Kaukasus-Konflikt Georgien meldet Entführung von zwei Deutschen

Große Sorgen im Auswärtigen Amt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind möglicherweise in der georgischen Kriegsregion um Gori zwei Deutsche entführt worden. Deutsche Behörden gehen konkreten Hinweisen der georgischen Polizei mit Hochdruck nach.

Aus Tiflis berichtet


Tiflis – Es wäre ein neuer Alptraum für die Diplomaten, im schlimmsten Fall der Beginn eines neuen Geiseldramas: Im Auswärtigen Amt (AA) herrscht große Sorge, dass möglicherweise in der Krisenregion am Kaukasus zwei deutsche Staatsbürger von südossetischen Milizen verschleppt worden sind.

Das AA und das Bundeskriminalamt (BKA) prüfen seit dem vergangenen Donnerstag intensiv recht konkrete Hinweise der georgischen Kriminalpolizei, denen zufolge zwei Georgier mit deutschen Pässen aus der Stadt Gori nordwestlich der Hauptstadt Tiflis verschwunden sind und der georgischen Kripo zufolge von südossetischen Truppen entführt wurden.

Von den lokalen Behörden erfuhr die Botschaft in Tiflis am vergangenen Mittwoch, dass zwei Personen, deren Namen die Kripo mit Levan und Lika D. angab, während der chaotischen Zustände in der Stadt wenige Kilometer südlich der Kriegsregion von Südossetien verschleppt worden seien. Zusätzlich übermittelten die Behörden den Deutschen noch eine deutsche Handynummer, über die man die Entführten erreichen könne.

Das Ministerium von Frank-Walter Steinmeier (SPD) bestätigte SPIEGEL ONLINE den Fall auf Nachfrage. "Wir gehen den Hinweisen mit Hochdruck nach", so der Sprecher. Details wollte das Ministerium, wie in solchen Fällen üblich, nicht nennen. Grundsätzlich hält sich das Amt bei möglichen Geiselnahmen mit jeder Art von Stellungnahme zurück.

Trotz eingehender Recherche konnten die deutschen Behörden bis zum späten Freitagabend nicht bestätigen, dass es sich bei den von der georgischen Kripo genannten Personen tatsächlich um Deutsche handelt – auch, weil Details wie Geburtsdaten fehlten. Auch die deutsche Handynummer, so das Ergebnis der ersten Ermittlungen durch das BKA, ist nicht auf einen der beiden Namen angemeldet.

Trotzdem geht das AA dem Verdacht nach. Die Verschleppung von zwei Deutschen, so eine Befürchtung im AA, könnte von den möglichen Geiselnehmern dazu genutzt werden, den Konflikt zu politisieren. Unbestätigten Berichten zufolge waren in den Tagen nach den aktiven Kampfhandlungen Hunderte Georgier nach Südossetien verschleppt worden.

Eine Überprüfung des Verdachts oder gar aktive Ermittlungen vor Ort sind zurzeit mehr als schwierig. Am Freitag sperrte die russische Armee den Ort Gori noch immer hermetisch ab und ließ nur einige Hilfslieferungen für die verbliebene Bevölkerung hinein. Die versprochene Übergabe an die georgischen Behörden allerdings erfolgte nicht.

Bereits Anfang dieser Woche hatte das Auswärtige Amt Hinweise bekommen, dass offenbar Deutsche in der ebenfalls umkämpften Region Abchasien im Nordwesten Georgiens verschwunden oder gar entführt worden waren. Nach eingehender Überprüfung gehen die Behörden allerdings nunmehr davon aus, dass es sich bei diesem Verdacht um einen falschen Alarm handelte.

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