Ex-Katalanenpräsident Puigdemont gründet neue Separatistenbewegung

"Nationaler Ruf nach der Republik": So heißt eine neue Bewegung in Katalonien, die sich für eine Unabhängigkeit von Madrid starkmachen soll. Einer der Gründer ist der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont.
Carles Puigdemont

Carles Puigdemont

Foto: Gregor Fischer/ dpa

Erst vor wenigen Tagen machte das Oberlandesgericht in Schleswig den Weg für seine Auslieferung frei, nun sorgt Carles Puigdemont mit einem neuen Politprojekt für Aufsehen: Zusammen mit seinem Nachfolger Quim Torra hat der ehemalige Katalanenpräsident eine neue separatistische Bewegung ins Leben gerufen. Unter dem Namen "Crida Nacional per la República" (Nationaler Ruf nach der Republik) soll die Organisation dazu dienen, auf die Gründung einer eigenständigen katalanischen Republik hinzuarbeiten.

An einem Festakt im Barcelona, bei dem ein entsprechendes Manifest verlesen wurde, nahm Puigdemont per Videoschalte teil. Er forderte alle Interessenten auf, sich der Bewegung anzuschließen.

Befürworter und Gegner - Unser Kampf um Katalonien

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Bislang gibt es in Katalonien mindestens drei Parteien, die die Unabhängigkeit der Region von Madrid befürworten. Im Herbst soll aus der neuen Bewegung eine Partei werden, die sämtliche Unabhängigkeitsbefürworter vereint und einen "unabhängigen Staat in Form einer Republik" anstrebt. "Wir sind stärker, wenn wir übergreifend und vereint handeln können", sagte Puigdemont.

Der 55-Jährige war im Herbst im Zuge eines verbotenen Unabhängigkeitsreferendums ins Ausland geflohen und hält sich derzeit in Deutschland auf. "Das Volk hat dem Mandat (des Referendums) immer die Treue gehalten und trotz aller Schwierigkeiten nicht nachgegeben", sagte Puigdemont. "Wir müssen weiterkämpfen, uns der ungerechtfertigten Repression stellen und uns weiter in Richtung einer katalanischen Republik bewegen."

Separatisten erringen erneut Mehrheit

Nach dem Referendum war Puigdemont von der spanischen Zentralregierung in Madrid abgesetzt worden und mit mehreren Mitstreitern ins Exil geflüchtet. Die spanische Justiz beschuldigte Puigdemont der Rebellion, des Aufruhrs und der Veruntreuung öffentlicher Gelder. Er floh im Oktober nach Belgien und wurde im März auf Grundlage eines von Spanien erwirkten europäischen Haftbefehls auf der Durchreise in Schleswig-Holstein festgenommen. Er kam unter Auflagen frei.

Die Justiz in Schleswig-Holstein will den Politiker wegen des Vorwurfs der Veruntreuung an Spanien ausliefern - aber nicht wegen Rebellion, dem Hauptvorwurf der spanischen Justiz. Ein Richter in Madrid muss über das weitere Vorgehen entscheiden.

Weitere katalanische Spitzenpolitiker sitzen seit dem Herbst in U-Haft. Dennoch hatten die Separatisten bei einer Neuwahl im Dezember erneut die Mehrheit errungen. Damals war Puigdemont noch mit dem Wahlbündnis Junts per Catalunya angetreten - dieses könnte Medienberichten zufolge nun in der neuen politischen Bewegung aufgehen.

vks/dpa/AFP
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