Kaschmir-Krise Uno zieht Personal aus Pakistan ab

Wegen der Spannungen in der Kaschmir-Krise beabsichtigen jetzt auch die Vereinten Nationen (UNO) Angehörige ihrer Mitarbeiter aus Pakistan abziehen. Unterdessen setzt sich die Gewalt in Kaschmir fort.


Islamabad - Aus den UNO-Kreisen in Islamabad verlautete am Samstag weiter, die Entscheidung zum Abzug der Angehörigen von Mitarbeitern sei in der Zentrale der Organisation in New York gefallen. Am Freitag hatten die USA und Großbritannien ihre Bürger wegen der wachsenden Kriegsgefahr in der Kaschmir-Region zum Verlassen Indiens aufgefordert. Die deutsche Regierung hatte ihren Bürgern geraten, ihre Ausreise aus dem südasiatischen Staat zu erwägen.

Bei einem Anschlag Unbekannter im indischen Teil Kaschmirs wurden am Freitagabend nach Angaben der Polizei ein Zivilist getötet und 15 Personen verletzt.

Indien hatte zuvor die Lage trotz vereinzelter Gefechte an der Grenze in Kaschmir als stabil bezeichnet. Indien und Pakistan verfügen über Atomwaffen und haben an ihren Grenzen und in Kaschmir fast eine Million Soldaten zusammengezogen. Die Staaten haben zwei ihrer drei Kriege gegeneinander um Kaschmir geführt.

Wann die UNO damit beginnen will, die Angehörigen ihrer Mitarbeiter abzuziehen, war zunächst nicht bekannt. Von dem Abzug könnten allerdings hunderte Personen davon betroffen sein, verlautete aus den UNO-Kreisen.

In der Srinagar der Sommerhauptstadt von Jammu und Kaschmir warfen Unbekannte nach Angaben der Polizei eine Granate auf eine Patrouille der indischen Grenztruppen.

Sie hätten das Fahrzeug der Sicherheitskräfte verfehlt und die Granate sei auf der Straße im Zentrum der Stadt explodiert, sagte ein Polizeisprecher. 16 Menschen seien verletzt worden, darunter drei Grenzsoldaten. Ein Zivilist sei später seinen Verletzungen in einem Krankenhaus erlegen. Es wird befürchtet, dass einer größerer Angriff militanter Moslem-Rebellen im indischen Teil Kaschmirs einen Krieg zwischen den Nachbarstaaten auslösen könnte. In der Nacht auf Samstag kam es nach indischen Armeeangaben erneut zu mehreren Artilleriegefechten im Grenzgebiet in Kaschmir.

Jammu und Kaschmir ist der einzige mehrheitlich moslemische Bundesstaat im überwiegend hinduistischen Indien und Separatisten kämpfen für seine Loslösung. Indien wirft dem mehrheitlich moslemischen Pakistan vor, die Rebellen bei Vorstößen auf indisches Gebiet zu unterstützen.

US-Außenminister Colin Powell sprach am Freitag im britischen BBC-Rundfunk von einem Horrorszenario, falls zum zweiten Mal in der Geschichte Atomwaffen zum Einsatz kämen: "Die ganze Welt würde diejenigen verurteilen, die das täten. Das ist die nüchterne Realität, die beide (Indien und Pakistan) verstehen." Einem internen US-Regierungsbericht zufolge könnten bei einem Atomkrieg zwischen Pakistan und Indien zwölf Millionen Menschen getötet und sechs Millionen verletzt werden, verlautete aus Kreisen des US-Verteidigungsministerium. Kommende Woche soll US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach Südasien reisen, um sich für eine friedliche Lösung der Kaschmir-Krise einzusetzen.



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