Katars Emir in den USA Der Scheich mit dem Scheckbuch

Die Irankrise, der Afghanistankrieg, der Nahostkonflikt: Das kleine Emirat Katar mischt überall mit. Das hat nun auch Donald Trump gemerkt - und empfängt Scheich Tamim mit großem Tamtam.

Katars Emir: "Tamim, du bist seit langer Zeit mein Freund"
OLIVER CONTRERAS/POOL/EPA-EFE/REX

Katars Emir: "Tamim, du bist seit langer Zeit mein Freund"

Von und


Für diesen Gast war im US-Finanzministerium der feinste Bankettsaal hergerichtet: Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, 39 Jahre alt, Emir von Katar, war zu Besuch.

Für den Emir des Landes mit dem kaufkraftbereinigt höchsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt weltweit öffnete Finanzminister Steven Mnuchin seinen Cash Room. Der Saal aus dem 19. Jahrhundert ist einem italienischen Palazzo nachempfunden. Das Ambiente passte zu der hochrangigen Abendgesellschaft. An Tamims Tisch saßen: US-Präsident Donald Trump, die designierte EZB-Chefin Christine Lagarde und Robert Kraft, Milliardär und Besitzer des Profi-Footballteams New England Patriots.

Essen mit den Mächtigen - und einer Tischrede von Donald Trump: Katars Emir al-Thani zu Gast in Washington
OLIVER CONTRERAS/POOL/EPA-EFE/REX

Essen mit den Mächtigen - und einer Tischrede von Donald Trump: Katars Emir al-Thani zu Gast in Washington

Al Thani wird seine Visite in Washington nutzen, um am Dienstag im Weißen Haus persönlich mit dem US-Präsidenten über die Lage im Nahen Osten und die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen zu sprechen. Vor dem Treffen der beiden twitterte bereits der amtierende US-Verteidigungsminister Mark Esper, die Beziehungen zwischen Doha und Washington seien "stärker denn je".

Der Besuch ist ein diplomatischer Erfolg für den Emir. Im Sommer 2017 hatte Trump noch öffentlich gesagt: "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus, und das auf sehr hohem Niveau." Mit diesem Satz stellte der mächtigste Mann der Welt das kleine Emirat öffentlich an den Pranger. Die Attacke war nicht aus der Luft gegriffen:

  • Der sunnitische Golfstaat unterstützt islamistische Milizen in der ganzen Region, etwa im Bürgerkriegsland Libyen. Zudem unterhält Katar von allen Golfstaaten die besten Beziehungen zum schiitischen Regime in Iran.
  • Katar ist ein beliebtes Exil bei vielen radikalen Islamistengruppen. Unter anderem residieren in Doha führende Vertreter der im Gazastreifen herrschenden Hamas, ägyptische Muslimbrüder und Taliban aus Afghanistan und Pakistan.
  • Das Herrscherhaus in Doha wird seit Sommer 2017 von einer Allianz aus arabischen Emiraten und Militärdiktaturen um die Großmacht Saudi-Arabien, den wichtigsten arabischen Verbündeten der Vereinigten Staaten im Nahen Osten, politisch und wirtschaftlich blockiert.

Unter dem Einfluss dieser saudi-arabischen Blockade entschloss sich Trump damals zur Attacke gegen Katar. Emir Tamim ist der Intimfeind des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

"Tamim, du bist seit langer Zeit mein Freund"

Nun, zwei Jahre später, klingt Trump ganz anders: "Tamim, du bist seit langer Zeit mein Freund, schon bevor ich diese Präsidentensache angefangen habe, und wir fühlen uns wohl miteinander", schmeichelte Trump seinem Gast beim Dinner. Man arbeite gemeinsam daran, "den Terror und seine Finanzquellen auszulöschen, wo immer er Wurzeln schlägt".

Der US-Präsident hat also seine offizielle Haltung gegenüber Katar binnen zwei Jahren um 180 Grad gedreht - dabei hat sich die Politik des Golfstaats in dieser Zeit nicht erkennbar verändert.

