Separatisten in Katalonien Straßenblockaden und Flugausfälle in Barcelona

Katalanische Aktivisten wollen Barcelona heute mit einem Generalstreik und Märschen überziehen. In der Nacht gab es teils heftige Konfrontationen zwischen Separatisten, Polizei und spanischen Faschisten.

Rafael Marchante/ REUTERS

Nach der Verurteilung der Führer der katalanischen Separatisten zu langjährigen Haftstrafen kommt die Region im Nordosten Spaniens weiter nicht zur Ruhe: Am Freitag wollen Aktivisten mit einem Generalstreik und Großdemonstrationen die Stadt Barcelona zum Stillstand bringen. Zu den "Märschen für die Freiheit" werden Fahrten aus fünf Städten der Region organisiert.

Am Freitagmorgen wurden Flughafen von Barcelona mehrere Dutzend Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen. Viele Passagiere seien vorsorglich fünf bis sechs Stunden vor ihrem Flug zum Airport El Prat gekommen, berichtete das spanische Fernsehen. Auch Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit nieder; die katalanische Supermarktkette Bonpreu blieb ebenfalls geschlossen.

Laut "El País" sind rund 20 Straßen oder Autobahnen gesperrt oder nicht befahrbar. Außerdem wurden demnach bereits 55 Flüge annulliert. Die Metro funktioniert bislang noch weitgehend.

In der Nacht zum Freitag war es erneut zu Ausschreitungen und Auseinandersetzungen katalanischer Aktivisten mit der Polizei gekommen. Lokale Medien berichteten von rund einem Dutzend Verletzten. Die örtliche Polizei meldete elf Festnahmen.

Prokatalanische Aktivisten in Barcelona zerlegen den Außenbereich eines Straßencafés
Emilio Morenatti/ AP

Prokatalanische Aktivisten in Barcelona zerlegen den Außenbereich eines Straßencafés

Die heftigsten Zusammenstöße gab es erneut in der Regionalhauptstadt. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung setzten im Zentrum Barcelonas Müllcontainer sowie Tische und Stühle von Straßencafés in Brand. Außerdem wurden nach Polizeiangaben eine Bankfiliale und ein Bekleidungsgeschäft verwüstet.

Vereinzelt kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Beamte seien mit Steinen und Böllern angegriffen worden und hätten ihrerseits Gummi- und Schaumgeschosse eingesetzt, melden lokale Medien.

Verhindern konnte die Polizei offenbar einen Zusammenstoß zwischen Separatisten und Rechtsradikalen, die eine Gegenkundgebung veranstalteten. Prospanische Neofaschisten suchten dabei offenbar gezielt die Konfrontation mit den katalanischen Separatisten, unter denen häufig auch linke Antifaschisten zu finden sind.

Prospanische Ultranationalisten in Barcelona suchen den Konflikt mit radikalen Katalanen
Bernat Armangue/ AP

Prospanische Ultranationalisten in Barcelona suchen den Konflikt mit radikalen Katalanen

Spanischen Fernsehsendern zufolge waren auch nach Mitternacht in Barcelona noch viele Tausend Unabhängigkeitsbefürworter unterwegs. Auch in anderen katalanischen Städten wie Girona und Lleida hatte es am Donnerstag Demonstrationen gegeben.

Wegen der Unruhen melden spanische Zeitungen außerdem übereinstimmend, dass der bislang für den 26. Oktober terminierte Clásico, das Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, von der spanischen Fußballliga verschoben wird.

Auslöser der Proteste war die Verurteilung von neun Separatistenführern, darunter mit einer Höchststrafe von 13 Jahren Haft der Ex-Vizeregionalchef Oriol Junqueras. Die separatistischen Politiker hatten im Oktober 2017 ein gerichtlich für illegal erklärtes Abspaltungsreferendum abgehalten. Dafür hatte Spaniens Oberstes Gericht am Montag sieben ehemalige katalanische Spitzenpolitiker und zwei Anführer ziviler Organisationen schuldig gesprochen.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der Clásico sollte an diesem Samstag stattfinden. Geplant war er für den 26. Oktober, nun wird er verschoben. Wir haben die Stelle angepasst.

cht/dpa

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juba39 18.10.2019
1. Muß man noch mehr sagen?
" Separatisten legen Barcelona lahm " In Hongkong nennt die deutsche Presse diese Leute "Demokratie-Aktivisten" BEIDE haben das selbe Ziel verkündet, die Unabhängigkeit vom Mutterland. Erkenne also den Fehler.
adam77 18.10.2019
2. Der Classico...
ist erst naechste Woche... - - - - - - - - Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. MfG Redaktion Forum
rosinenzuechterin 18.10.2019
3. Warum müssen Demokraten ins Gefängnis?
Die Eskalation der Gewalt ist erschreckend. Noch erschreckender finde ich allerdings, dass auf dem Boden der EU Menschen jahrelang ins Gefängnis müssen, weil sie sich die Zukunft ihrer Region anders vorstellen als die übergeordnete Regierung und die Meinungsabfrage der betroffenen Bevölkerung organisiert haben. Ich bin keine Separationsbefürworterin, aber wenn es für eine Abspaltung eine Mehrheit im betroffenen Bevölkerungsteil gibt, hat man das zu respektieren. Dem Volk diesbezüglich eine Stimme zu geben, ist der einzig demokratische Weg. Für diesen Akt der Demokratie landen sie nun hinter Gittern. Das kennen wir von totalitären Staaten, aber nicht von einem EU-Mitglied. Auch wenn spanische Gesetze hierfür die Grundlage schaffen, kann das so nicht politischer Konsens der EU sein und müsste eigentlich politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen Spanien nach sich ziehen. Ich hoffe, dass die Katalanen sich ihren Platz in der Demokratie erkämpfen, aber ich kann nur hoffen, dass dieser Kampf möglichst unblutig verläuft.
christian77 18.10.2019
4. es könnte blutig werden
Lebe seit 5 Jahren in der Gegend (Provinz Tarragona). Zuerst habe ich den Konflikt für nicht so ernst genommen, inzwischen kann ich mir eine gewaltätige und bürgerkriegsähnliche Aueinandersetzung durch aus vorstellen. Besonders die bisherige friedliche Forderung für einen Unabhängigkeit fand ich sehr sympathisch, damit ist jetzt vielleicht schluss. Es sollte eine offizielle Abstimmung zur Unabhängigkeit geben, bevor der Konflikt eskaliert.
beruli 18.10.2019
5.
Zitat von juba39" Separatisten legen Barcelona lahm " In Hongkong nennt die deutsche Presse diese Leute "Demokratie-Aktivisten" BEIDE haben das selbe Ziel verkündet, die Unabhängigkeit vom Mutterland. Erkenne also den Fehler.
Wenn Sie zwischen China und Spanien keinen Unterschied erkennen können, liegt der Fehler eindeutig irgendwo anders.
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