500.000 Demonstranten in Barcelona Generalstreik legt Katalonien lahm

Geschlossene Läden, gestrichene Flüge, blockierte Straßen: Im Streit über hohe Haftstrafen für katalanische Spitzenpolitiker legen ein Generalstreik und Massendemonstrationen die Region lahm.

In Barcelona gingen Unabhängigkeitsbefürworter wiederholt auf die Straße
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In Barcelona gingen Unabhängigkeitsbefürworter wiederholt auf die Straße


In Barcelona sind nach Polizeiangaben mehr als eine halbe Million Anhänger der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung auf die Straße gegangen. Etwa 525.000 Menschen protestieren am Freitag gegen die langjährigen Haftstrafen für prominente Unabhängigkeitsbefürworter, wie die Polizei der Stadt mitteilte. Die Großkundgebung war der vorläufige Höhepunkt der seit Montag anhaltenden Proteste. Ein Generalstreik hat die abtrünnige Region weitgehend lahmgelegt.

Die Hauptkundgebung auf dem Prachtboulevard Passeig de Gracia im Zentrum Barcelonas verlief zwar ohne größere Zwischenfälle. Die Teilnehmer forderten in zumeist ausgelassener Stimmung die Freilassung der "politischen Gefangenen" und sangen die katalanische Hymne. Unweit davon kam es aber auf einer Demo von mehreren Hundert zumeist jungen Menschen vor dem Polizeipräsidium erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei. Es war der fünfte Krawalltag in Folge in Barcelona.

Rund 30.000 Menschen nehmen an "Märschen für die Freiheit" teil

Vermummte und dunkel gekleidete Antifa-Aktivisten, die in dieser großen Zahl erst seit Kurzem an den Separatisten-Protesten teilnehmen, bewarfen Polizisten unter anderem mit Steinen und Eiern und zündeten erneut Müllcontainer an. Die Beamten setzten Schlagstöcke gegen die Krawallmacher ein. Wie die Polizei mitteilte, wurden drei Kundgebungsteilnehmer - darunter zwei Minderjährige - festgenommen. Ein Beamter sei verletzt worden.

Feuerwehrleute versuchen einer brennenden Straßenbarrikade Herr zu werden
DPA/Manu Fernandez

Feuerwehrleute versuchen einer brennenden Straßenbarrikade Herr zu werden

Die Proteste erreichten auch die Sagrada Familia, eines der Wahrzeichen Barcelonas. Hunderte Demonstranten blockierten zeitweise die Zugänge zum weltberühmten Gotteshaus. Später wurden die Pforten der bis heute unvollendeten Basilika des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) komplett geschlossen, "um die Sicherheit von Besuchern, Arbeitern und Belegschaft zu garantieren".

Lesen Sie hier eine Analyse zu den Konflikten in Katalonien

An der Großkundgebung nahmen auch rund 30.000 Menschen teil, die in fünf "Märschen für die Freiheit" nach Barcelona gekommen waren. Sie hatten sich vor einigen Tagen - begleitet unter anderem von zahlreichen Traktoren - von verschiedenen Städten aus auf den Weg nach Barcelona gemacht.

Wegen des Generalstreiks wurden unter anderem mehrere Dutzend Flüge vor allem der Gesellschaften Iberia und Vueling gestrichen. Auch der Zugverkehr war beeinträchtigt, Dutzende Straßen wurden von Demonstranten blockiert. Hafenarbeiter und Angestellte der VW-Tochter Seat legten die Arbeit ebenso nieder wie die Belegschaft der Supermarktkette Bonpreu. Auch zahlreiche Hörsäle an den Unis und viele Klassenzimmer blieben leer. In Teilen des Zentrums von Barcelona wirkten Straßen teilweise wie ausgestorben. Geschäfte waren geschlossen, kaum ein Auto war unterwegs.

Die Aktionen sind eine Reaktion auf Urteile des Obersten Gerichts in Madrid, das am Montag sieben ehemalige Spitzenpolitiker der abtrünnigen Region und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem illegalen Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Befürwortern einer Unabhängigkeit der vergleichsweise wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens.

Seperatistenchef Puigdemont bleibt vorerst in Freiheit

Der von Spanien zur Festnahme ausgeschriebene Separatistenchef Carles Puigdemont bleibt in Belgien vorerst auf freiem Fuß. Der Ex-Regionalpräsident meldete sich selbst bei der Polizei in Brüssel, nachdem Spanien europäischen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hatte. Er widersprach den Vorwürfen der spanischen Justiz. Der Politiker wurde zunächst verhaftet, ein Untersuchungsrichter verfügte am Freitagnachmittag aber die Freilassung unter Auflagen. Puigdemont muss am 29. Oktober wieder vor dem Richter erscheinen.

Der frühere Separatistenführer war 2017 nach Belgien geflohen. Die spanische Justiz wirft ihm Aufruhr und Zweckentfremdung öffentlicher Gelder vor. Einem früheren Auslieferungsbegehren waren die belgischen Behörden nicht gefolgt. Puigdemont war 2018 in Deutschland festgenommen worden, aber nach einigen Tagen Haft wieder freigekommen. Später hob das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht den Auslieferungshaftbefehl auf. Am Montag hatte die spanische Justiz den internationalen Haftbefehl reaktiviert

flg/dpa

insgesamt 28 Beiträge
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didowo 18.10.2019
1. Politische Gefangene
und Verurteilungen darf es in der EU nicht geben. Deshalb haben die Katalonier mit ihrer Demo recht. Die politischen Urteile sind sofort auf zu heben. Ich erwarte entsprechende Reaktionen der EU und deren Länder.
ralff_thomas 18.10.2019
2. Nixblicker
Im vorangegangenen Thread tut sich ein Nixblicker hervor, der den Katalanen abspricht ein Volk zu sein. Einfach mal in die Geschichtsbücher schauen, lesen und verstehen, sofern möglich. Die Katalanen sind ein Volk und keine Kastilier, genauso wie Kroaten keine Serben sind, Schotten keine Engländer, Niederländer keine Deutschen und Portugiesen keine Spanier. Ist das so schwer zu verstehen? Eigene Sprache, eigene Geschichte, eigene Kultur?
HP-HH 18.10.2019
3. Katalonien
Wenn die Menschen dort unabhängig sein wollen, lasst sie doch, wo ist das Problem? Deshalb kann man doch keine Leute einsperren. Wir nähern uns auf der Welt wieder der Steinzeit!
tubolix 18.10.2019
4. Nö
Katalonien ist Teil Spaniens und somit auch der spanischen Verfassung unterworfen. Wer den Boden derselben verlässt muß halt die Konsequenzen tragen. Was würde erst passieren, wenn die. nach "Freiheit" strebende, katalonische Minderheit registrieren muß, daß sie aus Euro und EU raus sind ? Die Unabhängigkeitsbewegung ist letztendlich nichts als eine Volksverarschung, auf deren Basis sich einige sogenannte Politiker profilieren wollen.
didowo 18.10.2019
5. #ralff_thomas
ich verstehe ihre Kritik nicht. Ich habe doch nichts gegen die Katalonen gesagt.
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