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09. Juni 2017, 21:00 Uhr

Golfkrise

Tillerson fordert Ende der Blockade Katars

Der US-Außenminister kritisiert das Embargo gegen Katar, das Saudi-Arabien und andere arabischen Staaten verhängt haben. Präsident Trump hatte das Vorgehen zu Wochenbeginn noch gelobt.

Rex Tillerson hat eine Lockerung des Embargos gegen den Golfstaat Katar gefordert. "Wir rufen Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten dazu auf, die Blockade Katars zu lösen", sagte der US-Außenminister am Freitag in Washington.

Zugleich appellierte er an Katar, die Anliegen der anderen Länder ernst zu nehmen. Der katarische Emir müsse noch mehr im Kampf gegen den Terrorismus tun.

Saudi-Arabien und die übrigen von Tillerson genannten arabischen Länder hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar überraschend gekappt. Sie werfen Katar Verbindungen zu Terrororganisationen vor. Das Emirat ist seitdem in der Region weitgehend isoliert, der Landweg dorthin ist gesperrt, der Flugverkehr stark behindert.

Mit seinen Äußerungen widerspricht Tillerson seinem Vorgesetzten Donald Trump teilweise. Der US-Präsident hatte am Dienstag das Vorgehen Saudi-Arabiens klar verteidigt. Auf Twitter schrieb der US-Präsident, dieses könnte vielleicht den "Horror des Terrorismus" beenden.

Am Mittwoch indes hatte sich Trump dann wieder dem Emir von Katar als Vermittler angeboten. Tillerson hat diese widersprüchlichen Signale nun vorerst klargestellt.

Es dürfe keine weitere Eskalation der Situation geben, sagte er. Schon jetzt habe die Blockade humanitäre Konsequenzen, etwa was die Versorgung mit Lebensmitteln angehe. Zudem erschwere sie die Operationen des US-Militärs im Nahen Osten.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat dem Emirat weitere Unterstützung zugesichert. "Wir werden Katar weiterhin jede Art der Unterstützung geben", sagte er bei einer Ansprache zum Fastenbrechen in Istanbul. Der Präsident forderte ein Ende der Sanktionen gegen Katar.

"Vor allem habe ich eine Bitte an die saudische Führung: Ihr seid die Größten am Golf, die Stärksten", sagte Erdogan. Saudi-Arabien müsse die "Brüder" am Golf wieder vereinen und die diplomatische Krise beilegen. "Im Streit zwischen Brüdern kann es keinen Gewinner geben. Mit Anschuldigungen kommt man nicht weiter." Er fügte hinzu: "Wir haben es satt, dass Muslime einander bekämpfen."

dop/Reuters/AP/AFP/dpa

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