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Katar: Mittelmacht am Persischen Golf

Foto: Getty Images/ Matteo Colombo

Militärdrehkreuz Katar Das Casablanca am Golf

Der größte US-Stützpunkt im Nahen Osten befindet sich in Katar. Nun wird er sogar ausgebaut. Auch Großbritannien und die Türkei haben Militärs in dem kleinen Emirat, das Saudi-Arabien herausfordert.

Kommen ein US-Sterne-General, ein iranischer Spion, ein türkischer Diplomat, zwei Hamas-Mitglieder und ein Taliban-Kommandeur in eine Shopping-Mall - was wie der Anfang eines Witzes klingt, kann in Katar jederzeit passieren.

Das kleine Land am Persischen Golf unterhält zu allen Staaten und Akteuren, die im Nahen und Mittleren Osten wichtig sind, diplomatische Beziehungen. Ihre Botschafter, Militärs und Agenten leben und arbeiten Tür an Tür in der Hauptstadt Doha.

Zudem ist das geostrategisch günstig gelegene Emirat, das durch seine Öl- und Gasvorkommen märchenhaft reich ist, ein Militärdrehkreuz für die gesamte Region. Die USA, Großbritannien und die Türkei haben Soldaten vor Ort. Und: Katar will künftig noch wichtiger werden, eine Art Casablanca am Golf. Also - wie im gleichnamigen Filmklassiker mit Humphrey Bogart - ein Hotspot für Geheimdienste und Armeen aus aller Welt.

Militärische Milliardeninvestition

Die Regierung in Doha hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass sie 1,8 Milliarden Dollar investiert, um zwei Luftwaffenbasen auszubauen, darunter auch die in Udeid. Dort ist das größte Truppenkontingent der US-Armee im Nahen Osten stationiert, rund 10.000 US-Soldaten, und auch das Hauptquartier des Air Forces Central Command.

Der Spatenstich erfolgte bereits im Juni. Katar zelebriert das Infrastrukturprojekt via Twitter und betont, das Investment diene den Bemühungen der USA, Terrorismus in der Region zu bekämpfen.

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So sieht kluge PR aus. Zwar wird von Udeid aus seit 2014 die internationale "Operation Inherent Resolve" gesteuert, also der Luftkrieg gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak, weswegen auch britische Militärs dort sind.

Katar und der Terror

Doch noch im Juni vergangenen Jahres hatte US-Präsident Donald Trump erklärt: "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus, und das auf sehr hohem Niveau." Er forderte das Herrscherhaus selbst auf, die Finanzierung und Unterstützung von radikalislamischen Gruppen wie der im Gazastreifen herrschenden Hamas zu beenden.

All das geschah zu Beginn der Katarkrise. Der sunnitischen Hegemonialmacht Saudi-Arabien missfiel - und missfällt - das forsche Auftreten Katars, dessen Beziehungen zum schiitischen Erzfeind Iran sowie das Selbstverständnis als veritable nahöstliche Mittelmacht.

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Katar: Mittelmacht am Persischen Golf

Foto: Getty Images/ Matteo Colombo

Als Folge blockiert Saudi-Arabien - unter dessen Bürgern es ebenfalls Brandstifter und Terrorfinanzierer gibt - seither gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und einigen weiteren arabischen Vasallenstaaten, wie etwa Ägypten, Katar politisch und wirtschaftlich.

Katar rüstet auf

Dem Herrscherhaus in Riad dürften die jüngsten Meldungen über den Ausbau der Basis in Udeid und die damit einhergehende enge Zusammenarbeit Katars mit den Vereinigten Staaten nicht gefallen.

Bis 2003 befand sich das US-Luftwaffenzentrum für die Region auf der Prinz Sultan Air Base in Saudi-Arabien. Erst nachdem die Monarchie den USA die Nutzung dieses Stützpunktes für Angriffe im Irakkrieg verwehrte, kam die einstige Perlenfischernation Katar ins Spiel.

Der Emir von Katar mit Soldaten in Udeid

Der Emir von Katar mit Soldaten in Udeid

Foto: AP/ QNA

Die USA haben nach Angaben der "Washington Post" seither 450 Millionen Dollar in den Ausbau des Stützpunktes in Udeid investiert, Katar nach eigenen Angaben acht Milliarden dazugegeben.

Das Geld der Scheichs zahlt sich aus - in jeder Hinsicht. Trumps Terrorvorwurf scheint vergessen. Der US-Präsident braucht Katar für seine Nahost-Pläne:

  • So spielt das Emirat etwa in seinen Überlegungen zur Lösung der Gaza-Krise eine wichtige Rolle (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier).
  • Außenminister Mike Pompeo empfing unlängst seinen katarischen Amtskollegen in Washington, und Katars Verteidigungsminister Khalid bin Mohammed al-Attiyah reiste Anfang August nach Missouri.
  • Dort besuchte er das Boeing-Werk, in dem die 36 F-15-Kampfjets hergestellt werden, die Katar für zwölf Milliarden Dollar von dem US-Konzern 2017 gekauft hat.

Wenige Tage zuvor war al-Attiyah noch in Italien gewesen. In der Hafenstadt La Spezia inspizierte er den Beginn der Stahlarbeiten an sieben Kriegsschiffen, die Katars Marine für fünf Milliarden Euro ebenfalls im vergangenen Jahr bestellt hat. Das Emirat nutzt seine geostrategisch bedeutsame Lage also nicht nur, um sich für die USA unentbehrlich zu machen, sondern rüstet auch selbst auf.

Zusammenarbeit mit der Türkei

In den kommenden fünf Jahren sollen al-Attiyah zufolge zudem zwei moderne Marinestützpunkte in Katar gebaut werden. Gut möglich, dass diese nicht nur das Emirat selbst nutzt, sondern auch die Türkei.

Die Regierung in Ankara hat sich seit Beginn der Katarkrise auf die Seite von Herrscher Tamim bin Hamad al-Thani gestellt. Bereits zwei Tage nach deren Beginn beschloss das türkische Parlament die Stationierung von Truppen am Golf.

Der Emir von Katar und der türkische Präsident

Der Emir von Katar und der türkische Präsident

Foto: Uncredited/ dpa

Wenige Tage später kam der erste - kleine - Expeditionstrupp in die Tariq Ibn Ziyad-Basis, die für 5000 Soldaten ausgelegt ist. Auch ein gemeinsames Militärmanöver - Codename: "Eiserner Schild" - wurde vor Ort abgehalten.

Anfang dieses Jahres kündigte der türkische Botschafter in Katar dann an, sein Land werde Luft- und Seestreitkräfte dort stationieren. Katar dankte es - und sagte der vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehenden Türkei vor wenigen Wochen 15 Milliarden Dollar Hilfsgelder zu.