Rücktritt nach Affäre mit Mitarbeiterin Abgeordnete Hill rechnet mit Trump ab

Sie gehe wegen der "frauenfeindlichen Kultur, in der meine Nacktfotos mit Schadenfreude angeschaut werden": Die Demokratin Katie Hill verabschiedet sich mit einer bemerkenswerten Rede aus dem US-Kongress.

Win McNamee/ AFP

In ihrer letzten Rede vor dem US-Kongress ist die scheidende demokratische Abgeordnete Katie Hill scharf mit einem - zumeist männlichen - Teil der Gesellschaft ins Gericht gegangen und hat auch den amtierenden Präsidenten mit deutlichen Worten attackiert.

"Ich gehe wegen einer frauenfeindlichen Kultur, in der meine Nacktfotos mit Schadenfreude angeschaut werden, wo meine Sexualität ausgeschlachtet wird und die es meinem misshandelnden Ex ermöglicht, mich weiter zu misshandeln - während das ganze Land zuschaut", so Hill.

Die Politikerin aus Kalifornien war nach der Enthüllung einer Affäre mit einer Wahlkampfmitarbeiterin zurückgetreten. In einem Statement teilte die 32-Jährige mit, dass ihr Rücktritt das Beste für ihre Gemeinde und das Land sei. Zuletzt wurden die Vorwürfe gegen sie von einer Ethikkommission des Repräsentantenhauses untersucht.

"Ich habe die dunkelste Zeit hinter mir, die man sich vorstellen kann und ich habe mehr Tränen vergossen, als ich je für möglich gehalten hätte", sagte Hill am Donnerstag (Ortszeit) weiter.

Sie hatte die Affäre mit einer jüngeren Mitarbeiterin eingeräumt. Die rechtspopulistische Website "Redstate" und ein britisches Klatschblatt hatten Nacktbilder von Hill sowie Textnachrichten veröffentlicht. Das Kongresskomitee untersucht zudem die Vorwürfe, Hill habe eine weitere Affäre mit einem älteren Mitarbeiter gehabt. Sie bestreitet das.

Video: US-Demokratin Hill beklagt nach Rücktritt Schmutzkampagne

REUTERS

In ihrer Abschiedsrede griff Hill auch diese persönlichen Details auf: "Die Fehler, die ich gemacht habe, und die Menschen, denen ich wehgetan habe, werden mich bis ans Ende meiner Tage verfolgen. Damit habe ich mich abgefunden."

Hill hatte ihren Noch-Ehemann, den Künstler Kenny Heslep, beschuldigt, die heiklen Bilder weitergegeben zu haben. Ihr Mann habe sie missbraucht, deshalb habe sie sich anderweitig Zuwendung gesucht, sagte sie. Heslep hingegen gab an, er habe seine Frau als Hausmann unterstützt, die ihn dann fallen gelassen habe, als sie ins Repräsentantenhaus einziehen konnte. Zudem bestreitet er, die Bilder verbreitet zu haben.

Andere Frauen sollten sich nicht abgeschreckt fühlen

Zuletzt klagte Hill Präsident Donald Trump und die Heuchelei der Gesellschaft an. Ein großer Teil dieser Gesellschaft, der mächtige Frauen fürchte und hasse, habe sich zusammengetan, um eine junge Frau von der Macht zu verdrängen, erklärte sie: "Gleichzeitig besetzt ein Mann den mächtigsten Posten dieses Landes, der mit seinen sexuellen Übergriffen prahlt und gegen den Dutzende Frauen glaubhafte Vorwürfe der sexuellen Gewalt vorgebracht haben."

Daher erfülle es sie mit Stolz, so Hill, als letzte Amtshandlung für das Fortschreiten der Vorbereitungen für ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten gestimmt zu haben. Keine Frau solle sich wegen ihrer Geschichte davon abhalten lassen, Verantwortung, gerade in einem politischen Amt, zu übernehmen.

jok



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.