Krise am Golf Iran schickt Flugzeuge mit Lebensmitteln nach Katar

90 Tonnen Obst und Gemüse: Iran hat fünf Flugzeuge mit frischen Nahrungsmitteln in das isolierte Katar geschickt. Zudem sollen bald drei Schiffe mit Lieferungen auslaufen.

Iran-Air-Maschine (Archivbild)
REUTERS

Iran-Air-Maschine (Archivbild)


Fünf Maschinen der staatlichen iranischen Fluggesellschaft Iran Air haben Lebensmittel in das isolierte Katar gebracht. Dabei soll es sich vor allem um frische Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse handeln. Ein sechstes Flugzeug sollte am Sonntag starten. Wenn Katar darum bitte, werde es weitere Lieferungen geben, sagte der Sprecher der Fluggesellschaft der Nachrichtenagentur AFP.

Zudem sollen bald in der iranischen Hafenstadt Dajjer, die gegenüber von Katar am Persischen Golf liegt, drei Schiffe mit 350 Tonnen Lebensmitteln auslaufen, wie die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den Hafenchef meldete.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten hatten Anfang der Woche die diplomatischen Beziehungen zu der Regierung in Doha abgebrochen und eine umfassende Blockade Katars zu Land, Luft und See ausgerufen. Alle Bürger Katars wurden angewiesen, die vier Länder binnen zwei Wochen zu verlassen. Katar, das auf einer kleinen Halbinsel an der Ostküste der arabischen Halbinsel liegt, ist in der Region nun isoliert, das Vorgehen Riads und seiner Verbündeten hat erhebliche politische und wirtschaftliche Konsequenzen. Katar ist unter anderem auf Importe aus der Region angewiesen.

Offiziell wirft Riad dem Emirat die Finanzierung terroristischer Organisationen vor. Eine Rolle spielt allerdings wohl auch das relativ gute Verhältnis Katars zu Iran. Die beiden verfeindeten Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran streiten um die Vorherrschaft in der Region.

Katar kündigte unterdessen an, in dem Emirat lebende Staatsbürger aus Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten vorerst nicht auszuweisen. Die Regierung in Doha werde "keine Maßnahmen" gegen Bewohner des Emirats mit den Staatsangehörigkeiten der Länder ergreifen, die im Zuge einer "feindlichen und tendenziösen Kampagne" ihre Beziehungen zu Katar abgebrochen hätten. Betroffen sind nach offiziellen Angaben mehr als 8250 Saudi-Araber, knapp 2350 Bahrainer und rund 780 Menschen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) befürchtet angesichts der Krise im Nahen Osten das Schlimmste. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") warnte er, dass die Isolation des Emirats Katar durch Saudi-Arabien und seine Verbündeten gefährlich sei: "Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte." Die Härte des Umgangs zwischen Brudernationen und Nachbarstaaten sei "dramatisch".

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind viele deutsche Staatsangehörige von dem Konflikt massiv betroffen. So leben in Katar laut "FAS" rund 2000 Deutsche. "Auch die Verunsicherung in der Wirtschaft ist groß", heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Das Embargo betrifft nicht nur den Flugverkehr, sondern auch den gesamten Handel und die Investitionen in Katar.

lgr/AFP

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kleinsteminderheit 11.06.2017
1. Unverhältnissmäßige Eskalation
Das Vorgehen gegen Katar erscheint sehr spontan. Unabhängig davon, ob Katar tatsächlich den Terror finanziert und ob die Saudische dies nicht auch tun, fehlt jeder Versuch, über maßvollere Sanktionen und Verhandlungen etwas zu erreichen. Offenbar hat Trump dem Saudis grünes Licht für eine Strafaktion gegen einen unbotmäßigen Nachbarn gegeben, welche nun die ganze Region zu destabilisieren droht. Der Iran wird es , wenn die Situation militärisch eskaliert, nicht bei Lebensmittellieferungen belassen.
joG 11.06.2017
2. Das ist nun interessant....
....stehen Iran und Türkei wieder tendenziell zusammen und Deutschland daneben und svhaut zu, während sich potentiel die für Deutschland lebenswichtige Gegend mit gewisser Wahrscheinlichkeit in einen Krieg hinein mündet.
vantast64 11.06.2017
3. Eine gute Gelegenheit, Katar unsere Waffen anzubieten,
um dieses kleine Land gegen die übermächtigen Gegner zu unterstützen und dabei noch fairen Profit zu machen, unser höchstes Gut, nachdem Merkel einige der Gegner bereits ausrüstete.
Martha Cannary 11.06.2017
4. Da steht wohl der nächste Regime Change bevor
Katar tut gut daran Unterschlupf und Sicherheit bei Russland, China und dem Iran zu suchen, sonst blüht Katar das gleiche Schicksal wie dem Jemen oder Syrien, man kennt ja mittlerweile die selbsternannte, westliche Wertegemeinschaft mit ihren völkerrechtswidrigen Regime Changes zur Genüge.
bengel771 11.06.2017
5. Die Mauer muß her
Nachdem alle Verkehrsverbindungen nach Katar, speziell Landverbindungen, blockiert wurden, wäre doch der nächste Schritt eine Mauer. Ich wundere mich, ok eigentlich nicht, das wir so ruhig bis unbeteiligt zusehen, wie hier versucht wird ein Staat, inklusive Lebensmittelembargo, gefügig gemacht werden soll. Die 90 Tonnen Obst und Gemüse haben eher Symbolcharakter. Katar wird nicht verhungern solange der Seeweg frei ist, aber durch unser Schweigen akzeptieren wir im wesentlichen die Idee Hunger als Waffe.
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