Unter dem Kaspischen Meer ruht mehr Öl als in den gesamten USA und ungefähr genauso viel Erdgas wie in den USA. Und im Wasser tummeln sich 90 Prozent aller Störe weltweit - jener Fische, die den Kaviar produzieren, der bis zu 25.000 Dollar pro Kilo kostet.
Wegen dieser Reichtümer hat es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert, bis sich Russland, Iran, Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan vor rund einer Woche im Grundsatz über die Zukunft des Kaspischen Meers geeinigt haben.
Die Herrscher der fünf Anrainerstaaten - Kremlchef Wladimir Putin, Irans Präsident Hassan Rohani, der turkmenische Diktator Gurbanguly Berdimuhamedow, Aserbaidschans Autokrat Ilham Aliyev und der kasachische Despot Nursultan Nasarbajew - haben ein historisches Dokument unterzeichnet.
Das Vertragswerk muss noch von den jeweiligen Parlamenten genehmigt werden. Aber da in Moskau, Teheran, Astana, Asgabat und Baku keine Demokraten an der Macht sind, ist das nur Formsache.
Damit soll geregelt werden, wie das weltweit größte Binnengewässer künftig aufgeteilt wird. Unter anderem sieht der in der kasachischen Hafenstadt Aktau - auf Deutsch: weißer Berg - unterzeichnete Beschluss vor:
Beim letzten Punkt wird noch nachverhandelt, schließlich ist die Frage, ob See oder Meer entscheidend für die Ausbeutung der gigantischen Öl- und Gasvorkommen sind, an der alle Länder interessiert sind.
"In der Konvention über den rechtlichen Status des Kaspischen Meers wird die Aufteilung des Bodens und des Untergrunds noch nicht definiert", sagte der iranische Präsident Hassan Ruhani deshalb auch direkt im Anschluss an die Konferenz. Darüber müsse weiter verhandelt werden. Es war eine Botschaft in die Heimat.
Denn das aufgrund der US-Sanktionen wirtschaftlich angeschlagene Land droht der große Verlierer der Vereinbarung zu werden. Das Kaspische Meer war jahrhundertelang nur von zwei Ländern umschlossen: Iran beziehungsweise Persien auf der einen Seite, dem zaristischen Russland beziehungsweise der Sowjetunion auf der anderen Seite.
Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Riesenreichs plädierte Iran dafür, das Kaspische Meer entweder gemeinsam zu nutzen und seine Bodenschätze auszubeuten, oder in fünf gleiche Teile aufzuteilen - und das Gewässer damit als See zu definieren. Vergeblich.
Die Frage, wie die geschätzten 48 Milliarden Barrel Öl und 292 Billionen Kubikmeter Gas unterhalb des Meeresbodens verteilt werden sollen, haben die Staats- und Regierungschefs vertagt. Innenpolitische Kritiker werfen Rohani vor, zu nachgiebig gewesen zu sein.
Ebenso unklar ist, was aus den Plänen für eine Pipeline zwischen Turkmenistan und Aserbaidschan wird. Der Vertrag gibt allen fünf Staaten das Recht, Unterseekabel und -Leitungen zu verlegen. Allerdings verweist das Papier auch darauf, dass eine Verschmutzung des Kaspischen Meeres verhindert werden müsse. Mit eben dem Hinweis auf Gefahren für die Umwelt haben Russland und Iran das Projekt bislang verhindert.
Durch das Abkommen sichert sich der Kreml vor allem militärisch freie Hand im Kaspischen Meer. Die russische Marine kann weiterhin außerhalb der jeweiligen Hoheitsgebiete direkt an der Küste frei operieren. Das ist auch für die Militäroperationen in Syrien wichtig. Mehrfach hat Russland von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer aus Marschflugkörper auf Ziele im Bürgerkriegsland abgefeuert.
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Blick aus dem All auf das Kaspische Meer: Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist der Status des Gewässers umstritten. Denn mit dem Ende der UdSSR stieg die Zahl der Anrainer von zwei auf fünf.
Nun haben sich die Herrscher der fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres weitgehend über die Zukunft des Gewässers geeinigt.
Kremlchef Wladimir Putin, Irans Präsident Hassan Rohani, der turkmenische Diktator Gurbanguly Berdimuhamedow, Aserbaidschans Herrscher Ilham Aliyev und der kasachische Despot Nursultan Nasarbajew sollen ein Dokument unterschrieben haben, wonach das größte Binnengewässer der Welt weder ein See noch ein Meer sei.
"In der Konvention über den rechtlichen Status des Kaspischen Meeres wird die Aufteilung des Bodens und des Untergrunds noch nicht definiert", erklärte jedoch der iranische Präsident Hassan Ruhani anschließend.
Sein Land - hier ein Bild aus der ans Kaspische Meer angrenzenden Mazandaran-Provinz - könnte künftig der große Verlierer des Deals sein.
Das an Bodenschätzen reiche Gewässer teilten sich Iran beziehungsweise Persien und das zaristische Russland beziehungsweise die Sowjetunion Jahrhunderte lang alleine. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Riesenreichs gab es schließlich fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres. Und die Regierung in Teheran sieht sich Vorwürfen im eigenen Land ausgesetzt, nicht erbittert genug um den Schatz an seiner Küste zu kämpfen.
Kremlchef Putin dürfte hingegen zufrieden sein. In dem Dokument wurde vereinbart, dass ausschließlich die fünf Anrainerstaaten militärisch im Kaspischen Meer präsent sein dürfen. Moskau hat somit ein Gewässer, in dem die NATO künftig keine Rolle spielen kann. Auf diesem Archivbild ist ein russisches Manöver an der Küste des Kaspischen Meeres zu sehen.
Die Regierung von Turkmenistan - aber auch die Herrscher in den übrigen Hauptstädten - hoffen, ihre Küsten des Kaspischen Meeres künftig zu Tourismushochburgen ausbauen zu können. Hier zu sehen ist das turkmenische Resort Avaza.
Auch Kasachstan hat große Pläne. Auf diesem Bild ist eine Öl-Bohrplattform an der Westküste des Landes zu sehen.
Aserbaidschan ist das einzige Land unter den fünf Anrainerstaaten, dessen Hauptstadt direkt an der Küste liegt: Baku.
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