Kaukasus Russland zieht Zehntausende Soldaten aus Tschetschenien ab

Russland hebt nach einem Jahrzehnt den Anti-Terror-Status für Tschetschenien auf und will 20.000 Soldaten abziehen. Die Entscheidung soll die Lage in der Kaukasusrepublik beruhigen: Immer wieder kommt es zu Gewalt zwischen russischen Sicherheitskräften und Rebellen.


Moskau - Russland hat nach mehr als zehn Jahren den Anti-Terror-Status im früheren Kriegsgebiet Tschetschenien aufgehoben. Damit ende ein schweres Kapitel für die Teilrepublik, sagte der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Russischer Soldat vor Grosny (Archivbild): Ende des "Anti-Terror-Regimes"
DPA

Russischer Soldat vor Grosny (Archivbild): Ende des "Anti-Terror-Regimes"

Mit der Aufhebung des kriegsähnlichen Rechts ist laut Medienberichten in Moskau auch der Abzug von 20.000 russischen Soldaten des Innenministeriums verbunden. Kadyrow betonte, dass die Konfliktregion im Nordkaukasus nach jahrelangen Angriffen muslimischer Rebellen heute friedlich sei. Das Ende des 1999 eingeführten "Anti-Terror-Regimes" helfe Tschetschenien bei seiner weiteren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.

Das frühere Kriegsgebiet stand bisher unter besonderer Verwaltung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Kremlchef Dmitrij Medwedew hatte den FSB unlängst aufgefordert, diesen Status nach Möglichkeit zu beenden. Das Anti-Terror-Komitee des FSB teilte am Donnerstag mit, dass das "Regime" in der nach dem Krieg wieder aufgebauten Republik seit Mitternacht aufgehoben sei. Dies solle eine weitere "Normalisierung der Lage in der Region" ermöglichen.

Die Lage in der Region gilt seit längerem als vergleichsweise ruhig. Insbesondere die von Russland im Krieg zerstörte Hauptstadt Grosny ist größtenteils wieder aufgebaut. Kadyrow genießt in der vorwiegend muslimischen Bevölkerung ungeachtet einer Arbeitslosenquote von über 50 Prozent breite Zustimmung. Dagegen weisen einzelne russische Sicherheitsexperten darauf hin, dass Rebellen weiter Anschläge in der Region verüben. Betroffen sind auch die Nordkaukasus-Republiken Dagestan und Inguschetien.

Russlands Militär ging 1994 gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Tschetschenien vor, musste jedoch 1996 einen Waffenstillstand akzeptieren. Nach einer zweiten militärischen Eroberung 2000 wehrten sich die Tschetschenen jahrelang mit Guerilla-Attacken. Terroristen trugen den Kampf immer wieder auch nach außen, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule in der nordossetischen Stadt Beslan 2004. Bei den Anschlägen wurden Hunderte Menschen getötet.

amz/dpa



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