Katar-Krise Arabische Staaten drohen mit neuen Sanktionen

Katar hat die von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten erhobenen Forderungen nicht erfüllt. Nun erhöhen die vier arabischen Staaten den Druck auf das Golf-Emirat.

Skyline von Doha, Katars Hauptstadt
DPA

Skyline von Doha, Katars Hauptstadt


Saudi-Arabien und drei weitere arabische Staaten haben nun doch weitere Sanktionen gegen das Golf-Emirat Katar angedroht. In einer gemeinsamen Mitteilung der vier Staaten, aus der arabische Medien zitierten, heißt es: "Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, politische, wirtschaftliche und rechtliche, wie und wann wir es für angebracht halten, um unsere Rechte, Sicherheit, Stabilität und Interessen vor der aggressiven Politik der Regierung Katars zu schützen."

Die von der Regionalmacht Saudi-Arabien angeführte Gruppe wiederholte den Vorwurf an Katar, Terroristen zu unterstützen und die Sicherheit und Stabilität der Golfregion zu untergraben. Die Weigerung Katars, die Forderungen der vier arabischen Staaten zu erfüllen, zeige dessen Absicht, seine Politik fortzusetzen. Der Vorwurf der Terrorunterstützung gilt als Hauptgrund für die seit vier Wochen laufende Blockade des Emirats durch Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten.

Einzelheiten zu möglichen Maßnahmen wurden in der Erklärung nicht genannt. Die Staaten kündigten aber an, dass ihr Verhandlungsangebot vom 22. Juni nun nichtig sei.

Die vier arabischen Staaten hatten erst am Mittwoch erklärt, bis auf Weiteres keine neuen Sanktionen gegen Katar zu verhängen - obwohl der kleine, aber reiche Golfstaat 13 an ihn gestellte Forderungen offensichtlich nicht innerhalb einer gesetzten Frist erfüllt hatte. Das Wüstenemirat war per Ultimatum unter anderem aufgefordert worden, die Beziehungen zu schiitischem Iran - dem Erzrivalen des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien - zurückzufahren und seinen reichweitenstarken TV-SenderAl Jazeera zu schließen.

Tillerson reist zum Vermittlungsversuch nach Kuwait

Katars Regierung bezeichnet den Hauptvorwurf der Terrorfinanzierung als Vorwand, um der Allianz international Sympathie für ihre Maßnahmen zu sichern. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass im Syrienkrieg Geld aus Katar an die radikalsten Gegner der Regierung von Präsident Baschar al-Assad fließt. Doch auch Saudi-Arabien ist als Förderer des islamistischen Terrorismus bekannt. So gilt die saudi-arabische Lesart des Islam - der Wahhabismus - als Quelle der Dschihad-Ideologie, auf die sich etwa die Terrormiliz IS stützt.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den gasreichen Wüstenstaat verhängt. Sie werfen Katar eine Unterstützung von Terrorgruppen und eine zu große Nähe zu Saudi-Arabiens Erzrivalen Iran vor.

US-Außenminister Rex Tillerson will in der kommenden Woche nach Kuwait reisen, um in dem Konflikt zu vermitteln. Vor wenigen Tagen war der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in die Region gereist, um den Dialog zu fördern und eine Eskalation zu verhindern.

anr/dpa/AFP/AP



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mimoun74 07.07.2017
1. Große Show
Der Saudische Kronprinz und Ägyptens Militärdiktator Sisi sitzen in der Bredouille. Die eigenen Bevölkerungen werden zunehmend unzufrieden und ertragen das jeweilige totalitäre System nicht. Hinzu kommt die schlechte wirtschaftliche Lage. In Ägypten eine extreme Geldabwertung und Inflation welche die täglichen Güter extrem verteuert. Abbau von Subventionen auf Treibstoffe und Brot. Folter, Mord und "verschwinden lassen" sind an der Tagesordnung und zwar nicht nur von Moslembrüdern sondern auch von Liberalen, Demokraten und z.Z. sogar Nationalisten.(wegen Verkauf von 2 Inseln an Saudi Arabien). In "Saudi" Arabien sieht es zwar etwas besser aus dank der Öleinnahmen aber auch da reicht es der Mehrheit langsam. Langer Krieg im Jemen der kostspielig und verlustreich ist und nicht gewonnen wird trotz Massen von modernster US Waffen. Abbau von Subventionen, Verteuerung etc. Nun braucht man einen Sündenbock und eine Ablenkung um die eigenen Leute hinter sich zu bringen. Der Saudische König&Kronprinz trauen sich nicht einmal persönlich zum G20 Gipfel, da sie einen Putsch (durch den rechtmäßigen Kronprinzen Mukri ) fürchten welcher unter Hausarrest steht. Katar ist im Vergleich zu den Saudis oder Militärdiktator Sisi in der arabisch-islamischen Welt beliebt (wegen z.B. Al Dschasira, Investitionen in Marokko,Türkei,...) Also alles eine Show um von eigenen Defiziten abzulenken.
hdwinkel 07.07.2017
2. Ergibt keinen Sinn
Ich glaube, Saudi-Arabien und Anhang wandeln auf dünnem Eis. Ich kann keine erfolgversprechende Strategie entdecken. Was soll am Ende dieser Eskalation rauskommen? - Einen Krieg können beide Seiten nicht ernsthaft wollen, Saudi-Arabien trotz Milliardeninvestitionen in Waffensystem auch nicht können, siehe Beispiel Jemen - Die Bevölkerung Katars, gegen deren Herrscherhaus aufbringen, also so eine Art Staatsstreich? Eher wird die alles andere als ergebene Bevölkerung Saudi-Arabiens rebellieren - Eine Annäherung Katars an den Iran verhindern? Es dürfte das Gegenteil passieren, wenn der Iran jetzt Katar mit Lebensmitteln versorgt - Eine Einstellung der Unterstützung der Muslimbrüder durch Katar? Möglich, aber wahrscheinlicher ist ein Szenario, daß Katar diese umsomehr unterstützt, um innenpolitischen Druck z.B. in Ägypten aufzubauen, dort hatten die Muslimbrüder immerhin die Wahlen gewonnen. - Al Jaseera stillegen? In Zeiten des Internet wohl eher nicht. Der ganze Konflikt macht aus Saudischer Sicht überhaupt keinen Sinn. Im Gegenteil, das einzige Machtinstrument der Saudis, der Golf-Kooperationsrat, wird gespalten. Steht Saudi-Arabien dermaßen mit dem Rücken zur Wand, um sich zu solchen Verzweifelungstaten hinreißen zu lassen? Danach sieht es für mich aus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.