschränken und den Handel mit Indien auszusetzen.

Neu-Delhi hatte in der vergangenen Woche überraschend den international anerkannten Sonderstatus der von Indien kontrollierten Region Jammu und Kaschmir überraschend aufgehoben. Der betreffende Artikel 370 der Verfassung garantierte unter anderem eine eigene Verfassung, eine eigene Flagge und weitgehende Kompetenzen mit Ausnahme der Außen- und Verteidigungspolitik. Nichtkaschmirern war es bislang verboten, permanent in der Region zu leben. Pakistan erhebt ebenfalls Anspruch auf die gesamte Region.

Die pakistanische Regierung kündigte an, den "illegalen, einseitigen" Schritt Indiens über das Himalaya-Tal - das auf mehrere Länder aufgeteilt ist - vor den Uno-Sicherheitsrat zu bringen.

Pakistans Militär hatte am Dienstag eine klare Drohung an Indien gerichtet: Die Armee stehe nach der Aufhebung der Autonomierechte für den von Indien kontrollierten Teil der Region "fest" an der Seite der Menschen in Kaschmir und werde deren "gerechten Kampf bis zum Ende" unterstützen, erklärte Armeechef Qamar Javed Bajwa.

Wie genau die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen nun aussehen soll, blieb zunächst offen. In der Vergangenheit wurden bei Krisen zwischen den beiden Erzfeinden die Anzahl der Diplomaten gekürzt, deren Bewegungsfreiheit eingeschränkt und diplomatische Engagements auf einen sehr engen Rahmen beschränkt.

Der Konflikt im Himalaya-Gebiet dauert bereits mehr als 70 Jahre. Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die gesamte Herrschaft über Kaschmir, zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China.

als/AFP/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Navygo 07.08.2019
1. Unabhängig davon, dass ich den Schritt Indiens für einen Fehler halte
Was soll denn der Sicherheitsrat in der Situation tun? Das ist eine INNERSTAATLICHE Angelegenheit. Es ist ja (leider) nicht verboten dumme Anordnungen im eigenen Land zu treffen. Und auch Pakistan hat da keinerlei Befugnisse. Das ist Indisches Staatsgebiet.
koblenzer92 07.08.2019
2. Welcher Handel?
Der Handel zwischen beiden Ländern liegt bereits seit dem Anschlag und der anschließenden Auseinandersetzung bei fast 0. Gemessen an der wirtschaftlichen Lage schadet es so oder so nur Pakistan
freidenker! 07.08.2019
3. Geschichtliche Nachwirkungen ...
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Nach der Teilung Britisch-Indiens 1947 in die souveränen Staaten des muslimischen Pakistan und des hinduistischen Indien, wurde auch damals 1949 der einstmals unabhängige Fürstenstaat Kaschmir zwischen Indien und Pakistan nach dem 1. indisch-pakistanischen Krieg aufgeteilt. Auch China schnappte sich einen kleinen Teil Kaschmirs. Diese Annektierung wird allerdings von Pakistan und Indien nicht anerkannt. Wie dem auch sei, alle beteiligten Mächte sind heute Atommächte. Im Nachhinein betrachtet war die Teilung Britisch-Indiens wohl ein schwer wiegender Fehler der bereits zu mehreren Kriegen um Kaschmir geführt hat. Und ein großer Fehler im supergroßen Fehler war die Besetzung des unabhängigen Kaschmirs von drei Mächten. Ein immer wieder aufflammendes Problem als geschichtliche Nachwirkung falscher Entscheidungen am Ende des Kolonialzeitalters. Über eine erneute Unabhängigkeit Kaschmirs denken wohl alle drei Mächte nicht nach. Das kann man wohl vergessen. Eher kommt es wieder einmal irgendwann zum Krieg, und wenn eine der Seiten verlieren sollte sprechen wohl unter Umständen nicht nur die konventionellen Waffen ... Der Kaschmirkonflikt, nur einer von vielen Konflikten auf dieser schönen Welt.
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