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Kaspisches Meer: Halb See, halb Meer

Foto: Norman Kuring/ NASA

Rohstoffe, Militär, Tourismus Die Aufteilung des Kaspischen Meers

Seit dem Zerfall der Sowjetunion streiten die fünf Anrainerstaaten um das Kaspische Meer mit seinen Öl-, Gas- und Kaviarschätzen. Nun gibt es einen Vertrag - wer hat sich durchgesetzt?

Unter dem Kaspischen Meer ruht mehr Öl als in den gesamten USA und ungefähr genauso viel Erdgas wie in den USA. Und im Wasser tummeln sich 90 Prozent aller Störe weltweit - jener Fische, die den Kaviar produzieren, der bis zu 25.000 Dollar pro Kilo kostet.

Wegen dieser Reichtümer hat es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert, bis sich Russland, Iran, Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan vor rund einer Woche im Grundsatz über die Zukunft des Kaspischen Meers geeinigt haben.

Die Herrscher der fünf Anrainerstaaten - Kremlchef Wladimir Putin, Irans Präsident Hassan Rohani, der turkmenische Diktator Gurbanguly Berdimuhamedow, Aserbaidschans Autokrat Ilham Aliyev und der kasachische Despot Nursultan Nasarbajew - haben ein historisches Dokument unterzeichnet.

Das Vertragswerk muss noch von den jeweiligen Parlamenten genehmigt werden. Aber da in Moskau, Teheran, Astana, Asgabat und Baku keine Demokraten an der Macht sind, ist das nur Formsache.

Damit soll geregelt werden, wie das weltweit größte Binnengewässer künftig aufgeteilt wird. Unter anderem sieht der in der kasachischen Hafenstadt Aktau - auf Deutsch: weißer Berg - unterzeichnete Beschluss vor:

  • 15-Meilen-Zonen als Abgrenzung der jeweiligen Hoheitsgebiete einzurichten.
  • Zehn Meilen über diese Hoheitsgewässer hinaus sollen die jeweiligen Länder exklusive Fischereirechte besitzen.
  • Auch sollen ausschließlich die fünf Anrainerstaaten militärisch im Kaspischen Meer präsent sein dürfen.
  • Zudem soll es künftig beim Transport, beim Kampf gegen Drogenschmuggel und im Tourismussektor Möglichkeiten der Zusammenarbeit geben.
  • Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass sich alle fünf Länder darauf geeinigt haben sollen, dass das Kaspische Meer weder ein See noch ein Meer sei.

Beim letzten Punkt wird noch nachverhandelt, schließlich ist die Frage, ob See oder Meer entscheidend für die Ausbeutung der gigantischen Öl- und Gasvorkommen sind, an der alle Länder interessiert sind.

  • Wenn das Kaspische Meer ein Meer wäre, wofür etwa seine Größe und der Salzgehalt des Wassers spricht, müssten die jeweiligen Ländergrenzen analog zu den Länderküsten gezogen werden.
  • Der größte Profiteur dieser Regelung wäre Kasachstan, der klare Verlierer hingegen Iran.
  • Aus diesem Grund ist die Islamische Republik daran interessiert, dass das Kaspische Meer als See definiert wird. Denn dann würden alle fünf Länder gemäß internationalem Recht einen gleich großen Anteil erhalten.

"In der Konvention über den rechtlichen Status des Kaspischen Meers wird die Aufteilung des Bodens und des Untergrunds noch nicht definiert", sagte der iranische Präsident Hassan Ruhani deshalb auch direkt im Anschluss an die Konferenz. Darüber müsse weiter verhandelt werden. Es war eine Botschaft in die Heimat.

Denn das aufgrund der US-Sanktionen wirtschaftlich angeschlagene Land droht der große Verlierer der Vereinbarung zu werden. Das Kaspische Meer war jahrhundertelang nur von zwei Ländern umschlossen: Iran beziehungsweise Persien auf der einen Seite, dem zaristischen Russland beziehungsweise der Sowjetunion auf der anderen Seite.

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Kaspisches Meer: Halb See, halb Meer

Foto: Norman Kuring/ NASA

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Riesenreichs plädierte Iran dafür, das Kaspische Meer entweder gemeinsam zu nutzen und seine Bodenschätze auszubeuten, oder in fünf gleiche Teile aufzuteilen - und das Gewässer damit als See zu definieren. Vergeblich.

Die Frage, wie die geschätzten 48 Milliarden Barrel Öl und 292 Billionen Kubikmeter Gas unterhalb des Meeresbodens verteilt werden sollen, haben die Staats- und Regierungschefs vertagt. Innenpolitische Kritiker werfen Rohani vor, zu nachgiebig gewesen zu sein.

Ebenso unklar ist, was aus den Plänen für eine Pipeline zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan wird. Der Vertrag gibt allen fünf Staaten das Recht, Unterseekabel und -Leitungen zu verlegen. Allerdings verweist das Papier auch darauf, dass eine Verschmutzung des Kaspischen Meeres verhindert werden müsse. Mit eben dem Hinweis auf Gefahren für die Umwelt haben Russland und Iran das Projekt bislang verhindert.

Durch das Abkommen sichert sich der Kreml vor allem militärisch freie Hand im Kaspischen Meer. Die russische Marine kann weiterhin außerhalb der jeweiligen Hoheitsgebiete direkt an der Küste frei operieren. Das ist auch für die Militäroperationen in Syrien wichtig. Mehrfach hat Russland von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer aus Marschflugkörper auf Ziele im Bürgerkriegsland abgefeuert.