Katar-Krise Katar vermutet Emirate hinter Hackerangriff

Haben die Vereinigten Arabischen Emirate versucht, Katar mit Fake News politisch zu isolieren? Laut Katar ging der Hackerangriff, der eine Krise in der Golfregion ausgelöst hat, von den Emiraten aus.

Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani
DPA

Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani


Laut Katar ging der Hackerangriff auf die Website der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur (QNA) von einem Hacker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Vor etwa eineinhalb Monaten kappten mehrere arabische Staaten die Verbindung zu Katar und verhängten eine Blockade gegen das Land.

Der Grund: Angeblich iranfreundliche Äußerungen der katarischen Führung. Diese wies die Aussagen jedoch als Falschmeldung zurück, die auf einen Hackerangriff zurückzuführen seien.

"Wir kennen die Nummern"

"Natürlich wissen wir nicht, welche Nationalität der Hacker hat", sagte der Botschafter Katars in Berlin, Scheich Saud bin Abdurrahman Al-Thani, der Deutschen Presse-Agentur. Kurz vor dem Hackerangriff seien außerdem von zwei IP-Adressen in den Emiraten auffällig viele Zugriffe auf die Website der katarischen Nachrichtenagentur erfolgt.

"Wir kennen ihre Nummern, aber wir wollen zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Details nennen. Unsere Forderung ist, dass die Leute, die für diesen Cybercrime verantwortlich sind, juristisch zur Rechenschaft gezogen werden", sagte der Botschafter. Es sei enttäuschend, dass einer der Blockade-Staaten hinter diesem Fake-News-Vergehen stehe. Es sei höchste Zeit, die Blockade zu beenden, die viel Leid über die Betroffenen gebracht habe, und die Krise im Dialog zu lösen.

Auf der QNA-Seite war am 23. Mai ein Artikel über eine angebliche Rede des Emirs von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani, erschienen. Darin hieß es, der junge Monarch habe die arabischen Golfstaaten kritisiert, Verständnis für die schiitische Regionalmacht Iran gezeigt und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas gelobt.

"Sie können nicht verlangen, Al Jazeera zu schließen"

Saudi-Arabien, die Emirate, Bahrain und Ägypten brachen daraufhin Anfang Juni alle diplomatischen Kontakte zu dem Golf-Emirat ab und schlossen die Grenzen. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und zu enge Verbindungen zum Iran vor.

Als Reaktion auf die Vorwürfe hat Katar seine Anti-Terror-Gesetze angepasst. In einem Dekret seien Definitionen zum Terrorismus geliefert worden, berichtet die Nachrichtenagentur QNA. Darunter seien die Begriffe Terrorist, Verbrechen, Terrorakt und terroristische Vereinigung, Einfrieren von Mitteln und Finanzierung von Terrorismus.

Eine andere Forderung der vier arabischen Staaten lehnte Katar indes ab. Diese hatten gefordert, dass das Emirat seinen TV-Sender Al Jazeera schließt. "Sie können nicht von uns verlangen, dass wir Al Jazeera schließen. Das ist, als würde man von Großbritannien verlangen, die BBC dicht zu machen", sagte der Botschafter.

Die "Washington Post" hatte bereits am vergangenen Wochenende unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise über die angebliche Verwicklung der VAE berichtet. Die Emirate bestritten daraufhin jede Verantwortung für den Hacker-Angriff. Die Golfstaaten und Ägypten ärgert nicht nur die oftmals kritische Berichterstattung von Al Jazeera, sondern auch Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft und ihr gutes Verhältnis zur Türkei.

koe/dpa

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