Kaschmir Pakistan droht mit atomarem Erstschlag

Der pakistanische Botschafter bei der Uno hat Indien mit dem Ersteinsatz von Atomwaffen gedroht, sollte Indien sein Land mit konventionellen Waffen angreifen. Truppen wurden von der Grenze zu Afghanistan an die Ostgrenze zu Indien verlegt.


Musharraf: Niemand wird den Sturm stoppen können
AFP

Musharraf: Niemand wird den Sturm stoppen können

Islamabad - Munir Akram sagte zu Journalisten in New York, würde man einen Ersteinsatz atomarer Waffen gegen einen konventionellen Angriff ausschließen, würde dies Indien die "Lizenz zum Töten" geben.

Pakistans Regierungschef Pervez Musharraf übte sich wie sein Uno-Botschafter in Kraftmeierei: Falls Indien auf pakistanisches Gebiet vordringe, werde Pakistan "einen Sturm entfesseln, und niemand wird in der Lage sein, ihn zu stoppen", sagte Musharraf. Er betonte, dass die Moral der pakistanischen Streitkräfte gut sei. "Wir werden auf dem Gebiet des Feindes kämpfen, wenn uns der Feind den Krieg aufdrängt", sagte der Oberbefehlshaber der Truppen.

Pakistan begann am Donnerstag damit, Truppen von der Grenze zu Afghanistan an seine Ostgrenze zu Indien zu verlegen. Wie viele Soldaten abgezogen würden, könne er nicht sagen, sagte ein Militärsprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Pakistan hat seit Ende vergangenen Jahres an der Grenze zu Afghanistan Truppen stationiert, die eine Flucht von al-Qaida- oder Taliban-Kämpfern in das Land verhindern soll.

Angeblich plant die amerikanische Regierung, drei US-Militärbasen in Pakistan zu räumen. Die Tageszeitung "USA Today" berichtet, die USA hätten vor, insgesamt bis zu 64.000 US-Bürger aus Pakistan und Indien auszufliegen. Von offizieller Seite wurde der Bericht zunächst nicht bestätigt.

Im Schatten der Drohgebärden ist es zu weiteren Artilleriegefechten zwischen Indien und Pakistan gekommen. Bei einem Angriff muslimischer Rebellen im indischen Teil Kaschmirs wurden 21 Menschen getötet. Indien warf Pakistan vor, die Gefechte in der Nacht zum Donnerstag begonnen zu haben.

Pakistanische Soldaten: Die Moral der Truppe ist gut
REUTERS

Pakistanische Soldaten: Die Moral der Truppe ist gut

Zum ersten Mal seit dem Krieg 1971 habe Pakistan die Stadt Poonch im Süden des indischen Bundesstaates Jammu und Kaschmir beschossen. Ein Soldat und vier Zivilisten seien getötet worden. Pakistan gab an, in Sialkot in seinem Teil Kaschmirs 13 Zivilisten durch indische Granaten verloren zu haben, unter ihnen eine Mutter und ihre drei Töchter.

Zwei muslimische Extremisten überfielen in Doda im indischen Teil Kaschmirs eine Polizeikaserne und ermordeten drei Beamte. Das berichtete die indische Nachrichtenagentur Uni. Die Täter verschanzten sich in der Kantine der Kaserne.

Der britische Außenminister Jack Straw versucht angesichts der bedrohlichen Lage Hoffnung zu verbreiten. Er bemühte sich in den vergangenen Tagen in beiden Ländern um eine Vermittlung. Nach Gesprächen mit der indischen Regierung sagte er, die Lage zwischen den beiden Staaten sei gefährlich, ein Krieg sei jedoch abwendbar. Obwohl beide Seiten auf einen militärischen Konflikt vorbereitet seien, wollten weder Indien noch Pakistan Krieg. Es sei Raum für diplomatische Bemühungen zur Lösung der Krise gegeben.



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