Konflikt am Golf Wut in Katar über harte Forderungen der Saudis

Angeführt von Saudi-Arabien setzen arabische Staaten Katar unter Druck: Erst wenn das Land 13 Forderungen erfülle, werde die Blockade aufgehoben. Die Äußerungen eines hohen katarischen Diplomaten zeigen die Wut über das Ultimatum.

Botschafter Meshal bin Hamad Al Thani
Bloomberg via Getty Images

Botschafter Meshal bin Hamad Al Thani


Noch arbeitet die Regierung in Katar an einer offiziellen Antwort auf die harten Forderungen seiner Nachbarstaaten. Doch klar ist: Die Liste mit 13 Bedingungen von Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und der Vereinigten Arabischen Emirate fachen die Verärgerung in dem Golfstaat an.

Der Katalog sei "ein Versuch dieser Länder, freie Medien abzuschaffen und unsere Souveränität zu untergraben", sagte Katars Botschafter in den USA, Meshal bin Hamad Al Thani. Zugleich bemühte er sich trotz der andauernden Blockade um demonstrative Gelassenheit: "Ich kann versichern, dass unsere Situation sehr komfortabel ist", sagte der Diplomat. "Katar könnte ohne Probleme für immer so weitermachen."

Die vier arabischen Länder hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, den Luftverkehr gestoppt und die Grenzen geschlossen. Weitere arabisch-islamische Staaten schlossen sich der Blockade an. Sie beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den "Islamischen Staat" (IS) zu unterstützen. Sie werfen dem Golfstaat außerdem eine zu große Nähe zu Iran vor. Der schiitische Iran und das sunnitische Königshaus von Saudi-Arabien konkurrieren um die Vorherrschaft in der Region. Durch das harte Vorgehen versucht Saudi-Arabien, das seine regionale Vormachtstellung bedroht sieht, offenbar das reiche Katar auf Linie zu bringen.

Frist von zehn Tagen

Kuwait, das in der Krise vermittelt, hatte am Donnerstag den Forderungskatalog an Katar übergeben - innerhalb von zehn Tagen soll das Emirat zustimmen. Beobachter sprechen von harschen Vorgaben, die Katar aber voraussichtlich nicht erfüllen werde.

So soll das Land die diplomatischen Beziehungen zu Iran reduzieren, die Vertretungen dort schließen, Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden ausweisen sowie gemeinsame militärische oder geheimdienstliche Kooperationen beenden. Zudem müsse der derzeit im Bau befindliche türkische Militärstützpunkt sofort geschlossen werden, auch jedwede militärische Kooperation mit der Türkei in Katar müsse aufhören.

Die Verbindungen zu Terrororganisationen wie den islamischen Muslimbrüdern, dem IS, al-Qaida, der früheren Nusra-Front und der Hisbollah müssten gekappt werden. Darüber hinaus dürften Terroristen oder extremistische Individuen nicht mehr von Katar finanziert werden. Alle in einer Terrorliste aufgeführten Terroristen sollen ausgeliefert werden.

Und: Katars Gegner fordern, dass der Sender Al Jazeera und seine mit ihm verbundenen Stationen geschlossen werden.

kev/AP/dpa



insgesamt 40 Beiträge
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ronomi47 24.06.2017
1. Terrorismus und Nationalitaet
Die westliche Presse uebt sich in diesem Konflikt um eine gewisse Neutralitaet. Die Lage ist delikat, ist man bezueglich wirtschaftlicher Interessen mit beiden Interessengruppen verbunden. Fasst man die Aussagen zu den Unterstuetzern von Terroristen zusammen, so finden wir auf Seiten Saudiarabiens deutlich mehr "Privatpersonen" involviert als anderswo. Katar scheint mehr Verbindungen ueber offizielle Kanaele aufzuweisen. was ich vermisse bei unseren doch stets so um die Wahrheit bemuehte Medienwelt ist die Aussage zum Faktum, dass noch nie ein iranischer Staatsbuerger einen Terrorakt im Namen des Islams begangen hat!
Babaji 24.06.2017
2. jup
bloß nicht mit anderen Ländern kooperieren, das gehört sich nicht und ist ein Sakrileg! Einfach Wahnsinn, was da abgeht. Erpressung und Destabilisierung eines souveränen Landes. Das sind schwerwiegende Verbrechen!
maxgil 24.06.2017
3. Al Jazeera
Ist wohl dasHauptziel, den Saudis geht derArsch auf Grundeis. Gut so! In Berlin öffnet eine liberal Moschee, auch gut so, könnte man mit Luthers Thesen vergleichen, allerdings folgte darauf dan der 30jöhrige Krieg. Ich befürchte,da müssen die Moslems noch durch!
jeby 24.06.2017
4.
Alle genannten Länder sind Terroristenunterstützer. In Wirklichkeit geht es nur um Macht. Ich hoffe, dass dieser Konflikt sie alle schwächt.
hm2013_3 24.06.2017
5. eher eine Forderung an die Türkei
über Katar. All diese Forderungen scheinen - ausser die Schließung des Senders Al-Jazeera - eher an die Türkei gestellt. Die Türkei hat je auch gleich protestiert. Araber, Türken und Iraner scheinen dort im Nahen Osten nicht derselben Meinung zu sein.
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