Vielmehr dürften persönliche und pragmatische Gründe zu einer veränderten Einschätzung auf US-Seite geführt haben:

  • Trumps engste Verbündete in der Region, Mohammed bin Salman von Saudi-Arabien und der Kronprinz Mohammed bin Zayed von Abu Dhabi sind in die Negativschlagzeilen geraten. Der Mord an Jamal Khashoggi hat in den USA über Parteigrenzen hinweg eine Debatte darüber ausgelöst, ob Saudi-Arabiens Regime ein verlässlicher Partner in der Region sein kann. Wegen der Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate für das Militär im Sudan kritisierte selbst das US-Außenministerium Abu Dhabi öffentlich. Hinzu kommt die Affäre um Haya, die geflohene Prinzessin von Dubai, die das Image der Emirate insgesamt beschädigt.
  • Die USA haben erkannt, dass die Petrodollars aus Katar im Nahen Osten vieles erleichtern. Doha ist der wichtigste Finanzier des Gazastreifens geworden. Der Geldfluss aus dem Emirat an die Hamas hat direkten Einfluss darauf, ob die Miliz den Konflikt mit Israel eskaliert oder nicht. Ohne finanzielle Hilfe aus Katar würde die Kriegsgefahr rund um die Mittelmeerenklave steigen.
  • In Katar unterhalten die USA ihre wichtigste Militärbasis in der Region. Auf dem Flugfeld Al Udeid befindet sich die vorgezogene Kommandobasis des US-Zentralkommandos, das für den Nahen Osten und damit auch Iran verantwortlich ist. Der Stützpunkt ist der wichtigste Lauschposten der US-Armee für Iran - und angesichts der Eskalation mit Teheran für Washington wichtiger denn je.
  • Das Herrscherhaus in Doha hat zudem mehr Einfluss auf die Taliban als alle anderen Golfstaaten. Seit Jahren unterhalten die afghanischen Islamisten ein Verbindungsbüro in Katar. Gerade erst fanden unter Vermittlung Katars und Deutschlands Gespräche zwischen den Taliban und anderen Truppen statt. Trump ist mit dem Versprechen angetreten, die US-Truppen so schnell wie möglich vom Hindukusch abzuziehen. Ohne die Hilfe von Emir Tamim ist ein halbwegs geordneter Rückzug kaum möglich.
  • Und dann ist da noch Katars Einfluss auf die US-Wirtschaft: Der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) will in den nächsten Jahren mindestens 45 Milliarden Dollar in den USA investieren. Medien in Doha brüsten sich damit, eine Million Jobs in den Vereinigten Staaten hingen von Katar ab. Unter anderem bestellte die staatliche Fluglinie Qatar Airways 332 Boeing-Jets im Wert von 92 Milliarden US-Dollar.

Trump kam bei seiner Rede am Montag darauf zu sprechen: "Ich weiß von den Flugzeugen, die du kaufst", sagte der Präsident in Richtung seines Gastes. "Für mich sind das Jobs."

insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
suferone 09.07.2019
1. Nicht was vergessen?
Die Rolle bzw. der Einfluss der Türkei auf Katar! In dieser Region ist es durchaus wichtig alle Beteiligten zu kennen, auch wenn es zuweilen schwierig ist, um einigermaßen einen Überblick zu bekommen. Auch interessant zu sehen wie Trump seine Meinung schlagartig ändern kann wenn es ums schöne Geld geht! Immer wieder das selbe!
oldisepp 09.07.2019
2. Gute Freunde kann niemand trennen.
So ist es halt in der Politik, man braucht doch gute Freunde. Wie heißt es über Russland immer so schön"Oligarchen, und das ist keine Demokratie". Das ist natürlich im Westen ganz anders, da herrscht Demokratie, besonders In Katar oder Saudi-Arabien. Oder die Summen, die ein Presidentschaftskanidat in Amerika aufbringen muß(ca. 300 Millionen) um President zu werden. Alles blitzsaubere Demokraten. Der militärischfinanziele Komplex ( oder auch Tiefe Staat) bestimmt W A S zu tun ist und wer Freund oder Feind ist. Das müßte der Spiegel doch selber am besten wissen, wird doch jedes Jahr auf der Bilderberger Konferenz bestimmt was auf die Agenda Kommt. Ein Großteil der Bevölkerung hat dieses auch schon kapiert, das es egal ist ob Saudi- Arabien, Katar oder Frankreich oder Deutschland bestimmen tut nur das Kapital mit ihren Lobbyisten. Nur der Spiegel meint immer noch, er klärt die Bevölkerung auf über Freund und Feind und Schurkenstaat. Sollte eigentlich an den Abo- Zahlen des Spiegel auffallen. Aber nur weiter so....
sven2016 09.07.2019
3. Und vor kurzerZeit hat Saudi-Arabien
von Trumps schlauem Nahostbeauftragten Kushner fast die Zustimmung erhalten, militärisch in Qatar einzumarschieren. Es zeigt sich, dass die Zuneigung(?) des Trump nur über diktatorische Herrschaft oder sehr viel Geld zu erhalten ist. Die Türkei und der Iran haben enge militärische Beziehungen zu Qatar: das ist sowas von egal ... Wären die Pelosi-Demokraten nicht so butterweich, könnten sie ihm die Hölle heiß machen und schon mal einen Vorgeschmack darauf, was ihn nach seiner Präsidentschaft erwartet, sofern er nicht ins Exil nach Nordkorea geht.
login37 09.07.2019
4.
Der Artikel ist wirklich tendenziös und könnte direkt von MBS oder MBZ diktiert sein. Der Vorwurf Terrorismus-Unterstützung gegen Katar ist also nicht aus der Luft gegriffen, weil "Der sunnitische Golfstaat unterstützt islamistische Milizen in der ganzen Region, etwa im Bürgerkriegsland Libyen. " In Libyen unterstützt Katar die von der UN anerkannte Regierung in Tripolis. Saudi-Arabien (KSA) und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) unterstützen hingegen den abtrünnigen General Haftar, der gerade Tripolis angreift, und rüsten ihn hoch. Gerade vor einem Monat wurden neueste US-Waffen bei General Haftar gefunden. Anhand der Seriennummern war nachvollziehbar, wo die herkamen: Aus Lieferungen der USA an die VAE. Klarer Verstoß gegen UN-Sanktionen. Aber Katar unterstützt dann den Terror? "Zudem unterhält Katar von allen Golfstaaten die besten Beziehungen zum schiitischen Regime in Iran." Katar begegnet Iran nicht extrem feindselig wie KSA und VAE sondern unterhält normale Arbeitsbeziehungen zum Iran. Wie Deutschland auch. Wenn das bei Katar den Verdacht der Terrorunterstützung speist, muss Deutschland auch Terrorunterstützer sein. Schlicht absurd. "Katar ist ein beliebtes Exil bei vielen radikalen Islamistengruppen. Unter anderem residieren in Doha führende Vertreter der im Gazastreifen herrschenden Hamas, ägyptische Muslimbrüder und Taliban aus Afghanistan und Pakistan. " Wie der Oman auch spricht Katar mit allen in der Region. Die so gern verteufelten Muslimbrüder werden weder von Deutschland, nicht von der EU und auch nicht von der UN als Terrororganisation eingestuft. Die undemokratisch an die Macht gekommenen Herrscher in Ägypten, KSA und den VAE sehen in den Muslimbrüdern aber eine große Bedrohung für ihre Macht. "Terror" ist es für diese herrscher, wenn die Muslimbrüder den Machtanspruch der Saud-Familie bzw. der bin Zayed-Familie in Frage stellen. Und für Al Sisi, der sich mit Hlfe von Saudi-Arabien und den VAE an die Macht geputscht hat, sind die Muslimbrüder ohnehin die größte Bedrohung. Das Talibanverbindungsbüro in Katar bestand mit ausdrücklicher Billigung der USA, weil diese einen sicheren Kommunikationskanal zu den Taliban suchten. "Das Herrscherhaus in Doha wird seit Sommer 2017 von einer Allianz aus arabischen Emiraten und Militärdiktaturen um die Großmacht Saudi-Arabien, den wichtigsten arabischen Verbündeten der Vereinigten Staaten im Nahen Osten, politisch und wirtschaftlich blockiert. " Man erträgt es in KSA und den VAE nicht, dass das kleine Katar ihnen die Show stiehlt und mit der Fussball-WM das bedeutendste Sportereignis der Welt ausrichtet. Darüber hinaus erträgt man es nicht, das der katarische Sender Al Jazeera freimütig allen eine Stimme gibt und dabei viele Verfehlungen der Herrscherhäuser in KSA und den VAE thematisiert werden. Und letztlich hat Katar relaxt auf den arabischen Frühling reagiert, während man in Saudi-Arabien und den VAE seine Macht bedroht sah. Al Jazeera hat auch den arabischen Jugendlichen, die sich nach Veränderung sehnten, eine Stimme gegeben. Die Medien sind auch in Katar nicht frei, aber eben freier als in KSA und den VAE. Das ist für letztere Terrorismusförderung.
ali_yildirim 09.07.2019
5. das Geschwätz von Gestern
Vor zwei Jahren ließ Trump über seine Arabische Ausführungsorgane das Emirat blockiert. Der Iran und die Türkei haben das Emirat am Leben gehalten. Als Dankeschön kam der Emir, im Wirtschaftskrieg Türkei vs. USA mit gut 30 Mrd. Dollar zu Hilfe... was will Trump eigentlich? Ich hoffe nur das der Emir bei Airbus bestellt. Der Ami soll mit seinen "Journalistenmördern" weiter kuscheln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.