Pakistans Premier drängt auf Uno-Hilfe im Kaschmir-Konflikt "Als wären wir wieder im Jahr 1938"

Bei seinem ersten Auftritt vor der Uno-Vollversammlung hat Pakistans Premier die Vereinten Nationen zum Eingreifen in den Kashmir-Konflikt aufgefordert. Er befürchtet einen bewaffneten Konflikt.

"Ihr hättet das verhindern müssen": Pakistans Premier Imran Khan vor der Uno
Brendan Mcdermid/REUTERS

"Ihr hättet das verhindern müssen": Pakistans Premier Imran Khan vor der Uno


"Seid auf das Schlimmste vorbereitet": Mit eindringlichen Worten hat Pakistans Ministerpräsident Imran Khan bei einer Rede vor den Vereinten Nationen vor dem Ausbruch eines weiteren Krieges zwischen Indien und Pakistan gewarnt. Bei der Uno-Generaldebatte forderte er die Gemeinschaft zum Eingreifen in den Kaschmir-Konflikt auf.

"Wenn das schlecht läuft, hofft man auf das Beste, aber seid auf das Schlimmste vorbereitet", sagte Khan. Die Vereinten Nationen hätten eine Verantwortung für Kaschmir. "Ihr hättet das verhindern müssen", sagte Khan. "Deswegen wurden die Uno 1945 gegründet." Kaschmir sei ein "Test" für die Uno.

Khan verglich die Situation mit dem Münchner Abkommen 1938, als das Deutsche Reich von Adolf Hitler im Zuge der zur Besänftigung gedachten Appeasement-Politik einen Teil der Tschechoslowakei zugesprochen bekam. "Ich fühle mich, als wären wir wieder im Jahr 1938", sagte Khan. "Jetzt ist nicht die Zeit, zu besänftigen wie damals. Jetzt ist Zeit zum Handeln." Khan warf der Weltgemeinschaft vor, bislang nicht gehandelt zu haben, weil der große indische Wirtschaftsmarkt ihr wichtiger sei als die Menschen in Kaschmir.

Der Hausarrest in Kaschmir müsse aufgehoben und der Autonomiestatus wiederhergestellt werden, sagte Khan weiter.

Gestiegene Spannungen seit August

Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1947 drei Kriege geführt, zwei davon um die geteilte Region Kaschmir. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China. Anfang August hatte Indien der indischen Kaschmir-Region den Autonomiestatus entzogen und damit die Spannungen im Verhältnis zu Pakistan schlagartig erhöht (mehr dazu lesen Sie hier).

Seitdem häufen sich wieder Gefechte entlang der Kontrolllinie, der De-facto-Grenze zwischen den beiden Ländern in der Region Kaschmir.

Mit der Neuregelung will Neu-Delhi das hauptsächlich von Muslimen bewohnte Gebiet stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren. Bisher hatte die Region unter anderem eine eigene Verfassung und weitgehende politische Freiheiten. Viele Kaschmirer sind gegen die Neuregelung. Aus Sorge vor Protesten hatte die Regierung mehrere Zehntausend Soldaten in die bereits militarisierte Grenzregion zu Pakistan geschickt.

mho/dpa



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