Abstimmung über neues Parlament Katalonien erwartet Rekord-Wahlbeteiligung

Bei der Parlamentswahl in Katalonien standen die Wähler schon früh Schlange. Bis zum Mittag gab es zwar weniger Stimmabgaben als zur gleichen Zeit 2015. Dennoch wird eine Rekordbeteiligung erwartet.
Stimmabgabe in Barcelona

Stimmabgabe in Barcelona

Foto: ALBERT GEA/ REUTERS

Sie haben noch bis 20 Uhr Zeit, sich zu entscheiden. Aber schon am Vormittag drängte es viele Katalanen in die Wahllokale. An etlichen Orten in der spanischen Krisenregion bildeten sich lange Schlangen.

Rund 5,5 Millionen Katalanen sind aufgerufen, ein neues Regionalparlament zu wählen, nachdem die Madrider Zentralregierung die separatistische Regionalregierung Ende Oktober entmachtet hatte.

Bis zum Mittag machten etwas weniger Wähler ihr Kreuz als bei der Regionalwahl 2015. Die Wahlbeteiligung lag um 13 Uhr bei 34,5 Prozent. 2015 waren es zur gleichen Zeit 35,1 Prozent. Da die Abstimmung aber auf einen Werktag fällt, dürfte jedoch noch am Abend mit Andrang zu rechnen sein. Am Ende wird mit einer Rekordbeteiligung gerechnet.

SPIEGEL ONLINE

Umfragen zufolge wird bei den Ergebnissen der Parteien mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Anhängern der Unabhängigkeit und den Befürwortern eines Verbleibs bei Spanien gerechnet. Nach den Erhebungen soll die linksnationalistische Partei ERC des inhaftierten Separatistenführers Oriol Junqueras stärkste Kraft im Lager der Separatisten werden. Fast gleichauf mit der ERC lag die liberale Bürgerpartei Ciudadanos, die eine Loslösung von Spanien ablehnt.

Fotostrecke

Regionalwahl: Kopf-an-Kopf-Rennen in Katalonien

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

Der abgesetzte und nach Belgien geflohene katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hatte die Unabhängigkeit der Region ausgerufen und damit das Eingreifen der Zentralregierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy ausgelöst. Bereits das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober war von der spanischen Justiz als illegal kassiert worden.

Puigdemont feuerte von Brüssel aus die Unabhängigkeitsbefürworter an. "Wir werden heute erneut die Stärke eines unbeugsamen Volkes unter Beweis stellen", schrieb der 54 Jahre alte Spitzenkandidat der separatistischen Allianz JxCat (Gemeinsam für Katalonien) auf Twitter.

Puigdemont verzichtete auf eine Briefwahl. Für ihn gab die junge Katalanin Laura Sancho die Stimme ab. Die 18-Jährige hatte Puigdemont jüngst in Brüssel besucht und ihm angeboten, für ihn die Stimmabgabe durchzuführen. Das gab der Politiker auf Instagram bekannt. Es handelte sich allerdings um eine symbolische Aktion, denn auch in Katalonien darf man die Stimmabgabe nicht "delegieren". "Puigdemont ist sehr einfallsreich", hieß es dazu beim TV-Sender RTVE.

als/aev/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.