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Anführer der Quds-Brigaden US-Militär tötet iranischen Topgeneral

Im Konflikt zwischen den USA und Iran ist Qasem Soleimani, Kommandeur von Teherans Quds-Brigaden, bei einem US-Raketenangriff in Bagdad getötet worden. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei schwört Rache.

Bei einer US-amerikanischen Attacke nahe dem Flughafen von Bagdad ist einer der hochrangigsten iranischen Generäle getötet worden. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte am späten Donnerstagabend (Ortszeit) den Tod von Qasem Soleimani, dem Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden, bei dem Raketenangriff.

Manchen Beobachtern galt Soleimani, der unter anderem die iranischen Militäraktionen in Syrien und dem Irak überwachte, als zweitmächtigster Iraner überhaupt. Organisatorisch war er dem iranischen Revolutionsführer Chamenei unterstellt. Der ließ über Twitter umgehend verbreiten, den "Verbrechern", die für den Tod Soleimanis verantwortlich seien, drohe "schwere Vergeltung". In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Chamenei, der Widerstand gegen die USA und Israel werde nun mit doppeltem Ansporn weitergehen. Zugleich rief er eine dreitägige Staatstrauer aus.

Das amerikanische Militär habe die Operation auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump ausgeführt, um weitere Attacken auf amerikanische Kräfte in der Region zu verhindern. Soleimani habe aktiv an Plänen gearbeitet, um amerikanische Diplomaten und Einsatzkräfte zu attackieren, erklärte das Pentagon.

Brennendes Fahrzeug nahe des Flughafens Baghdad, in dem sich Soleimani befunden haben soll

Brennendes Fahrzeug nahe des Flughafens Baghdad, in dem sich Soleimani befunden haben soll

Foto: IRAQS SECURITY MEDIA CELL HANDOUT/ EPA-EFE/ REX

Der General und die Quds-Brigaden seien verantwortlich für den Tod von Hunderten Amerikanern und Verbündeten, hieß es weiter. Er habe in den vergangenen Monaten Angriffe auf Stützpunkte von US-Verbündeten gesteuert und auch die gewaltsamen Proteste an der US-Botschaft in Bagdad gebilligt.

Der iranische Außenminister Mohammad Dschawad Sarif verurteilte den Angriff als "extrem gefährlich" und als "dumme Eskalation". Sarif bezeichnete die Tötung des Generals in einer am Freitag bei Twitter veröffentlichten Botschaft auch als "Akt des internationalen Terrorismus".

Im Video: Demonstranten stürmen US-Vertretung in Bagdad

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Das Pentagon hatte, wenig überraschend, eine andere Perspektive. Ziel des Angriffs sei es gewesen, Iran von künftigen Attacken abzuschrecken. "Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser Volk und unsere Interessen überall auf der Welt zu schützen", so das Pentagon weiter. Trump selbst hatte zuvor auf Twitter lediglich das Bild einer US-Flagge verbreitet - ohne Kommentar.

Die Militäraktion dürfte den ohnehin heiklen Konflikt weiter anheizen

Soleimani war der prominenteste Vertreter und das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Die Quds-Brigaden gehören zu den Revolutionsgarden, einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Soleimani tauchte sowohl im Irak als auch im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien immer wieder an der Seite von schiitischen Milizen auf, die von Iran unterstützt werden. Sein Tod bedeutet einen neuen Höhepunkt im Konflikt zwischen den USA und Iran.

In der Nähe von Bagdads Flughafen waren drei Raketen eingeschlagen, wie die irakischen Sicherheitskräfte erklärten. Dabei seien mehrere Menschen verletzt worden und zwei Fahrzeuge in Brand geraten. Die Raketen gingen demnach nahe der Halle für Luftfracht herunter. Der irakischen Nachrichtenseite al-Sumaria zufolge schlugen die Raketen nahe einem Sicherheitscamp beim Flughafen ein.

Weiterer hoher Vertreter des Regimes in Teheran bei Angriff getötet

Bei dem Angriff kam nach Angaben der von Iran unterstützten irakischen Volksmobilisierungskräfte auch deren stellvertretender Leiter Abu Mahdi al-Muhandis ums Leben.

Bereits am vergangenen Wochenende hatten die USA schiitische Milizen im Irak angegriffen. Als Reaktion darauf drangen am Dienstag Hunderte Demonstranten in Bagdads besonders gesicherte Grüne Zone ein, um die US-Botschaft zu stürmen. Mehrere Wachhäuschen wurden in Brand gesetzt, Mauern beschmiert und Brandsätze geworfen. Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten jedoch zurück, bevor sie auf das Botschaftsgelände gelangen konnten.

Zur Abschreckung setzte das US-Militär auch Kampfhubschrauber ein und verlegte rund hundert Marineinfanteristen aus dem benachbarten Kuwait. Die USA machen Iran für die Proteste verantwortlich. Die Führung in Teheran wies den Vorwurf vehement zurück.

jok/dpa
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