Massendemo in Barcelona Hunderttausende gehen für Einheit Spaniens auf die Straße

"Barcelona gehört zu Spanien": In der katalanischen Hauptstadt demonstrieren Hunderttausende Bürger gegen die Abspaltung der Region. Einige fordern die Festnahme des abgesetzten Regierungschefs Puigdemont.
Massendemo in Barcelona: Hunderttausende gehen für Einheit Spaniens auf die Straße

Massendemo in Barcelona: Hunderttausende gehen für Einheit Spaniens auf die Straße

Foto: PIERRE-PHILIPPE MARCOU/ AFP

Sie reklamieren für sich, die "schweigende Mehrheit" der katalanischen Bevölkerung zu repräsentieren - und versuchen das an diesem Sonntag zu beweisen: In Barcelona sind Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um für die Einheit Spaniens und gegen die Unabhängigkeit Kataloniens zu demonstrieren. Bei ihrem Marsch durch das Zentrum der katalanischen Hauptstadt skandierten sie unter anderem "Viva España", "Ich bin Spanier" oder "Barcelona gehört zu Spanien".

Über die Zahl der Teilnehmer gibt es unterschiedliche Angaben. Die Veranstalter von der prospanischen Sociedad Civil Catalana (SCC) sprechen von 1,1 Millionen Menschen, die Stadtpolizei hingegen von 300.000. Vor drei Wochen hatten die Unabhängigkeitsgegner ebenfalls zu einer Großdemonstration aufgerufen, damals hatte die Stadtpolizei mit 350.000 noch etwas mehr Teilnehmer gezählt.

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Großdemo in Barcelona: "Viva España"

Foto: PIERRE-PHILIPPE MARCOU/ AFP

"Unsere Zukunft ist besser innerhalb Spaniens und innerhalb Europas. Deswegen sind wir heute hier", sagte die Sprecherin der liberalen Ciudadanos, Inés Arrimadas. Die Partei war 2006 in Katalonien als Gegenbewegung zu separatistischen Gruppen der Region gegründet worden und ist inzwischen die viertstärkste Kraft im Madrider Parlament. Arrimadas betonte: "Ich möchte, dass sich alle Katalanen wieder die Hand geben können und wir wieder gemeinsam weitergehen."

Festnahme Puigdemonts gefordert

Die Großveranstaltung steht unter dem Motto "Wir sind alle Katalonien!". Die Veranstalter hatten vorab mitgeteilt, man wolle dafür arbeiten, dass es zu einer Versöhnung zwischen Gegnern und Befürwortern einer Unabhängigkeit Kataloniens komme und in der Region im Nordosten Spaniens künftig Besonnenheit und ein friedliches Zusammenleben herrschten.

Demonstranten mit spanischen und EU-Flaggen

Demonstranten mit spanischen und EU-Flaggen

Foto: YVES HERMAN/ REUTERS

Dennoch forderten viele Demonstranten die Festnahme des abgesetzten katalanischen Präsidenten Carles Puigdemont. Derzeit gibt es widersprechende Anhaltspunkte für die Wahrscheinlichkeit einer solchen Zuspitzung. Am Samstagabend forderte ein Regierungssprecher der spanischen Regierung in Madrid Puigdemont auf, an der Neuwahl im Dezember teilzunehmen - was gegen eine Festnahme spricht. Spanische Medien spekulierten am Sonntag hingegen darüber, dass der Generalstaatsanwalt am Montag die Festnahme des liberalen Politikers anordnen könnte. Sollte er wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt oder gar "Rebellion" verurteilt werden, drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft.

Die Stimmung hat sich offenbar infolge der abermaligen Eskalation des Konflikts in dieser Woche verschärft:

Separatisten verlieren in Wählergunst

Am Sonntag hielten sich die Befürworter der Separation - die ihrerseits schon oft Massendemonstrationen in Barcelona abgehalten haben - allerdings zurück. Eine der beiden großen zivilgesellschaftlichen Separatisten-Organisationen hatte ihre Anhänger aufgerufen, nicht zu Gegendemonstrationen auf die Straße zu gehen: "Lasst uns in die Bars, in die Kinos, Theater, Fitnessstudios und Discos gehen", schrieb sie. Auch Puigdemont hatte die Separatisten in seiner Fernsehansprache zu Respekt für jene Katalanen aufgerufen, die mit der Unabhängigkeitserklärung nicht einverstanden seien.

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Laut einer aktuellen Umfrage ist der Rückhalt der separatistischen Parteien bei den Wählern in Katalonien jüngst geschwunden. Demnach würden derzeit 43,4 Prozent der Wähler für Parteien stimmen, die gegen eine Abspaltung Kataloniens sind; 42,5 Prozent würden den Separatisten ihre Stimme geben. Bei der bislang letzten Wahl im Jahr 2015 hatten die Separatisten mit rund 48 zu 39 Prozent noch deutlich mehr Anteile auf sich vereinigt.

fdi/dpa/Reuters/AP