Kaukasus-Konflikt Medwedew macht Nato für Georgien-Krieg verantwortlich

Jetzt geht Russlands Staatsoberhaupt in die verbale Offensive: Präsident Medwedew wirft der Nato vor, den Krieg in Georgien provoziert zu haben. Gleichzeitig verwehrte er sich gegen die Vorwürfe der USA, Russland falle zurück in autoritäre Sowjetzeiten.

Hamburg/Moskau - In dieser Klarheit hatte sich Russlands Präsident Dmitrij Medwedew bisher noch nicht geäußert - es ist wohl der Konter auf die Moskau-kritischen Äußerungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice vom Donnerstag: Medwedew machte am Freitag die Nato für den Georgien-Krieg verantwortlich. Russlands Präsident sagte in Moskau, die westliche Militärallianz habe den Konflikt provoziert: "Was hat die Nato getan, was hat sie garantiert? Sie hat den Konflikt nur provoziert. Das ist alles."

Russlands Präsident Medwedew: Schwere Vorwürfe gegen die Nato

Russlands Präsident Medwedew: Schwere Vorwürfe gegen die Nato

Foto: DPA

Medwedews zweite Replik auf Rice: Seine Regierung werde es nicht zulassen, dass der Westen Russland in ein autoritäres Regime im Stile der Sowjetunion zurückdränge und es hinter einen neuen Eisernen Vorhang verbanne. "Ich möchte betonen, dass das nicht unser Weg ist. Es macht für uns keinen Sinn, in die Vergangenheit zurückzukehren", fügte Medwedew hinzu. Er äußerte sich, während die Nato-Verteidigungsminister in London über die Kaukasus-Krise berieten.

US-Außenministerin Rice hatte am Donnerstag Russland vorgeworfen, zunehmend aggressiv und autoritär vorzugehen. Der Westen müsse sich gegen die russischen Schikanen wehren, forderte sie. In einer Rede vor der Stiftung German Marshall Fund sagte Rice, der jüngste russische Eingriff in Georgien passe "in ein Schema stetig schlechter werdenden Verhaltens in den vergangenen Jahren".

Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Jakowenko warf den USA unterdessen vor, den Führern der abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien Visa zu verweigern. Dass Washington die Ausstellung der Einreisedokumente für ein Treffen mit den Vereinten Nationen blockiere, sei "böse Absicht", sagte er vor Journalisten in Moskau. "Wir müssen dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Gelegenheit geben, alle Seiten anzuhören und wir finden, dass die Repräsentanten Abchasiens und Südossetiens angehört werden sollten." Russland hatte die beiden Regionen Ende August als unabhängig anerkannt.

Der Kaukasus-Krieg im vergangenen Monat hat die Spannungen zwischen der Regierung in Moskau und dem Westen verschärft. Russland betrachtet die Annäherung ehemaliger Sowjetrepubliken wie Georgien an die Nato als Eingriff in seine Einflusssphäre.

flo/amz/Reuters/AFP

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