Streit mit Katar Arabische Staaten veröffentlichen "Terrorliste"

Vier arabische Länder werfen Katar Verbindungen zu Dutzenden Terroristen vor. Gegen 59 Personen und zwölf Organisationen wurden nun Sanktionen verhängt. Das Emirat nannte die Vorwürfe "haltlos".

Skyline von Katars Hauptstadt Doha
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Skyline von Katars Hauptstadt Doha


Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain haben 59 Personen und zwölf Organisationen mit angeblichen Verbindungen zum Rivalen Katar auf eine "Terrorliste" gesetzt. Sie alle würden von dem Golf-Emirat finanziert oder seien dort ansässig und hätten Kontakte zu Terroristen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der vier Länder. Für die betroffenen Personen und Organisationen bedeutet der Eintrag auf der "Terrorliste" vor allem Kontensperren und erschwerte Auslandsgeschäfte.

Die vier Staaten begründeten den Schritt mit ihrer "Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen, seine Finanzierungsquellen auszutrocknen und extremistische Ideologien zu bekämpfen". Verwiesen wurde auf "anhaltende Verstöße der Behörden in Doha gegen die von ihnen unterzeichneten Verpflichtungen und Abkommen".

Ägypten verlangte am Donnerstag Ermittlungen des Uno-Sicherheitsrates gegen Katar. Doha habe "bis zu eine Milliarde Dollar" Lösegeld an eine mit der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verbündete Terrorgruppe bezahlt, die im Irak Mitglieder der katarischen Königsfamilie entführte habe, sagte Ägyptens Vizebotschafter bei den Vereinten Nationen, Ihab Mustafa. Er nannte keine weiteren Einzelheiten und verwies auf Medienberichte. "Sollte sich das bestätigen, wäre dies eine eindeutige Unterstützung von Terrorismus", sagte Mustafa.

Katar reagierte wütend und widersprach den Vorwürfen. Diese seien haltlos, teilte die katarische Regierung mit. "Die gemeinsame Erklärung bezüglich einer 'Terrorliste' bekräftigt wieder einmal die haltlosen Vorwürfe, die tatsächlich keinerlei Grundlage haben." Die Anti-Terror Haltung des Emirats sei deutlich stärker als die von vielen der Länder, die die Erklärung unterschrieben hätten. "Ein Fakt, der passenderweise von diesen Ländern ignoriert wird." Katar gab an, beim Kampf gegen die Wurzeln des Terrors führend in der Region zu sein.

Saudi-Arabien, Bahrain, die VAE, Ägypten und der Jemen hatten am Montag alle Beziehungen zu Katar abgebrochen. Die nationalen Fluggesellschaften stoppten den Luftverkehr. Zudem schlossen die Nachbarländer die Grenzen. Die Staaten warfen Katar vor, Terroristen zu unterstützen.

Hackerangriff auf katarischen Sender Al Jazeera

Unterdessen ist der katarische Sender Al Jazeera nach eigenen Angaben Opfer eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. "Mediengruppe Al Jazeera unter Cyberattacke auf alle Systeme, Websites und soziale Onlineplattformen", teilte das Unternehmen am Donnerstag auf Twitter mit.

Der Hackerangriff wurde von einer Quelle in dem Sender bestätigt. Derzeit werde versucht, den Angriff abzuwehren, hieß es. Die Website www.aljazeera.com war am Donnerstag zeitweise nicht aufrufbar. Einige Fernsehzuschauer in der Region berichteten, sie könnten Al Jazeera nicht mehr empfangen.

Auch der TV-Sender steht in dem Streit in der Region im Fokus. Saudi-Arabien schloss die Büros Al Jazeeras auf seinem Staatsgebiet. Katars Nachbarländer hatten dem einflussreichen Sender mit knapp 80 Büros in aller Welt in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, mit voreingenommener Berichterstattung Zwietracht in der Region zu säen.

Ein Hackerangriff war womöglich auch der Auslöser für die gegenwärtige diplomatische Krise. Der US-Sender CNN hatte kürzlich berichtet, dass russische Hacker eine "Fake News"-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Katars platziert hätten. Russland wies den Bericht zurück.

max/dpa/AFP

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