Grenzkonflikt Brüchige Waffenruhe - Schüsse in Kaschmir

Am Samstagmorgen wurde in der Grenzregion Kaschmir die Waffenruhe gebrochen. Sowohl Indien als auch Pakistan beschuldigen sich jeweils gegenseitig.

Ein pakistanischer Soldat bewacht die Kontrolllinie in Kaschmir
AP

Ein pakistanischer Soldat bewacht die Kontrolllinie in Kaschmir


Seit 70 Jahren schwellt der Kaschmir-Konflikt. Jetzt scheint er wieder eskaliert zu sein. Am Samstagmorgen haben sich Indien und Pakistan jeweils gegenseitig bezichtigt, die Waffenruhe gebrochen zu haben.

In einer Mitteilung der pakistanischen Armee heißt es: "Indische Truppen sind erneut zu grundlosem Feuern und Schießen an der Kontrolllinie übergegangen." Eine gebührende Antwort habe die indischen Waffen zum Schweigen gebracht.

Das indische Verteidigungsministerium widerspricht dem. Pakistanische Soldaten hätten an mehreren Stellen der Grenzen auf die indische Seite geschossen, und sie habe daraufhin reagiert. Der gegenseitige Beschuss dauere an.

Als Folge der Eskalation hat Indien 10.000 Menschen aus dem Grenzgebiet gebracht, weil die Spannung zwischen beiden Atommächte ansteigt. Laut CNN wurden 47 Camps für die Menschen errichtet, um sie zu beherbergen.

Die sogenannte Kontrolllinie teilt Kaschmir, eine größtenteils muslimische Region, in eine indische und eine pakistanische Seite. Indien und Pakistan sind seit ihrer Staatsgründung 1947 verfeindet und erheben Anspruch auf die gesamte Region. Beide Parteien kämpften in zwei Kriege gegeneinander, in den Jahren 1947 und 1965, um ihre Forderungen geltend zu machen. Seit 2003 steht offiziell mehr oder weniger eine Waffenruhe an der Grenzen. Wegen eines indischen Militäranschlags auf pakistanischem Boden haben die Spannung jedoch am Dienstag wieder zugenommen.

Der UNO-Generalsekretär schaltet sich ein

Seit der Tötung eines Separatistenführers durch indische Sicherheitskräfte im Juli gibt es in Kaschmir regelmäßig Zusammenstöße. Mehrere Rebellengruppen kämpfen seit 1989 teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan.

Indien hatte am Donnerstag verkündet, in Kaschmir mehrere Stellungen der Rebellen auf der pakistanischen Seite der Demarkationslinie angegriffen zu haben. Obwohl es an der Grenze immer wieder Schusswechsel gibt, ist der Einsatz von Bodentruppen auf gegnerischem Gebiet selten. Indien reagierte damit auf einen Überfall von Rebellen auf einen indischen Militärstützpunkt in Kaschmir, bei dem 18 Menschen ums Leben kamen. Indien wirft Pakistan vor, die Terroristen zu unterrichten. Das Nachbarland bestreitet dies.

Mittlerweile hat sich der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, als Vermittler angeboten. Am Freitag teilte sein Sprecher in New York mit, dass Ban zur Verfügung stünde, wenn dies von beide Parteien akzeptiert werde. Er rief zu "maximaler Zurückhaltung und zu sofortigen Maßnahmen der Deeskalation der Lage" auf. Indien und Pakistan sollten ihre Streitigkeiten durch Dialog und Diplomatie lösen.

Auch die Filmindustrie reagiert auf die Eskalation: Die Kinos in Pakistan haben in der Zwischenzeit aufgehört, indische Filme zu zeigen, weil Indien am Donnerstag pakistanische Schauspielerinnen und Schauspieler auf den Index gesetzt hat. Das Verbot in Pakistan sei eine private Aktion, sagte Nadeem Mandviwala, dem mehrere Kinos in Karatschi und Islamabad gehören. Die Sperre soll erst wieder aufgehoben werden, wenn sich die Situation entspannt.

ipp/AP/dpa/AFP



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