SPIEGEL ONLINE

Entmachtung durch Zentralregierung Puigdemont ruft Katalanen zum friedlichen Widerstand auf

Carles Puigdemont hat in einer Fernsehansprache auf seine Absetzung als katalanischer Präsident reagiert. Die Bürger rief er zu "demokratischem Widerstand" gegen die Zwangsmaßnahmen der spanischen Regierung auf.

Der von der spanischen Zentralregierung abgesetzte katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat die Fortsetzung der Unabhängigkeitsbestrebungen verkündet. In einer Fernsehansprache am frühen Samstagnachmittag rief er die Bürger der Region zur "Gründung eines freien Landes" und zum friedlichen Widerstand gegen die von Madrid beschlossenen Zwangsmaßnahmen auf.

Es war die erste öffentliche Äußerung des Politikers seit seiner Absetzung in Folge der katalanischen Unabhängigkeitserklärung am Freitag. "Unser Wille ist es, weiterzuarbeiten, auch in Kenntnis der aktuellen Schwierigkeiten", sagte Puigdemont in der kurzen Ansprache weiter. Spanische Medien interpretierten die Rede als Weigerung Puigdemonts, der Amtsenthebung Folge zu leisten.

Zuvor - am frühen Samstag - hatte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy offiziell die Amtsgeschäfte Puigdemonts übernommen. Auch die übrigen Mitglieder der nach Unabhängigkeit strebenden Regierung in Barcelona wurden mit der offiziellen Veröffentlichung im Amtsblatt für abgesetzt erklärt. Die Entmachtung solle die bisherigen Verantwortlichen in der Region an einer weiteren "Eskalation des Ungehorsams" hindern, begründete Rajoy seine Entscheidung.

"In einer Demokratie sind es einzig die Parlamente, die Präsidenten ernennen oder absetzen", kommentierte Puigdemont diesen Schritt nun in der TV-Rede.

Am Freitagabend hatte der spanische Senat mit der Billigung des nie zuvor angewandten Verfassungsartikels 155 am Freitagabend den Weg für die Entmachtung der Regierung und für Neuwahlen am 21. Dezember frei gemacht.

fdi/dpa/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.