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04. August 2019, 14:33 Uhr

Kaschmir-Konflikt

Pakistan bittet Trump um Vermittlung

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan in der Kaschmir-Provinz spitzt sich zu. Indien will Hinweise auf Terroranschläge haben. Zudem soll die Armee Streu-Munition eingesetzt haben. Viele Menschen verlassen die Region.

Pakistan hat US-Präsident Donald Trump um Vermittlung im Konflikt mit Indien um die Region Kaschmir gebeten. "Präsident Trump bot an, in Kaschmir zu vermitteln. Dies ist der Zeitpunkt, dies zu tun", twitterte Ministerpräsident Imran Khan, der im Juli zu Gast im Weißen Haus war.

Die Situation habe sich verschlechtert, was auf "neue aggressive Aktionen der indischen Besatzungstruppen" zurückzuführen sei. "Das hat das Potenzial, sich zu einer regionalen Krise hochzuschaukeln." Seine Regierung warf dem verfeindeten Nachbarn vor, an der Waffenstillstandsgrenze in Kaschmir international geächtete Streu-Munition eingesetzt zu haben. Dabei sollen zwei Zivilisten getötet und elf weitere Menschen verletzt worden sein. Indien wies die Vorwürfe zurück.

Zudem gab die örtliche indische Regierung für den indischen Teil der Unruheregion eine Terrorwarnung heraus. Nun verlassen viele Menschen das Gebiet fluchtartig, darunter auch Tausende Touristen. Bereits am Samstag hatten zahlreiche Menschen versucht, Plätze in Flugzeugen oder Bussen zu bekommen, um aus Kaschmir auszureisen. Unterdessen trafen Tausende Soldaten zur Verstärkung des Militäraufgebots im indischen Teil Kaschmirs ein.

Die Regierung des Bundesstaates Jammu und Kaschmir hatte am Freitagabend Urlauber und Pilger aufgerufen, Kaschmir umgehend zu verlassen. Es gebe neue Geheimdiensthinweise auf Terrorgefahren für eine größere hinduistische Pilgerversammlung in der Region, hieß es zur Begründung. In einer weiteren Mitteilung wurde auch Hunderten Studenten aus anderen indischen Bundesstaaten zur Ausreise geraten.

Mehrere Pilgerveranstaltungen wurden abgesagt. Deutschland und Großbritannien haben Reisewarnungen für Jammu und Kaschmir ausgegeben.

Chaos am Flughafen

Auf den Flughafen von Srinagar strömten scharenweise Besucher, darunter viele Ausländer, die auf einen Flug hoffen. Viele von ihnen konnten allerdings kein gültiges Flugticket vorweisen.

"Passagiere, die eigentlich erst in den kommenden Tagen abreisen sollten, sind in Panik zum Flughafen gekommen", sagte der Manager einer Fluggesellschaft, die Flüge von Srinagar in die indische Hauptstadt Neu Delhi anbietet. "Es ist chaotisch und nicht viele werden Sitze ergattern, wenn es keine zusätzlichen Flüge gibt." Auch vor Tankstellen, Supermärkten und Geldautomaten in Kaschmir bildeten sich lange Schlangen.

Laut Pakistan habe die indische Armee in der Nacht zum Mittwoch im Neelum-Tal Bürger mit Streumunition angegriffen, dabei habe es zwei Tote und elf Verletzte gegeben.

Streumunition verteilt beim Einsatz viele kleinere Sprengsätze über größere Flächen. Was nicht explodiert, bleibt als Blindgänger liegen und kann noch Jahre später Menschen töten, wenn es längst keine Kampfhandlungen mehr gibt. Seit 2008 gibt es eine internationale Konvention zur Ächtung von Streumunition, die aber weder von Pakistan noch von Indien unterstützt wird.

Die Kaschmirregion ist zwischen Indien und Pakistan umstritten. Seit einem Krieg im Jahr 1947 ist das Gebiet geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten beansprucht. Zuletzt hatten die Spannungen in der Region wieder zugenommen. Indien wirft Pakistan vor, islamistische Kämpfer im indischen Teil zu unterstützen. Islamabad bestreitet dies.

Die indische Regierung teilte vergangene Woche mit, dass sie 10.000 Soldaten zusätzlich in die Region schicke.

joe/AFP/dpa/Reuters

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